Mercedes W10 - Technik - Barcelona - F1-Test - 26. Februar 2019 Stefan Baldauf

Mercedes mit großem Technik-Update

Das ist neu am Silberpfeil

Mercedes gibt Gas. Das erste große Aerodynamik-Upgrade der Saison macht aus dem W10 ein halbes neues Auto. Wir haben dem runderneuerten Mercedes genau auf die Verkleidung geschaut und sagen ihnen, was die Ingenieure alles geändert haben.

Der neue Mercedes W10 hat in der ersten Testwoche 2.840 Kilometer abgespult. Dann war er schon wieder Geschichte. Um 9.05 Uhr zu Beginn der zweiten Testwoche rollte Lewis Hamilton in einem runderneuerten Silberpfeil mit zwei riesigen Messgittern auf die Teststrecke. Es reichte ein schneller Blick um festzustellen, dass die Aerodynamikabteilung in Brackley ganze Arbeit geleistet hat. Gefühlt ist das halbe Auto neu.

Beim ersten Aufguss hatten wir das Gefühl, dass der W10 eine Weiterentwicklung des Vorjahresautos ist. Der Mercedes ist weiterhin relativ lang und moderat angestellt. Er hatte die gleiche elegante schmale Nase. Und auch an den wild verschachtelten Leitblechen vor den Seitenkästen und dem großen Einlass in die Airbox erkannte man die Handschrift der Ingenieure aus Brackley.

Doch was in an den ersten vier Testtagen in Barcelona seine Runden drehte, war nur ein Testträger, der Kilometer abspulen sollte. Der echte neue Silberpfeil traute sich erst in der zweiten Testwoche aus der Deckung.

Mercedes W10 - Technik - Barcelona - F1-Test - 26. Februar 2019
Stefan Baldauf
Die Motorhaube liegt nun noch enger an - zu erkennen an der Falte im Carbonkleid.

B-Version vom Mercedes W10

Um es klar zu sagen: Dieser runderneuerte Silberpfeil ist keine Reaktion auf den Super-Ferrari. Das geht nicht innerhalb einer Woche. Dieses Aero-Paket entstand schon Anfang Januar und wurde so getimt, dass es pünktlich zur zweiten Testwoche fertig ist.

Der Grund ist simpel: „Fünf Tage mehr Windkanal-Zeit. Wir wollten unsere Melbourne-Spezifikation so spät wie möglich fertig bekommen, aber noch früh genug, um sie noch zu testen“, erklären uns die Ingenieure. Und jetzt kommt der Hammer. „Im Vergleich zum Präsentationsmodell hat sich jede aerodynamische Oberfläche geändert.“

Das heißt aber auch: Mercedes hat für vier Tage ein Übergangsauto gebaut, um Kilometer abzuspulen und Systeme zu checken. Nachdem der Weltmeister nun die Hosen runtergelassen hat, wartet er jetzt auf die Antwort der Konkurrenz. Ferrari und Red Bull begannen die zweite Testwoche noch mit nahezu unveränderten Autos.

Mercedes W10 - Technik - Barcelona - F1-Test - 26. Februar 2019
Stefan Baldauf
Die neue Nase des Mercedes ist nicht mehr so elegant wie früher.

Jetzt aber zum Silberpfeil, Jahrgang 2019: Beim Vergleich von Version 1 mit Version 2 haben wir folgende Unterschiede festgestellt.

  • Die Nase: Sie hat jetzt an der Spitze eine Verdickung und sieht aus wie ein Entenschnabel. Die seitlichen Ausbuchtungen gehen direkt in den Flügel unter der Frontpartie („Cape-Wing“) über. Das soll Luft über dem Mittelteil des Frontflügels absaugen, damit dort der Auftrieb verringert wird.
  • Frontflügel: Die Flügelprofile sehen nur auf den ersten Blick ähnlich aus. Die vier Flaps sind dünner geworden haben in der Mitte einen anderen Schwung und sind nicht mehr so stark angewinkelt. Leicht zu erkennen an den Endplatten, die am hinteren Ende ausgeschnitten und damit niedriger sind. Die Endplatte selbst ist jetzt nach außen angewinkelt. Das spricht dafür, dass Mercedes jetzt mehr Richtung Outwash statt Upwash geht. Die Luft soll also mehr an den Vorderrädern vorbei als drüber hinweg geleitet werden.
  • Vorderachse: Der untere Querlenker wurde dicker und gewinnt damit mehr Tiefe. Das Reglement legt die Breite der Querlenker fest. Drei Mal so breit wie hoch. Die Vorderachse ist jetzt noch mehr ein Flügel als sie es vorher schon war.
  • Hornflügel auf dem Chassis: Im Bereich der Vorderachse sind zwei Hornflügel angebracht. Exakt dort, wo der S-Schacht austritt. Bringt Abtrieb und korrigiert die Strömung nach hinten.
  • Finnen am Chassis: Vor den Cockpit sind jetzt zwei Finnen an den Chassis-Flanken montiert.
  • Leitbleche mit Schwertern: Beim Mercedes W10 1.0 haben wir das mächtige horizontale Schwert vermisst, dass die vertikalen Leitbleche vor den Seitenkästen mit dem Chassis verbunden hat. Bei der Version 2.0 sind gleich zwei Schwerter montiert. Die vertikalen Strömungsausrichter vor den Kühleinlässen sind stärker aufgesplittet.
  • Seitenkasten mit Falte: Bei den Seitenkästen ist Mercedes den Weg von Red Bull gegangen. Sie fallen im hinteren Bereich schräg zum Unterboden ab. In der modifizierten Version weist eine Falte nach innen darauf hin, dass die Seitenkästen im Heck noch eine Spur schlanker geworden sind. Vom bloßen Augenschein würden wir sagen, dass der neue Mercedes hinten noch schmaler ist als der Ferrari. Das schafft viel freie Fläche auf dem Diffusordach.
  • Vertikale Leitbleche auf dem Boden: Das ist eine Ferrari-Idee. Die haben das im letzten Jahr mehrmals in den Freitagstrainings probiert. Mercedes hat vorne und hinten je drei dieser Vortex-Generatoren aufgestellt.
  • Kühlauslass neben dem Cockpit: Mercedes führt weiterhin einen Teil der heißen Luft durch zwei Öffnungen neben dem hinteren Bereich des Cockpits ab. Vorher trat die Luft durch vier schmale Schächte aus. Jetzt sieht man einen langen Kanal, der in einer einzigen Öffnung mündet.
  • Doppelte Spiegelhalterung: Die Rückspiegel sind jetzt nicht mehr nur an einem Steg montiert, sondern auch noch über einen horizontalen Steg mit dem Chassis verbunden. Der hat wie so vieles eine Doppelfunktion: Abtrieb spenden und Strömung kontrollieren.
  • Doppelter T-Flügel: Auch das ist ein Detail, das wir von Ferrari kennen. Der T-Flügel am Ende der Motorabdeckung spaltet sich in zwei Elemente auf.
  • Heckflügel: Minimale Änderungen am Hauptblatt und an den Endplatten.

Mercedes W10 Barcelona-Update: Die Änderungen im Detail

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