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Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen & Alex Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen & Alex Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020 42 Bilder

5:3-Mehrheit für Australien-Absage

Saisonauftakt erst im Juni?

Der Saisonauftakt in Melbourne wurde 54 Stunden vor dem Start abgesagt. Darauf einigten sich FIA, das F1-Management und der Veranstalter. Nach einem Corona-Fall bei McLaren erklärten fünf Teams ihren Verzicht. Es gab zwei Enthaltungen. Der Rest wollte fahren.

Die offizielle Mitteilung kam um 10.07 Uhr Ortszeit Melbourne. Die FIA, das Formel 1-Management und der AGPC als Veranstalter sagten den GP Australien offiziell ab. In dem Statement steht:

„Nach der Bestätigung, dass ein Teammitglied von McLaren positiv auf Corona getestet worden war und dem Rück-zug des Teams, haben sich die FIA und das F1-Management noch in der Nacht mit den Teamchefs der neun verbleibenden Rennställe getroffen.“

„Dabei teilte die Mehrheit der Teams die Meinung, dass man das Rennen absagen sollte. Die FIA und das F1-Management haben deshalb mit voller Unterstützung des AGPC beschlossen, dass alle Aktivitäten für den Formel 1-Grand Prix in Australien gestoppt werden.“

Danach entschuldigten sich die drei Parteien noch bei allen Zuschauern und den Leuten, die bei der Organisation des Grand Prix geholfen hatten:

„Wir wissen, dass diese Entscheidung für Tausende von Fans sehr enttäuschend ist. Alle Besucher, die ein Ticket gekauft haben, bekommen ihr Geld zurückerstattet. Wir alle schätzen den Einsatz der Offiziellen und der Freiwilligen des AGPC bei der Planung und Durchführung des GP Australien, jedoch am Ende hatte die Gesundheit der Formel 1-Gemeinde und von ihrem Umfeld und die Fairness des Wettbewerbs Priorität.“

Den letzten Anstoß gab der Rat des nationalen Gesundheitsbeauftragten. Er riet dem Veranstalter um 9 Uhr in der Früh, den Grand Prix abzublasen. Da blieb dem AGPC nichts mehr anderes übrig, als seine starre Haltung gegen eine Absage aufzugeben.

Paul Little, Chef der Australian Grand Prix Corporation, gab zu: „Mehrere Faktoren haben uns zu der Entscheidung veranlasst. Die weltweite Entwicklung an Corona-Erkrankten, der positive Fall im McLaren Team, der Rat der Gesundheitsbehörden.“

Formel 1-Chef Chase Carey wehrte sich gegen Vorwürfe, man habe zu lange mit der Absage gewartet: „Es ist eine dynamische Situation, auf die man nur stündlich reagieren kann. Vor vier Tagen sah die Welt noch ganz anders aus. Wir sind ein globaler Sport, dessen Veranstaltungen eine gewisse Vorlaufzeit beanspruchen. Für alle von uns ist die Situation neu. Es gibt keine Patentrezepte. Wir finden, es war richtig nach Australien zu reisen.“

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Nach einem bestätigten Corona-Fall in der Belegschaft hatte McLaren als erstes Team seine Rennteilnahme abgesagt.

Red Bull und Alpha Tauri als Hardliner

Für die Teams hätte der Fall eigentlich klar sein müssen. Schon vor der Abreise nach Melbourne hatten sich die zehn Teamchefs darauf geeinigt: Wenn ein Team aus Gründen höherer Gewalt nicht fahren kann oder darf, fährt keiner. Alles andere wäre eine Wettbewerbsverzerrung. Doch das war nach dem positiven Fall bei McLaren und dem Rückzug des Rennstalls schon wieder vergessen. „Die Teams mit guten Autos wollten von der Abmachung plötzlich nichts mehr wissen.“

Tatsächlich gab es im Feld unterschiedliche Meinungen, ob der Saisonauftakt stattfinden sollte. Nachdem McLaren seine Teilnahme am Grand Prix abgesagt hatte, kam es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zu einer Krisensitzung der restlichen Teamchefs mit Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn und FIA-Rennleiter Michael Masi im Crown Hotel von Melbourne. Sie dauerte von 23.30 bis 1.30 Uhr morgens.

Vier Teams beschlossen umgehend, dass sie wie abgemacht nicht teilnehmen würden: McLaren, Renault, Ferrari und Alfa Romeo. Mercedes zeigte zuerst Bereitschaft zu fahren, entschied dann aber offenbar in Rücksprache mit der Konzernleitung in Stuttgart, auch abzusagen. Bei Red Bull hieß es: „Da war wohl Druck von oben da.“ Mercedes bestreitet das. Toto Wolff habe die Entscheidung getroffen und niemand sonst.

