Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021 Motorsport Images
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McLarens Weg zurück an die Formel 1-Spitze

McLarens Weg zurück an F1-Spitze Alter Windkanal als Handicap

McLaren arbeitet sich Schritt für Schritt zurück an die Spitze der Formel 1. Die veralteten Werkzeuge werden erneuert. Im Verlauf 2022 geht ein neuer Fahrsimulator ans Netz. Ende 2022 sollte der neue Simulator in Woking bereit sein. Derzeit entwickelt McLaren im Toyota-Windkanal in Köln, der aber schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Der Sieg von Monza war die nächste Bestätigung für McLaren, dass man auf dem richtigen Weg ist. Weil es kein Zufallsprodukt war, sondern ein Erfolg aus eigener Kraft. Weil Fahrer und Rennteam funktionierten, als der Druck am höchsten war. McLaren absolvierte mit Daniel Ricciardo den schnellsten Boxenstopp des Tages in 2,40 Sekunden, um die Führung abzusichern. Lewis Hamilton und Max Verstappen hätten sich wahrscheinlich auch ohne Kollision die Zähne an den McLaren ausgebissen.

2017 lag McLaren noch am Boden. Der Traditionsrennstall war auf den neunten Rang der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft abgestürzt. Nur Sauber war schlechter. Dann begann der Masterplan von CEO Zak Brawn zu greifen. McLaren heuerte neues Führungspersonal an, stärkte die Struktur und baute intern um. 2018 kletterte das Team auf den sechsten WM-Platz. James Key wurde als neuer Technikchef von Toro Rosso abgeworben mit Arbeitsbeginn im März 2019. Zwei Monate später kam Andreas Seidl als neuer Teamchef.

Seither hat McLaren zwei Gänge hochgeschaltet. Seither wurden acht Podestplätze eingefahren, inklusive des Doppelpodiums in Monza samt Sieg. Auf einen vierten WM-Rang folgte 2020 ein Dritter. 2021 ist McLaren auf Kurs, diese Position gegen Ferrari zu verteidigen. McLaren hat mit dem Mercedes-V6-Turbo den stärkeren Motor und mit dem MCL35M das bessere Auto in schnellen Kurven. Ferrari gehören die langsamen Ecken.

McLaren - Siegerfoto - GP Italien 2021
McLaren
In Monza feierte McLaren den 183. Sieg der Team-Geschichte.

Keine Abkürzung in der Formel 1

Mit Daniel Ricciardo und Lando Norris mischt Woking einen GP-Sieger mit Erfahrung und einen aufstrebenden Youngster, der sich seit seinem Renndebüt 2019 stetig weiterentwickelt. In diesem Jahr brilliert Norris mit durchweg starken Leistungen und einem vierten WM-Platz. Wenn sich Ricciardo nach zunächst starken Anpassungsschwierigkeiten im neuen Auto weiter steigert, ist McLaren auf der Fahrerseite bestens aufgestellt. Die Matrix im Rennteam mit Seidl an der Spitze, Key als Technikchef und Andrea Stella als Einsatzleiter stimmt. Es gibt einen klaren Plan.

Das Ziel ist der Weg zurück an die Spitze. Spätestens 2024 will McLaren wieder regelmäßig um Rennsiege und Weltmeisterschaften kämpfen. Seidl und seine Führungsmannschaft wissen, dass es in der Formel 1 keine Abkürzungen gibt. Es dauert, bis ein Team aus den Niederungen des Feldes nach oben klettert. Mercedes und Red Bull waren enteilt, doch so langsam kommt ihnen McLaren näher. Die Budgetdeckelung gleicht die Finanzen an. Die neuen Regeln ab der kommenden Saison lassen alle mit einem weißen Blatt Papier beginnen. Da wittert McLaren die Chance, noch weiter aufzuschließen.

Noch sind allerdings nicht alle Bausteine gesetzt. Die Infrastruktur lässt noch zu wünschen übrig. McLaren hinkt den Topteams bei den Werkzeugen hinterher. Schritt für Schritt wird jetzt nachgerüstet, was man in den Jahren davor versäumt hatte. Beispiel Boxenstopp-Ausrüstung: Hier rüstete McLaren bei der Hardware wie Schlagschrauber massiv auf. Beispiel CFD-Simulation. Das ist die digitale Darstellung von Strömungsverhältnissen. In diesem Bereich gab es Ende 2020 ein großes Software-Upgrade. "Es wurde Zeit, weil seit zehn Jahren nichts mehr gemacht wurde", führt Teamchef Seidl aus.

