Mercedes - GP Ungarn 2020 Wilhelm
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
Impressionen - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - 18. Juli 2020
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Mercedes zerstört die Konkurrenz

„In einem anderen Universum“

Mercedes wird diese Weltmeisterschaft unter sich ausfahren. Die Überlegenheit nahm auf dem Hungaroring erschreckende Ausmaße an. Nur Racing Point blieb annähernd auf Sichtweite. In einem Auto, dass die gleichen Gene in sich trägt.

Schlimmer kann eine Ohrfeige nicht ausfallen. Auf dem Papier sprach alles für ein Duell Mercedes gegen Red Bull. Nur eine Gerade, dafür 14 Kurven. Darunter sieben unter 160 km/h. Auch Max Verstappens Pole Position aus dem letzten Jahr deutete auf ein enges Rennen zwischen dem Titelverteidiger und seinem Herausforderer hin.

Doch dann war die Ernüchterung groß. Max Verstappen fehlten 1,402 Sekunden auf die Bestzeit von Lewis Hamilton. Mehr als doppelt so viel wie in Spielberg, wo man den Rückstand noch damit zu erklären versuchte, dass Mercedes den Großteil seines Vorsprungs auf den Geraden herausgefahren hatte.

Doch dieser Mercedes W11 ist nicht nur auf den Vollgaspassagen schnell. Lewis Hamilton rieb Red Bull unter die Nase: "Unser Vorsprung überrascht mich. Hier zählt das Chassis, das Aero-Paket und mechanischer Grip." Genau die Disziplinen, in denen sich der Gegner im Vorteil wähnte.

Beim Vergleich der Rundenzeiten 2020 mit dem Vorjahr wird klar, wie Mercedes ein gutes Rennauto um einen Quantensprung verbessert hat. Hamilton unterbot die Vorjahres-Pole um 1,125 Sekunden. Verstappen war drei Zehntel langsamer als im letzten Jahr.

Der Holländer verlor in allen drei Sektoren auf den WM-Rivalen, der jetzt immer weiter am Horizont verschwindet. Am meisten im Mittelabschnitt mit seinen vielen schnellen Kurven. Sebastian Vettel urteilte nach der Show der Silberpfeile: "Die fahren nicht auf einem anderen Planeten. Die sind in einem anderen Universum unterwegs."

Mercedes - GP Ungarn 2020
Wilhelm
Mercedes war der Konkurrenz im Ungarn-Qualifying meilenweit voraus.

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigte sich überrascht: "Red Bull war immer eine Bank auf dem Hungaroring. Wir haben hier mit ihnen gerechnet und können von außen natürlich nicht beurteilen, was das Problem ist. Es scheint mir kein fundamentaler Fehler zu sein. Es sieht eher so aus, dass sie auf der Suche nach dem Setup und den richtigen Upgrades irgendwo falsch abgebogen sind."

Dafür warnt der Österreicher jetzt vor dem Schwesterteam Racing Point: "Sie sind in einigen Kurven schneller als wir. Racing Point fährt jetzt um Podestplätze mit, wenn nicht sogar um Siege."

Es liegt dem Silberpfeil in den Genen

Den Ingenieuren in Brackley und Brixworth ist ein genialer Wurf gelungen. "Der beste Mercedes, den ich je hatte", schwärmte Hamilton schon vor seiner 90. Pole Position. Vor allem in den schnellen Kurven ist der Fortschritt spürbar. "Wir fliegen durch die Kurven 4, 8, 9 und 11. Einige gehen jetzt fast voll."

Hamilton macht klar, dass dieser Mercedes W11 nur eine Weiterentwicklung des Vorjahresautos ist: "Wir haben uns mit den Ingenieuren zusammengesetzt und die Schwachpunkte des Vorgängers besprochen. Es war eine transparente Diskussion. Alles kam auf den Tisch, nichts blieb ungesagt. Bei diesem Prozess inspiriert jeder jeden, und dann kommt ein Gesamtkunstwerk dabei heraus."

