Mercedes locker in der ersten Reihe

Darf Bottas den GP Russland gewinnen?

Lewis Hamilton - Valtteri Bottas - Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Samstag - 29.9.2018 Foto: xpb 47 Bilder

Es ist wie zu alten Zeiten: Mercedes dominiert in Russland nach Belieben. Das Weltmeister-Team fürchtet nur den Start. Am Sonntagmorgen will Teamchef Toto Wolff entscheiden, ob Pole-Mann Valtteri Bottas frei fahren darf oder sich in den Dienst von Lewis Hamilton stellen muss.

Mercedes fährt in Russland in einer eigenen Welt. Valtteri Bottas stellte die teaminterne Rangfolge auf den Kopf. Der Finne raste zum sechsten Mal in seiner Karriere auf die Pole-Position. Lewis Hamilton lag 0,145 Sekunden zurück. Ferrari bereits über eine halbe Sekunde. Das erinnerte an 2014, 2015 und 2016, als Mercedes die Konkurrenz so häufig vorführte.

Der Unterschied zwischen den Teamkollegen ist schnell erklärt. Im ersten Schuss auf den Hypersoftreifen trennten beide nur 4 Tausendstel. Im zweiten Anlauf riss die Lücke auf. Bottas erwischte eine saubere und fehlerfreie Runde. Hamilton hingegen patzte. „Er hatte einen Quersteher in Kurve sieben und musste weit gehen“, erklärte Teamchef Toto Wolff. Hamilton war bis zu diesem Zeitpunkt auf Pole-Kurs. Im ersten Sektor flog der zweimalige Sieger des GP Russland mit einer Zwischenzeit von 33,094 Sekunden seinem Teamkollegen um 0,227 Sekunden davon. „In Q3 ging das Auto ein bisschen weg von mir“, berichtete Hamilton. „Der Mittelsektor war mein Schwachpunkt.“ Ein bisschen zu viel Risiko und schon rodelte das Auto mit der Startnummer 44 durch die Auslaufzone. Hamilton brach daraufhin seine Runde ab.

Entscheidung über Teamstrategie am Sonntag

Bottas vor Hamilton: Da stellt sich zwangsläufig die Frage, was Mercedes im Rennen anstellen wird. Muss der Finne für den WM-Führenden Platz machen? Oder verzichtet Mercedes auf eine Stallregie? „Ich will einfach gewinnen. Von der Pole-Position kannst du als Fahrer kein anderes Ziel setzen“, sagt Bottas. „Wir sind ein Team. Das muss man immer im Kopf behalten. Lewis führt die Weltmeisterschaft mit großem Vorsprung auf Sebastian an. Ich liege noch viel weiter zurück.“ Diese Aussage kann man in zwei Richtungen deuten: Hamiltons Vorsprung ist sowieso groß genug, deshalb braucht es keine Teamorder. Oder: Ich weiß, was ich zu tun habe, um dem Team zu helfen.

Teamchef Wolff ist hin und hergerissen. „Valtteri hat heute zurückgeschlagen. Diese Pole gibt ihm wieder Selbstvertrauen. Er will seinen ersten Sieg in diesem Jahr. Das würde ihm noch mehr Selbstvertrauen geben. Ich liebe es, wenn unsere Jungs gegeneinander kämpfen. Aber wir sind an einem Punkt in der Weltmeisterschaft angelangt, an dem ich Zweikämpfe zwischen zwei Mercedes nicht gerne sehe. Als Rennfan hasst du Teamorder. Als Teamchef musst du anders denken.“ Noch sei keine Entscheidung gefallen, beteuert der Österreicher. Die Vorgehensweise will Wolff am Sonntagvormittag im üblichen Briefing mit den Ingenieuren und Fahrern diskutieren. Auch, wie man am Start verfährt. „Wir werden eine Lösung für alle finden.“

Mercedes fürchtet Start und Safety Car

Mercedes geht selbstsicher in das 16. Rennen des Jahres. Die rote Konkurrenz fürchtet der Titelverteidiger nur am Start. Die 1.029 Meter lange Anfahrt bis zum ersten Bremspunkt bietet für die Verfolger genügend Möglichkeiten, sich im Windschatten anzusaugen und vorbeizuziehen. Vorjahressieger Bottas demonstrierte 2017, wie es geht. „Das könnte morgen durchaus wieder passieren“, fürchtet Wolff. „Lewis sollte als Zweiter keinen so großen Vorteil genießen. Der Dritte und Vierte profitieren deutlich mehr vom Windschatten.“ Das wären in diesem Fall Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Samstag - 29.9.2018 Böse Schlappe für Ferrari Vettel fehlt eine halbe Sekunde

Die Strategie scheint schon zu stehen: Start auf den Ultrasofts, ein Stopp mit einem Wechsel auf die Softmischung. Das gilt für Mercedes wie Ferrari. Die strategische Eintönigkeit erhöht die Chancen von Mercedes und schmälert die Möglichkeiten von Ferrari. „Wenn wir nach der ersten Runde vorne sind, sollten wir gewinnen“, glaubt Wolff. Das sehen auch seine Strategen so. Mit einer Einschränkung: „Ein frühes Safety Car könnte Ferrari ein Fenster öffnen. Für uns wäre es schwerer zu entscheiden, ob wir dann stoppen oder auf dem Ultrasoft weiterfahren.“

Der große Unterschied zwischen Silber und Rot überrascht Mercedes. Er ist so hoch, obwohl Mercedes auf den neuen Heckflügel verzichtet. Einfach, weil die alte Version mit weniger Abtrieb besser geeignet ist für die Motorenstrecke Sotschi. Die restlichen Upgrades, die Frontflügel, Leitbleche und Unterboden umfassen, haben den W09 schneller gemacht. „Die Jungs leisten außergewöhnliche Arbeit. Schritt für Schritt verbessern wir unser Auto“, lobt Bottas. Die eigenen Verbesserungen sind die eine Seite der Medaille. Doch daran machen die Mercedes-Ingenieure den gewachsen Vorsprung zu Ferrari nicht fest. „Es ist nicht so, dass wir einen großen Sprung gemacht haben. Ferrari hat sich eher zurückentwickelt.“ Mercedes stellte immer noch fest, dass der V6-Turbo des SF71H etwas mehr Leistung hat. Doch der wundersame Leistungsanstieg ist seit Singapur verflogen. Beim Topspeed sind die Unterschiede gering: 327,6 km/h für Hamilton. 325,7 km/h für Vettel.

Mercedes gewinnt in allen Kurven auf den WM-Gegner. Die große Schwachstelle des Ferrari ist der letzte Sektor. Im verwinkelten Streckenabschnitt mit sechs 90-Grad-Kurven zählt Traktion. „Sie sind dort furchtbar langsam. Im ersten und zweiten Sektor sind sie dagegen bei der Musik.“ Das hat auch Red Bull festgestellt. „Wenn wir heute normal gefahren wären, wären wir mit beiden Autos vor Ferrari gelandet“, sagt Helmut Marko.

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