Das Problem mit dem Windkanal

CFD ist als zweites Werkzeug die Ergänzung zum Windkanal. Und da schlägt sich McLaren noch mit einem Handicap herum. Es wird noch bis Ende 2022 dauern, bis der neue Windkanal auf dem Fabrikgelände in Woking fertiggestellt sein wird. Ergo wird das erste Auto, das dort entwickelt wird, das 2024er Modell sein. Deshalb auch sieht der Masterplan vor, dass der Anschluss zur Spitze wohl erst dann tatsächlich geschafft ist.

Bis dahin arbeitet McLaren weiter im Toyota-Windkanal in Köln. Das Team ist dankbar, sich dort für die Entwicklungsarbeit einmieten zu können. Doch es besteht ein Handicap gegenüber den Topteams. Die Distanz von über 600 Kilometern. Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Quarantäne-Vorschriften, die das Reisen erschweren. Und die alte Hardware. Toyotas Windkanal hat über zehn Jahre auf dem Buckel.

Ein Team aus rund zehn Mitarbeitern – Aerodynamiker und Modellbauer – pendelt regelmäßig zwischen Woking und Köln. Der Rest ist per Video zugeschaltet, wenn das 60-Prozent-Modell im Windkanal steht. Allein die Distanz führt zu Reibungsverlusten. Es ist etwas anderes, wenn der Windkanal auf dem eigenen Gelände steht, und man schnell ein paar Meter rübergeht, um eine Idee einer weiteren Entwicklungsschleife zu testen. Da spielt auch Moral eine große Rolle. Reisen kosten Kraft. Eine eigene Einrichtung stärkt den Team-Spirit.

McLaren-Party - Woking - Monza-Sieg 2021
McLaren
Nach dem Monza-Sieg wurde in Woking angestoßen. Auf dem Fabrikgelände entsteht ein neuer Windkanal und Fahrsimulator.

Neuer Fahrsimulator zuerst fertig

Bei einem Windkanal verhält es sich im Prinzip wie mit einem Auto. Es muss ständig weiterentwickelt werden, um auf dem letzten Stand der Technik zu sein. Die Topteams können ihren Einrichtungen auf sich selbst maßschneidern. McLaren muss derzeit mit dem leben, was man vorfindet. Ein Beispiel: Mit dem eigenen Windkanal wird es schneller gehen, zwischen den einzelnen Sitzungen das Modell zu wechseln. Momentan geht McLaren hier noch Zeit flöten.

Über die Korrelation kann sich Woking nicht beklagen. Was der Toyota-Windkanal in Köln ausspuckt, bestätigt sich größtenteils auf der Rennstrecke. Dennoch hofft McLaren, mit einer eigenen, modernen Einrichtung noch näher an der Realität zu liegen. Und damit schneller das Potenzial neuer Pakete in Geschwindigkeit auf der Rennstrecke zu entfalten. 2020 zum Beispiel führte McLaren kurz vor der Homologation eine umfangreiche Nasen-OP am MCL35 durch. Es dauerte ein paar Rennen, bis man verstanden hatte, was der Umbau tatsächlich für Auswirkungen auf die Aerodynamik in der Wirklichkeit hat.

Beim Spiel mit dem Wind geht es um Nuancen. Da helfen noch bessere Werkzeuge, wie der neue Windkanal. Seidl warnt aber auch: "Es gab schon Fälle, wo es ein Jahr gedauert hat, bis Teams die Ergebnisse im Windkanal nach einer Umstellung richtig verstanden haben. Hoffentlich passiert uns das nicht, und wir können abkürzen."

Ein weiterer Baustein bei der Hardware ist der neue Fahrsimulator. Er soll spätestens Mitte 2022 ans Netz gehen. Hier werden Ricciardo und Norris dann ihre Runden drehen, um in der virtuellen Welt das Auto weiterzuentwickeln und Setups für Rennstrecken zu erarbeiten. Auch hier gilt: Je moderner die Anlage, desto besser die Ergebnisse. Und desto größer der Vorteil auf der Rennstrecke. Mit den bestehenden Restriktionen für Windkanal und CFD nimmt die Bedeutung von Fahrsimulatoren stark zu. Red Bull und Mercedes sind hier bestens aufgestellt. Ferrari hat seinen neuen Hightech-Fahrsimulator erst kürzlich angeschlossen. McLaren zieht alsbald nach.

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