Mercedes-Kommandostand - Formel 1 - 2019 Motorsport Images
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Mercedes lernt aus Hockenheim-Chaos

Interne Kommunikation verbessert

Nach dem GP Deutschland musste Mercedes Kritik für seine taktischen Fehler einstecken. Eine Woche später war der Weltmeister wieder hellwach. Beim Sieg in Ungarn half auf die verbesserte Kommunikation.

Mercedes ist nicht nur Weltmeister wegen Lewis Hamilton. Da kommen noch ein schnelles Auto, eine makellose Zuverlässigkeitsstatistik, schnelle und konstante Boxenstopps und eine nahezu perfekte Strategie dazu. Nur in Hockenheim ging alles schief.

Hamilton flog zwei Mal ab, die Strategen lagen mit dem Timing der Boxenstopps falsch, und die Boxencrew suchte Reifen und eine Fahrzeugnase. Selbst teamintern machte sich die Einsicht breit. Das war nicht Mercedes-like.

Dabei war es im Rückblick viel weniger schlimm als es aussah. „Eigentlich hat uns nur ein Fehler wirklich geschadet. Wir haben in der dritten Safety-Car-Phase zu spät auf Slicks gewechselt. Zu dem Zeitpunkt hätten wir trotz all der Fehler davor das Rennen immer noch gewinnen können“, blickt Chefingenieur Andrew Shovlin zurück.

Tatsächlich war das Zögern eine Konsequenz des chaotischen Reifenwechsels in der Safety-Car-Phase davor. Da hatte Hamilton seiner Mannschaft von einem Wechsel auf Slicks abgeraten. Und der Mann, der ein Gefühl für die Reifen hat wie kein Zweiter im Feld, behielt Recht. Der Wechsel auf Slicks war überflüssig. Er führte auch zu dem Dreher, bei dem sich Hamilton den Frontflügel abschlug.

Lewis Hamilton - GP Deutschland 2019
Jerry André
Nach dem Unfall von Mercedes in Hockenheim bekam der Kommandostand zu spät mit, dass der Weltmeister die Box ansteuert.

Der Maßstab ist Hamilton

Als es dann zu Beginn des letzten Renndrittels ernst wurde, blieb Hamilton ruhig. Kein Ton von ihm, dass man jetzt endlich auf Soft-Reifen wechseln müsse. Diesmal verlangte Valtteri Bottas den Reifenwechsel. Doch der Finne hat nicht die gleiche Autorität wie der Weltmeister. „Wir hatten beim ersten Mal nicht auf Lewis gehört. Den Fehler wollten wir kein zweites Mal machen“, gaben die Strategen zu.

Hamilton war an diesem Tag wegen seiner Grippe weniger redselig als sonst. Deshalb kündigte er seinen Notstopp nach dem Unfall mit Frontflügelschaden auch ungewohnt wortkarg an. Der Champion sagte am Funk nur zwei Worte: „Front wing, Inters.“ Da die TV-Bilder von dem Ausrutscher erst mit Verspätung ins Live-Signal eingespeist wurden, hatte an der Boxenmauer keiner eine Ahnung, dass Hamilton im Anmarsch war und nicht wie geplant Bottas.

„Es haben zu diesem Zeitpunkt zehn verschiedene Leute am Boxenfunk gesprochen. Keiner hat die Warnung von Lewis gehört. Wir haben erst gemerkt, dass er kommt, als wir ihn in der Zufahrt sahen. Deshalb waren weder Reifen, noch die Nase, noch das Werkzeug bereit“, erzählt ein Ingenieur nach Analyse aller Funksprüche.

Mercedes-Kommandostand - Formel 1 - 2019
Motorsport Images
In Budapest war Chefstratege James Vowles der gefeierte Mann.

Bei Mischverhältnissen auf den Fahrer hören

Wie immer bei solchen Gelegenheiten hat Mercedes schnell reagiert. „Wir lernen aus unseren Fehlern. Und der von Hockenheim lag daran, dass die Kommunikation nicht gestimmt hat“, erklärte Teamchef Toto Wolff. So wurden zum Beispiel die Prioritäten, Zuständigkeiten und Verbindungen untereinander im Funkverkehr neu geordnet. Damit soll verhindert werden, dass Informationen gar nicht oder an falscher Stelle ankommen.

Nur sieben Tage nach der Niederlage beim Heimspiel rehabilitierte sich Mercedes. Der Sieg beim GP Ungarn war auch ein Triumph der Taktik. Als es darum ging, wie man Max Verstappen im Red Bull austrickst, wurde sieben Runden lang ein Plan geschmiedet.

Aus vielen Varianten wählte Strategiechef James Vowles eine aus. Der zweite Reifenwechsel wurde punktgenau in der Runde exekutiert, in der er den meisten Erfolg versprach. Wolff lobte die Entscheidung einen „disziplinierten Prozess“, ganz anders als der in der Woche davor.

Hamilton hatte lange seine Zweifel an der Taktik. „Am Morgen im Strategie-Meeting wurde noch gesagt, dass zwei Stopps keine Option sind. Als sie mich dann zum zweiten Stopp an die Box geholt haben, dachte ich: Wie soll das jetzt funktionieren? Du musst 20 Sekunden aufholen. Das ist eine Menge Holz. Aber in solchen Momenten musst du volles Vertrauen in dein Team haben. Sie haben den besseren Überblick.“

Das gilt nicht für alle Rennszenarien. Auch das war eine Lehre aus dem Hockenheim-Drama. Bei Mischverhältnissen, bei denen die Reifenwahl nicht klar ist, wird der Fahrer künftig ein größeres Mitsprache-Recht haben. Hamilton unterstützt diesen Ansatz: „Die Box sieht nur, wie nass es auf der Zielgerade ist. Ich spüre den Grip auf der gesamten Strecke. In solchen Situationen werden wir unsere Informationen besser zusammenwerfen und nutzen.“

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