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So besiegte Mercedes Ferrari

Fünf Gründe für den Hamilton-Sieg

Lewis Hamilton - GP Belgien 2017 Foto: sutton-images.com 56 Bilder

Spa ist eine Mercedes-Strecke, doch Ferrari war schneller. Trotzdem gewann am Ende Lewis Hamilton. Wir sagen, wie viele Faktoren passen mussten, damit das Kunststück gelingen konnte.

Es war ein Rennen, das Mercedes gewinnen musste. Spa ist von der Papierform Mercedes-Land. Doch Ferrari hat durch zwei Aero-Pakete nach der Niederlage von Silverstone die Lücke zu Mercedes auf den vermeintlich schwachen Strecken der Roten geschlossen. „Im Rennen hatten sie das schnellere Auto“, gab Mercedes-Teamchef Toto Wolff neidlos zu. „Wenn Vettel das ganze Rennen lang Lewis folgen kann, ohne dass seine Reifen darunter leiden, müssen wir davon ausgehen, dass er hätte schneller fahren können.“

Das sah auch Vettel so: „Das ist der positive Aspekt einer verpassten Chance. Wir hatten im Rennen den besseren Speed.“ Doch es reichte nicht, weil Mercedes und Hamilton alles richtig gemacht haben. „Wir dürfen uns gegen diesen Ferrari nicht die geringste Blöße geben“, bilanziert Wolff. „Bei diesem Sieg spielen viele kleine Faktoren eine Rolle.“

Zählen wir sie einfach mal auf. Zuerst in Kurzform. Der neue Mercedes-Motor, der rund 10 PS mehr Power bringt. Die größere Palette an Motoren- und Ers-Konfigurationen. Das perfekte Setup, um ein Rennen von der Spitze zu gewinnen. Der richtige Schachzug, um Lewis Hamilton auf die Pole Position zu bringen. Ein Hamilton in Hochform. Schnell, fehlerlos, ausgefuchst. Und das Glück mit dem SafetyCar, das Hamilton zuerst als Unglück empfand, im Rückblick aber dankbar annahm.

Streit um das Debüt von Motor Spec 3.1

Mercedes spürt den heißen Atem von Ferrari. Die Aerodynamik-Offensive der Roten konterte Brixworth mit dem Debüt des vierten Motors. Intern Spec 3.1 genannt. Er soll rund 10 PS mehr haben und längere Strecken im Race-Plusmodus ermöglichen. Sämtliche Schwachstellen wurden ausgeräumt. Ursprünglich sollte das Triebwerk erst in Suzuka debütieren, dann in Monza. Und dann tauchte Mercedes überraschend schon in Spa damit auf.

Valtteri Bottas - GP Belgien 2017 Motorenkrieg in der Formel 1 Kein Mercedes-Trick gegen Ferrari

Das provozierte Spannungen mit Ferrari, was Toto Wolff als „viel Lärm um Nichts“ abqualifizierte. Worum ging es? Italienische Zeitungen berichteten, dass es zwischen Mercedes und Ferrari ein Gentlemen‘s Agreement gegeben haben soll, den vierten Motor erst in Monza einzuführen, damit für alle neue Motoren die Regelverschärfung von 0,9 statt 1,2 Liter Ölkonsum pro 100 Kilometer gilt. Wolff dementiert auf Anfrage: „Es gab nie so ein Abkommen.“ Mercedes-Motorenchef Andy Cowell bestätigte: „Für uns gilt ab Monza wie für alle anderen auch das 0,9 Liter-Limit. Der Motor wurde auf diese Vorgabe hin konzipiert. So stand es in einer Technischen Direktive der FIA vom Juli. Und genauso haben wir diese Regel immer interpretiert.“ Wolff ergänzt: „Da wurde viel Aufregung um nichts geschürt. Das Gerücht, dass wir Ferrari austricksen wollten, ist Blödsinn.“

Der Trick mit dem De-Rating

Als Hamilton beim Re-Start in Runde 34 Vettels Angriff abwehrte, lag das nicht nur daran, dass Vettel zu früh aufschloss und Hamilton in Eau Rouge nur zu 95 Prozent voll fuhr, um den Speed des Ferrari zu brechen. Er hatte auch ein paar mehr Technik-Tricks auf Lager als sein Gegner. Mercedes kann das so genannte De-Rating hinauszögern. Normalerweise bestimmt die Elektronik, wann der Motor in den Ladebetrieb übergeht.