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Nur Racing Point konnte die Pace einigermaßen mitgehen.

Technikchef James Allison blickt sogar noch weiter zurück. "Einer unserer Vorzüge ist eine gute Kultur im Team. Wir ruhen uns nicht auf alten Lorbeeren aus. Im Prinzip machen wir nichts anderes als andere Teams. Wir suchen mehr Abtrieb und mehr Motorleistung und versuchen die Reifen noch besser zu nutzen."

"Wir befinden uns mit der Entwicklung dieses Autos auf einer Reise, die 2017 begann. Damals war das Auto sehr nervös, hatte seine Höhen und Tiefen. Wir haben Schritt für Schritt verstanden, warum es uns manchmal aus den Händen geglitten ist und 2018, 2019 und 2020 kontinuierlich zu einer Waffe geschmiedet, die in heute einem viel breiteren Fenster funktioniert."

Allisons Worte werden durch die starke Vorstellung der beiden Racing Point bestätigt. Sergio Perez und Lance Stroll sitzen sozusagen in einem modifizierten und anders lackierten Vorjahres-Mercedes. Der Speed auf einer Strecke wie dem Hungaroring, die vom Abtrieb bestimmt wird, liegt offenbar in den Genen dieser Fahrzeugfamilie. Mercedes hat mit dem W11 die Schraube einfach nur um eine Drehung weitergedreht.

Eine Mercedes-Meisterschaft

Man muss kein Hellseher sein, um den Rest dieser Weltmeisterschaft vorherzusagen. Sie wird auf ein Duell der Mercedes-Fahrer hinauslaufen, und man wird sich glücklich schätzen können, wenn hin und wieder mal ein Störfeuer von einem Mitbewerber kommt. Max Verstappen scheint sich auch schon fast damit abgefunden zu haben. "Wenn die Mercedes weiter in dieser Form fahren, werden sie kaum einzuholen sein."

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Lewis Hamilton bedankte sich wie immer bei seinem Team.

Im internen Trainingsduell des Titelverteidigers steht es jetzt 2:1 für Hamilton. Der Engländer lobte seinen Teamkollegen, wie immer, wenn er aufgeräumter Stimmung ist. "Valtteri hat mir das Leben schwer gemacht. Aber der Hungaroring war immer ein guter Jagdgrund für mich."

Bottas machte trotz der Niederlage keinen unzufriedenen Eindruck. Der Rückstand fiel mit 0,107 Sekunden geringer aus, als es nach den ersten beiden Qualifikationsrunden zu befürchten war. "Ich bin erst im Q3 in Fahrt gekommen. Am Anfang habe ich zu viel Zeit im ersten Sektor liegen lassen, speziell am Bremspunkt zu Kurve 1 und beim Einlenken zu Kurve 2. Je mehr Gummi auf die Strecke kam, desto besser fanden mein Auto und ich zusammen."

Aus Sicht der Fans kann man nur hoffen, dass es auch im Rennen zu einem Kopf-an Kopfrennen zwischen Hamilton und Bottas kommen wird. Sonst könnte diese WM schnell zur Schlaftablette werden. 2014 baute Mercedes in einigen Rennen einen künstlichen Spannungsmacher ein, als man bei ähnlicher Überlegenheit seine beiden Fahrer mit unterschiedlichen Strategien ins Rennen geschickt hat.

Das wurde bei den ersten Rennen 2020 zwar auch schon mit den Piloten besprochen, aber schnell wieder verworfen. Es ist nach Ansicht von Toto Wolff noch zu früh für solche Spielchen. "Dieser Ansatz ist 2014 ein paar Mal eskaliert. Es wäre fahrlässig, es jetzt schon zu machen. Wir würden ziemlich dumm ausschauen, wenn uns die Punkte, die wir damit verlieren können, am Ende der Saison fehlen. Red Bull kann immer noch zurückkommen."

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