Red Bull, Alpha Tauri und Racing Point wollten unbedingt fahren. Haas und Williams enthielten sich der Stimme. Prinzipiell waren aber auch sie für eine Durchführung des Rennens. Sie hatten Angst, dass sie gegenüber den Rechteinhabern vertragsbrüchig würden. So wollten sie zumindest juristisch Bereitschaft zeigen zu fahren.

Das verlief sich schnell im Sande. Ohne Motoren von Ferrari und Mercedes hätte sich bei den Kundenteams kein Rad gedreht. Nach Mitternacht meldete sich FIA-Präsident Jean Todt zu Wort. Er signalisierte, die Mehrheit zu unterstützen. Da es ohne die Enthaltungen 5:3 für die Startverweigerer stand, versprach der Präsident, sich für eine Absage einzusetzen.

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Am Freitag wurde kurfristig eine kleine Pressekonferenz mit den Verantwortlichen vor dem Eingang des Fahrerlagers durchgeführt.

Neuer Kalender ab Baku

Trotzdem sah es um 9 Uhr morgens rund um den Albert Park aus wie Business as usual. An den Eingängen standen die Fans Schlange. Der Veranstalter und die lokale Regierung erklärten das Event weiterhin als „sicher“. Vor dem Fahrerlager stauten sich die Teammitglieder und warteten auf Einlass, so als würde der Grand Prix stattfinden.

Nur Ferrari glänzte mit Abwesenheit. Bei Mercedes füllte sich der Pavillon langsam. Red Bull, Alpha Tauri, Haas und Racing Point waren in voller Mannschaftsstärke vertreten. Renault schickte lediglich Einsatzleiter Alan Permane.

Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen erwischten noch in der Nacht ein Flugzeug zurück nach Europa. Der Veranstalter beharrte weiter darauf, sein Rahmenprogramm durchzuziehen. Und dazu zählten immerhin die V8 Supercars mit, Australiens Tourenwagen-Vorzeigeserie.

Das Ganze hatte auch rechtliche Gründe. Der AGPC musste Bereitschaft zeigen, die Veranstaltung wie geplant durchzuführen, um seinerseits nicht haftbar gegenüber dem F1-Management zu werden.

Als die Warnung von der Gesundheitsbehörde eintraf, brachen alle Dämme. Nach einem einstündigen Tauziehen einigte man sich auf einen Kompromiss. Die Pressemitteilung mit der Absage wurde von allen Parteien gemeinsam verschickt. Damit war die Absage auch eine gemeinsame Entscheidung.

In der Folge erklärte jedes einzelne Team seine Gründe, warum man seine Zelte abbricht. Red Bull sprach von „höherer Gewalt“ und bedauerte die Fans. Mercedes verfasste sogar einen offiziellen Brief an die FIA und das F1-Management, in dem die Entscheidung des Teams mit Sorgen um die Sicherheit der Angestellten und der Formel 1-Gemeinschaft begründet wurde.

Diese könne man bei der weltweiten Corona-Seuche nicht mehr garantieren.Außerdem wäre es nicht richtig an einer Veranstaltung teilzunehmen, auf die ein Mitbewerber aus Gründen verzichten musste, die nicht in seiner Verantwortung liegen. Gemeint war McLaren.

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Nach der Absage in Melbourne fragt sich die Formel-1-Gemeinde, wo die Saison jetzt beginnen wird.

F1-Flieger gehen direkt nach Europa

Der Premierminister versuchte noch zu retten, was zu retten war und verkündete um 9 Uhr in der Früh ein Rennen ohne Zuschauer. Der Bundesstaat von Victoria zählt zu den großen Sponsoren des Grand Prix. Da steht eine Summe von 60 Millionen Euro auf dem Spiel. 30 Minuten später war auch das Makulatur.

Die Teams wurden vorab über die Absage informiert. Red Bull-Teamchef Christian Horner trommelte seine Mannschaft in der Garage zusammen und teilte seinen Angestellten die Entscheidung mit. Man wolle nun alle so schnell und so sicher wie möglich nach Hause bringen.

Der Veranstalter entschuldigte sich bei den Zuschauern und versprach ihnen, die Ticketpreise zu erstatten. Für die Teams ging es umgehend ans Zusammenpacken und ans Umbuchen.

Wohin geht die Reise der sieben Cargo-Jets? Direkt zurück nach Europa. Die Grand Prix von Bahrain und Vietnam wurden wenig später auch abgesagt. Da sich die Corona-Lage in vielen europäischen Ländern noch viel dramatischer zuspitzt als in Australien, dürften auch die Grand Prix in Holland, Spanien und Monaco wackeln.

Die FIA und das F1-Management wollen aber mindestens noch bis April mit einer Entscheidung abwarten. Im Fahrerlager ist man sich relativ sicher, dass die Saison frühestens in Baku beginnen wird. Mit einem völlig neuen Kalender ohne Sommerpause.

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McLaren hat seine Teilnahme beim Saisonstart in Melbourne abgesagt.

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