Lewis Hamilton - Mercedes - GP China 2019 - Shanghai Motorsport Images

Mercedes enteilt Ferrari und Red Bull

Einsamkeit statt Dreikampf

Die Statistik liest sich eindeutig. Mercedes hat die ersten drei Saisonrennen gewonnen. Da lässt sich leicht von einer Dominanz sprechen. Doch der Schein trügt. Ferrari und Red Bull unterliegen noch zu großen Schwankungen.

Wer hätte das nach den Testfahrten gedacht? Mercedes fliegt von Sieg zu Sieg. Dagegen strauchelt Ferrari. Und Red Bull hängt deutlicher zurück, als man nach den Testfahrten selbst angenommen hatte.

Drei Doppelsiege aus den ersten drei Rennen bescheren Mercedes in beiden Weltmeisterschaften einen komfortablen Vorsprung. In der Team-Wertung hat die Marke mit dem Stern 130 von 132 möglichen Punkten eingestrichen. Ferrari kommt auf 73, Red Bull auf 52 Zähler. Bei den Fahrern hat Lewis Hamilton mit seinem zweiten Saisonsieg die Führung übernommen. Der Weltmeister sammelte 68 Punkte. Sein Teamkollege hat sechs weniger. „Es schmerzt, die WM-Führung zu verlieren“, sagte Valtteri Bottas nach dem GP China. „Aber ich werde zurückkommen.“

Kleinigkeiten machen Unterschied

In Shanghai kehrte der Finne wieder seine bessere Seite heraus. Bis zum Rennen fuhr er ähnlich stark wie in Australien. „Valtteri hat deutlich zugelegt in diesem Jahr. Er leistet großartige Arbeit“, erkennt Hamilton an. Dann verrutschte Bottas allerdings der Start und der Teamkollege vorbei. Die Hinterreifen seines Mercedes drehten auf der durchgezogenen weißen Linie vor seiner Startbox durch. Es sind die Kleinigkeiten, die entscheiden. Wer in Führung liegt, fährt in sauberer Luft. Die Aerodynamik wird nicht gestört. Das hilft beim Fahren und beim Reifenmanagement. Bottas hingegen litt. „Ich tat mir in der verwirbelten Luft hinter Lewis schwer.“

Kleinigkeiten entscheiden nicht nur bei den Fahrern. Sondern auch bei den Teams. Mercedes hat es bislang geschafft, aus jeder Gelegenheit das Maximum herauszuholen. Selbst, wenn man nicht das schnellste Auto hatte. So wie in Bahrain. Da bestimmte Charles Leclerc das Renntempo. Doch die Mercedes waren zur Stelle, als bei Ferrari die Technik streikte. Das ist eine Qualität, mit der man fünf Weltmeisterschaften in Folge bei Fahrern und Teams gewonnen hat.

Das Weltmeister-Team ist Ferrari und Red Bull beim großen Puzzlespiel ein oder zwei Schritte voraus. Mit den neuen Autos ist es komplizierter geworden, das richtige Fenster für die Abstimmung und die Reifen zu treffen. Wer daneben liegt, bezahlt auf diesem Niveau einen hohen Preis. Deshalb kann die aktuelle Situation trügen, kann der große Abstand in der WM-Tabelle etwas täuschen.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP China 2019 - Shanghai
Motorsport Images
Ferrari ist mit seinem Auto noch nicht in der Komfortzone.

Ferrari noch nicht in Komfortzone

Es ist offensichtlich, dass Ferrari größere Schwierigkeiten damit hat, den SF90 in seine Komfortzone zu bringen. „Wir haben ein starkes Auto“, sagt Sebastian Vettel. „Es ist nichts falsch damit. Nur schaffen wir es bisher nicht, es in das richtige Arbeitsfenster zu bringen. Vor allem ich nicht.“ Das glückte Mercedes in Australien und China. In Bahrain weniger. Ferrari hingegen zeigte nur in der Qualifikation zum GP Bahrain und im Rennen mit Charles Leclerc, was im SF90 steckt.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff will deshalb die Konkurrenz noch nicht abschreiben. „Ferrari ist stark. Wir haben immer noch nicht das wahre Bild gesehen.“ Sein Starfahrer sagt: „Man sieht, dass es immer noch ziemlich eng zwischen uns zugeht. Du musst die kleinen Details richtig machen. Das hat uns bisher geholfen, maximal zu punkten.“

Ferrari hat das schnellste Auto auf den Geraden. Das war in Bahrain so, und bestätigte sich in China. Es gibt nicht wenige, die dafür neben dem Motor auch einen cleveren Fahrwerkstrick verantwortlich machen. „Vielleicht schafft es Ferrari, das Auto auf den Geraden abzusenken, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Mercedes arbeitet doch auch an so einem System“, sagt einer aus dem Fahrerlager.

