Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2017 - Rennen sutton-images.com
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Mercedes erfüllt erste Zielvorgabe

Team-WM trotz großer Regelreform

Der erste Titel der 2017er Saison ist vergeben. Mercedes ist wieder der beste Konstrukteur. Wie in den letzten drei Jahren. Doch dieser Titelgewinn macht Mercedes noch stolzer. Weil man einer großen Regelreform trotzte und Ferrari besiegte.

Toto Wolff stoppt mitten im Satz. Der Mercedes-Teamchef dreht seinen Kopf leicht nach links und ruft: „Maurizio“. Gemeint ist Maurizio Arrivabene, Teamchef von Ferrari, der die Tür ins Mercedes-Motorhome aufzieht. Wolff steht auf, Arrivabene kommt herein. Sie gehen aufeinander zu. Auf einen Handschlag folgt eine Umarmung. „Glückwunsch zur Team-WM“, sagt Arrivabene. „Wir haben euch einen harten Kampf geliefert. Aber es hat nicht gereicht.“

Es war eine ehrliche Gratulation. In der Stunde der Niederlage zeigte Ferraris Teamchef Größe. Arrivabene erkannte an, dass Mercedes auch in diesem Jahr der stärkste Rennstall in der Formel 1 ist. Wie 2014, 2015 und 2016. Die Silberpfeile errangen in Austin den vierten Pokal in der Konstrukteurs-WM in Folge. Diesmal war es nicht so leicht wie in den vergangenen drei Jahren. Erstens war da die große Regelreform mit breiteren Reifen und abtriebsstärkeren Autos. Zweitens ein rundum verbessertes Ferrari.

2017er Regeln kein Genickbrecher

Die neuen Regeln rückten Motor und Aerodynamik in ein gesünderes Verhältnis. Es mussten neue Ideen und Ansätze her. Mercedes konnte nicht ein bestehendes und funktionierendes Konzept einfach weiter ausbauen. „Deshalb war dieser Titel der schwierigste“, sagt Mercedes-Außenminister Niki Lauda. „Ich kann den Mitarbeitern in Brackley und Brixworth deshalb nur für ihre hervorragende Arbeit danken.“ Lewis Hamilton lobt sein Team in den Himmel. „Wir haben unsere Stärke von einer Ära in die nächste übertragen. Die Reglements waren komplett verschieden und wir stehen trotzdem oben. Das zeigt die Tiefe in unserer Truppe.“

Teamchef Toto Wolff gab trotz der großen Reform wieder beide Weltmeisterschaften als Ziel aus. Obwohl mit Nico Rosberg der Weltmeister von Bord ging. Valtteri Bottas nahm seinen Platz ein. Wie sollte Wolff aber auch anders, nachdem Mercedes seit der Einführung der Hybrid-Monster 2014 alles abgeräumt hatte. Das Team gab mit Paddy Lowe seinen Technikchef ab und heuerte mit James Allison als Ersatz einen erfahrenen Ingenieur und ehemaligen Ferrari-Technikleiter an. Der Übergang verlief nahtlos. Weil Mercedes eine Technikmannschaft hat, die über Jahre zusammengewachsen sind. Die Struktur passt. Ein Rad greift ins nächste. Es ist eine eingeschworene Truppe.

Kein neuer Rekord mehr möglich

Mercedes baute das Auto mit dem längsten Radstand und der filigransten Aerodynamik. Der W08 ist ein Rennwagen, der an guten Tagen allen davon fährt. Jedoch muss alles passen. Wenn nur die kleinsten Parameter bei Aerodynamik, Mechanik oder mit den Reifen verrutschen, ist Mercedes verwundbar. Dann muss es Hamilton richten.

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Die Einschläge kamen näher. Ferrari war im ersten Saisonteil ein ebenbürtiger Gegner. Und hatte in den meisten Rennen nach der Sommerpause das schnellere Auto. Ferrari stolperte über die eigenen Füße. Gegen dieses Mercedes-Team kann man sich so viele Pannen nicht erlauben. Niederlagen wie in Monaco und Budapest stärken das Team. „Unser Motto lautet: Die schwierigen Tage sind es, die unsere Gegner noch bereuen werden“, sagt Wolff. „Nur der Schmerz macht dich stärker. Aber auch nur dann, wenn man ruhig bleibt. Mit der richtigen Analyse erweiterst du dein Wissen und machst einen Schritt nach vorne.“

2014 gewann Mercedes die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft mit 701 Punkten. Man feierte elf Doppelsiege mit der Fahrerpaarung Hamilton und Rosberg. 2015 waren es 703 Punkte und 12 Doppelerfolge. 2016 erzielte man mit acht Doppelsiegen trotzdem einen Rekord von 765 Punkten. In diesem Jahr steht Mercedes nach 17 ausgetragenen Rennen bei 575 Zählern. Eine weitere Bestmarke wird man nicht aufstellen. Maximal kann Mercedes 704 Punkte erreichen. Zwei Doppelsiege hat auch Ferrari vorzuweisen. Die Lücke zwischen Silber und Rot klaffte nach der Sommerpause auf. In sechs Rennen holte Mercedes seither 218 Punkte. Ferrari gerade einmal 110. Der Titel ist verdient. Mercedes gewann elf der bislang 17 Grand Prix. Ferrari deren vier. Elf Mal stand ein Mercedes auf der Pole-Position. Ein Ferrari vier Mal.

In Mexiko kann Hamilton für den schwäbischen Autobauer den vierten Fahrer-Pokal in Serie einfahren. 66 Punkte Vorsprung bei noch 75 zu vergebenen sind ein beruhigendes Polster. Allerdings will man bei Mercedes erst feiern, wenn das Quadruple mathematisch abgesichert ist. „Es kann immer etwas schiefgehen. Schaut euch doch nur an, was mit Ferrari in Singapur, Malaysia und Japan passiert ist. Das kann jeden treffen. Erst wenn wir wirklich nicht mehr einzuholen sind, steigt die Party.“

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