Das ist auf dem letzten Viertel der Gerade der Fall, weil dort volle Elektropower kaum noch Rundenzeit bringt. Der Elektrospeicher ist zwar nach einem Re-Start randvoll, doch die Software gibt trotzdem der optimalen Rundenzeit Vorrang und riegelt dort ab, wo die maximale Systemleistung nicht mehr viel bringt. Die Mercedes-Piloten können die De-Rating-Phase hinauszögern. Während Vettels Motor plötzlich 163 PS verlor, lief der Mercedes-Antrieb von Hamilton noch auf voller Power. Das war der kleine, aber feine Unterschied am Ende der Kemmel-Geraden.

Vettel hatte auch mit mehr Luftwiderstand zu kämpfen, als er aus dem Windschatten des Silberpfeils ausscherte. Weil Ferrari sein Auto auf mehr Abtrieb getrimmt hatte. „Wir haben uns bewusst für ein Renn-Setup mit mehr Topspeed entschieden und dabei zwei Zehntel an Rundenzeit hergeschenkt“, gab Wolff zu. So war man gegen Ferrari auf den Geraden nicht verwundbar. Auch als Vettel wieder DRS hatte und Hamilton nicht.

So half Mercedes Hamilton auf die Pole Position

Vettel, Bottas & Hamilton - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2017 Foto: sutton-images.com
Die Pole Position war der Schlüssel zum Sieg.

Damit die Taktik aufgeht, mussten die Mercedes in die ersten Startreihe. Das schaffte nur Hamilton. Valtteri Bottas kam mit Ausnahme des zweiten Stints im Rennen das ganze Wochenende nicht auf Speed. „Ich verlor zu viel Zeit beim Beschleunigen aus La Source und der Busstop-Schikane.“ Doch Hamiltons Pole Position war trotz 0,242 Sekunden Vorsprung eine Zitterpartie. Hätte Kimi Räikkönen seine Quali-Runde ohne Fehler zu Ende gefahren, wäre es eng geworden.

Hamilton und Bottas bekamen für den Sturm auf die erste Startreihe eine kleine Hilfestellung. Sie durften im Q2 zwei Satz Ultrasoft-Reifen verbrauchen. „Das sollte ihnen mehr Vertrauen und mehr Erfahrung für das Q3 geben. Bei Hamilton hat es im Zusammenspiel mit dem neuen Motor funktioniert“, erklären die Ingenieure. Der Preis war, dass Mercedes für den letzten Stint im Rennen keine Ultrasoft-Reifen mehr hatte. „Verschmerzbar gegen den Vorteil des besten Startplatzes“, hieß es bei den Strategen. Begründung: „Wir waren auf den Soft-Reifen immer noch konkurrenzfähig.“

Alle Faktoren zusammengezählt zeigt, auf welch heißer Nadel Hamiltons Sieg gestrickt war. Da durfte nicht ein Mosaikstein im Puzzle falsch liegen. Hamilton sah das SafetyCar zunächst als Hindernis auf dem Weg zu seinem 58. GP-Sieg. Wolff klärte auf: „Hätte Lewis gewusst, dass sein rechter Hinterreifen schon Blasen gezogen hatte, hätte er anders geurteilt. Bei einem normalen Rennen wären wir ganz schön in Bedrängnis geraten. Wenn wir an die Box gehen, schenken wir Vettel die Führung. Bleiben wir draußen, laufen wir Gefahr, dass uns der Reifen einbricht.“ Der Mercedes-Teamchef stellte trotz aller Erleichterung über Hamiltons Sieg mit leichtem Unbehagen fest: „Ferrari war auf einer Strecke nah an uns dran, wo sie nicht nah dran sein sollten.“

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