Valtteri Bottas - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
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Mercedes in eigener Klasse: Bottas mit Risiko auf Pole

Mercedes in eigener Klasse Bottas packt Risiko-Karte aus

Normalerweise schnappt Lewis Hamilton seinem Teamkollegen die Pole Position in letzter Minute weg. Diesmal war es anders herum. Aber nur weil Valtteri Bottas im letzten Versuch in zwei Kurven die Risiko-Karte spielte.

Lewis Hamilton kann nicht immer gewinnen. Die Pole Position beim GP der Emilia-Romagna in Imola ging an Valtteri Bottas. Es war eine wichtige Bestzeit, denn die Reihenfolge nach dem Start könnte den 13. WM-Lauf entscheiden. Schon jetzt steht fest, dass wir nicht 58 Überholmanöver wie in Portimao erleben werden. Dazu ist die Strecke zu schmal, sind die Überholmöglichkeiten zu gering. Wenn einem der zwei Mercedes-Fahrer beim Start Max Verstappen durchrutschen sollte, ist das Rennen nach den aktuellen Prognosen praktisch gelaufen.

Valtteri Bottas kam erst spät in Fahrt. Im freien Training fehlte ihm fast eine halbe Sekunde auf Hamilton. Doch in der ersten Qualifikationsrunde deutete sich schon ein Szenario an, dass sich dann auch im Q3 manifestierte. Hamilton legte vor, Bottas schlug ganz am Ende zurück. Normalerweise ist es umgekehrt. Etwas zeigte die vierte Pole Position von Bottas in dieser Saison auch noch: Der Finne ist immer dann besonders stark, wenn das Training vor der Qualifikation stark eingeschränkt ist. Am Nürburgring reduzierte sich das Trainingsprogramm vor dem großen Shootout wegen des Wetters auf 60 Minuten. In Imola waren es 90 Minuten.

Potenzial in Tamburello und Rivazza

Die komprimierte Vorbereitung reduziert die Datenanalyse und erlaubt daheim in der Fabrik keine Rückversicherung im Simulator mehr. Gefragt sind Anpassungsfähigkeit und schnelles Reagieren auf die Umstände. Und die sahen kurz vor Ende der Qualifikation so aus. Hamilton führte die Reihenfolge mit einer Zeitenliste von 1.13,781 Minuten an. Bottas stand bei 1.13,812 Minuten. Mit dem letzten Schuss verbesserte sich der Weltmeister um 0,075 Sekunden. Nicht genug. Bottas feilte satte 0,203 Sekunden von seinem ersten Versuch ab.

Der Vize-Weltmeister war in seiner Eigenanalyse nicht glücklich mit der Tamburello-Schikane und der Rivazza-Kurve. "Da war ich immer zu spät auf der Bremse und habe nicht genug Speed in die Kurve mit hineingenommen, weil das Auto zu instabil wurde. Im letzten Versuch habe ich das Risiko erhöht, den Bremspunkt optimal erwischt und war deshalb am Kurveneingang besser."

Hamilton erkannte die Leistung des Teamkollegen neidlos an. "Meine letzte Runde war schwach. So etwas passiert. Du kannst nicht immer alles perfekt hinkriegen." Dann gab er dem oft kritisierten Teamkollegen Rückendeckung: "Valtteri gibt seine Antworten auf der Rennstrecke. Das gefällt mir an ihm. Es gibt in diesem Feld nicht viele, die das leisten können, was Valtteri schafft."

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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Auch ein Lewis Hamilton kann nicht immer vorne stehen. Auf Bottas fehlten ihm 97 Tausendstel.

Hamilton in der Idealzeit vorn

Bei der Sektoranalyse zeigt sich, dass Hamilton in der Idealzeit die Nase vorne gehabt hätte. Der erste Abschnitt ging an Bottas, der zweite und dritte an Hamilton. Wenn der WM-Spitzenreiter seine drei Sektorbestzeiten in eine Runde gepackt hätte, wäre er bei 1.13,582 Minuten gelandet. Bottas wäre mit 1.13,595 Minuten um 13 Tausendstel langsamer gewesen. Im Topspeed war Bottas auf der Abfahrt zu Rivazza um 1,9 km/h und auf dem Zielstrich um 0,8 km/h schneller. Auf der kurzen Gerade zwischen der Villeneuve-Schikane und Tosa nahm Hamilton dem Stallrivalen 2,0 km/h ab, verlor aber im Beschleunigungsstück den Berg hinter der Acque Minerali-Kurve hinauf 1,9 km/h auf den anderen Mercedes. Kleinigkeiten, die in einem Kampf um Sekundenbruchteile eine Rolle spielen können.

Für das Rennen befürchtet Lewis Hamilton eine Prozession. Der Start könnte entscheiden. Zwischen der Pole Position und dem Bremspunkt zur Tamburello-Schikane liegen 750 Meter. "Da werden Lewis und Max vom Windschatten profitieren", fürchtet Bottas. Für ihn spricht die geringe Streckenbreite. Wenn er seinen Mercedes in der Straßenmitte platziert, muss der Angreifer schon mit zwei Rädern ins Gras. Danach wird es für alle ab Platz 2 schwierig. "Es ist unheimlich schwer, anderen Autos durch die Kurven zu folgen", hat Hamilton festgestellt. Er kann es gelassen nehmen. Der Titel des Fahrer-Weltmeisters kann frühestens in zwei Wochen in der Türkei entschieden werden.

Das Zweitages-Event von Imola erhielt so viel Lob wie die Rennstrecke. Doch wie schon am Nürburgring zeigte sich, dass der Faktor Zufall auch dann keine Rolle spielt, wenn man den Teams Trainingszeit stiehlt. Es gab nicht eine Überraschung in der Startaufstellung. Die starke Form der Alpha Tauri begründet sich wohl in dem Filmtag, den das Team im Frühjahr in Imola hatte. Die Topteams im Geldausgeben sind eben auch die Topteams in der Improvisation. Man müsste Mercedes und Red Bull schon eine Menge anderer Vorteil wegnehmen, um die Hackordnung durcheinander zu wirbeln.

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