Lewis Hamilton - GP Frankreich 2019 Wilhelm

Dominanz im dritten Sektor

Was macht Mercedes besser?

Es ist das gleiche Bild wie im Barcelona. Mercedes killt die Konkurrenz im dritten Sektor. Auch der Grund ist der gleiche. Nur Mercedes kann die Reifentemperaturen in den ersten zwei Sektoren im Fenster halten.

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul verflucht den dritten Sektor und die Reifen. „Da geben die Teams Millionen für Upgrades aus, und dann sind die Reifen nicht im Fenster, und rutschst nur herum. Das ist die reinste Lotterie.“

Renault war kein Einzelfall. Am ersten Trainingstag in Paul Ricard wiederholte sich das Spiel von Barcelona. Mercedes hängt die Konkurrenz im dritten Streckensektor ab. Die Silberpfeile sind allein dort drei Zehntel schneller als Ferrari, sechs Zehntel als McLaren und Red Bull, acht Zehntel als Haas und Alfa Romeo und neun Zehntel als Renault.

Mercedes-Gegner kämpfen mit körnenden Reifen

Wenn Ferrari, Red Bull und Co. im dritten Streckenabschnitt ankommen ist die Oberfläche der Reifen schon zu heiß und der Mantel zu kalt. Dann schält sich bei der weichsten Reifenmischung der Gummi von der Lauffläche. Das nennt man Körnen. Betroffen ist hauptsächlich der Vorderreifen.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto spricht von einem Teufelskreis: „In den ersten beiden Sektoren verschleißen die Reifen schon so stark, dass weniger Gummi drauf ist. Das bedeutet weniger Temperatur im Reifen drin. Dadurch rutscht das Auto mehr, du verlierst noch mehr Gummi und die Temperatur geht noch weiter runter. Das Untersteuern wird immer schlimmer.“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Frankreich - 21. Juni 2019
Motorsport Images
Ferrari kämpft im letzten Sektor mit Untersteuern.

Das Untersteuern kostet in den sechs Kurven des letzten Sektors massiv Zeit. Manche Teams haben in der Not versucht das Dilemma zu lösen, indem sie die Vorderreifen schützen. Was aber auf der anderen Seite Traktion kostet. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko spottet: „Merken jetzt auch die anderen, was wir schon lange sagen. Wir sind voll in der Hand von Pirelli. Ich habe Giovinazzi gefragt, was für Upgrades der Alfa Romeo hat, dass er plötzlich so schnell ist. Er hat mir erzählt, dass er nur schnell war, weil er zufällig das Reifenfenster getroffen hat.“

Neuer Asphalt provoziert Rutschen

Pirelli-Sportchef Mario Isola gibt den neuen Asphaltflicken im ersten Sektor eine Teilschuld. „Da ist der Belag besonders glatt. Damit rutschen die Autos mehr. Und das treibt die Oberflächentemperatur nach oben. Wenn du mit zu heißen Reifen im dritten Sektor ankommst, hast du ein Problem.“

Betroffen sind hauptsächlich die Soft-Reifen. Die härteren Mischungen sind deutlich stabiler. „Da fällt es uns leichter, die Reifen im Fenster zu halten. Deshalb sehen wir bei den Longruns auch viel besser aus“, erklärt Abiteboul.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Frankreich - 21. Juni 2019
Motorsport Images
Hat Mercedes einen Trick beim mechanischen Setup gefunden?

Nur ein Team hat diese Probleme nicht. Mercedes hält die Reifen über die gesamte Runde in ihrem Arbeitsfenster. Und hat damit im dritten Sektor weder Untersteuern noch Übersteuern. Die Preisfrage ist: Was macht Mercedes anders?

Das Auto hat sicher mehr Abtrieb als die versammelte Konkurrenz. Doch ist das alles? Ganz offensichtlich generiert das Auto auch besseren mechanischen Grip und hält die Reifentemperaturen über eine ausgeklügelte Felgenheizung immer im Fenster.

So ist zum Beispiel zu hören, dass Mercedes vorne mit weniger Radsturz fährt als die Gegner. Das muss man sich leisten können. Die Gegner gehen fast alle an die Grenze dessen, was Pirelli vorgibt. Um die Reifen damit schneller aufzuheizen. Nachteil: Das verringert die Kontaktfläche des Reifens mit der Straße.

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Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Frankreich - 21. Juni 2019
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