Im Training knöpften die roten Autos den silbernen sieben Zehntelsekunden bei Geradeausfahrt ab. Im Qualifying und Rennen halbierte sich der Vorsprung. Die Kurven gingen an Mercedes. Vor allem die langsamen. Die Ferrari krochen durch winkelige Passagen. Daran änderte auch ein etwas größerer Heckflügel nicht viel. Doch aus irgendeinem Grund wirkt Ferrari deshalb nicht besonders besorgt. „Die Pace von Mercedes erschreckt uns nicht“, sagt Vettel.

Zuverlässigkeit als Ferrari-Problem

Sorgen muss die Zuverlässigkeit machen. Auch hier ist Mercedes einen Schritt voraus. Ferrari schleppt seit den Testfahrten Probleme mit sich herum. Red Bull ist bei der Zuverlässigkeit besser sortiert als Ferrari. Motorenpartner Honda hat nicht nur mehr Leistung gefunden, sondern sein Antriebspaket standfester gemacht.

Wenn Mercedes und Ferrari ihre schärfsten Leistungsstufen abrufen, muss Red Bull-Honda abreißen lassen. Im Rennen schrumpft der Power-Rückstand. Red Bull ist zufrieden mit Honda. Tenor aus der Teamführung: Wir müssen unser Chassis verbessern. Beim GP Spanien soll es soweit sein. Dann kommt Red Bull mit einem größeren Upgrade.

Bei den Bahrain-Tests hatte Red Bull zwar Fortschritte beim Verständnis des Autos gemacht. Doch die Schnellreparatur von Aerodynamik und Mechanik reicht noch nicht aus, um alle Schwächen auszumerzen. Red Bull strauchelt bei Wind. Und die Reifen bereiten dem Team aus Milton Keynes immer noch Kopfzerbrechen. In Bahrain waren es die weicheren Mischungen. In Shanghai die harte Mischung. „Im Mittelteil des Rennens waren wir zu langsam. Selbst wenn ich das Überholmanöver gegen Sebastian erfolgreich abgeschlossen hätte, hätte er mich auf den harten Reifen später wieder überholt. Ich hatte in diesem Moment den Vorteil von DRS und die wärmeren Reifen“, erzählte Verstappen

Verstappen glaubt an WM-Chance

Man darf davon ausgehen, dass auch Mercedes und Ferrari spätestens in Barcelona technisch nachlegen. Bis jetzt hat der Titelverteidiger sein Auto am häufigsten mit neuen Teilen aufgerüstet. Es kam ein großes Upgrade zur zweiten Testwoche. „Damit haben wir auch erst am dritten Tag das Setup getroffen“, sagt Toto Wolff. Was verdeutlicht, wie schwer es ist, das große Puzzle zusammenzusetzen. In Australien und China legte Mercedes nach. Red Bull zog für den GP Australien das eigentlich für China geplante Update vor. Bei Ferrari sieht man wenig bis gar nichts. „Es wird das wichtigste für die Saison sein, die Entwicklungsrate hoch zu halten“, sagt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.

Weder Ferrari noch Red Bull haben den WM-Kampf aufgegeben. Beide glauben an das Potential ihrer Autos. Verstappen hat sich einen Schlachtplan zurechtgelegt. „Momentan können wir nicht mit Mercedes mithalten. Das war mir vor dem Rennen klar. Wir müssen uns deshalb darauf konzentrieren, das Bestmögliche herauszuholen. Das war in Shanghai der vierte Platz. Wir dürfen durch Fehler oder Dummheiten keine Punkte verlieren. Die Saison ist lang. Dinge können sich in der Formel 1 schnell ändern.“

GP China 2019: Das Rennen in Bildern

Max Verstappen - Sebastian Vettel - GP China 2019 - Shanghai
Max Verstappen - Sebastian Vettel - GP China 2019 - Shanghai Fahrer - Startaufstellung - GP China 2019 - Shanghai Dieter Zetsche - Toto Wolff - Mercedes - GP China 2019 - Shanghai Start - GP China 2019 - Shanghai 34 Bilder
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