Mercedes zittert beim Finale in Abu Dhabi

Beide Fahrer mit Technik-Sorgen

Nico Rosberg - GP Abu Dhabi 2016 Foto: ams 70 Bilder

Es wurde bis zum Schluss geheim gehalten: Beide Mercedes-Fahrer gingen mit leicht angeschlagenen Autos in das große WM-Finale in Abu Dhabi. An der Box wurde das ganze Rennen lang gezittert.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hatte es schon beim GP USA gesagt: „Das schlimmste für uns wäre, wenn die Weltmeisterschaft in den letzten Rennen durch einen Technikdefekt entschieden würde.“ Manche werfen ein: Wurde sie das nicht schon in China, Russland und Malaysia, als Lewis Hamilton mit Motorproblemen, ja sogar einem kapitalen Motorplatzer Punkte auf Nico Rosberg verlor?

Tatsächlich hatte auch Rosberg seine technischen Pannen. Den Aufhängungsbruch im Training von Spielberg, der ihn 5 Startplätze kostete, weil das Getriebe gewechselt werden musste. Das Getriebeproblem von Silverstone, das ihn wegen unerlaubter Hilfestellung via Funk 10 Strafsekunden einbrachte und auf den dritten Platz zurückwarf. Und ein Turbolader-Defekt in Austin. Der Lader hielt zu Rosbergs Glück bis zum Rennende durch.

Neues Getriebe für Rosberg nicht neu

Die Sorgen um die Technik begleiteten Ingenieure und Fahrer bis zum letzten Rennen. Hamilton entwickelte daraus sogar eine Art Verfolgungswahn. „Ich werde bis zur Zielflagge in Abu Dhabi mit der Angst fahren, dass etwas kaputtgehen könnte.“ Als der Engländer in Austin und Mexiko-City die klare Führung im Schongang ins Ziel schaukeln wollte, stiegen die Auspufftemperaturen.

Die Ingenieure wiesen Hamilton an, schneller zu fahren und auf ein höheres Motorenprogramm zu schalten. Erst nach mehrmaligen Aufrufen reagierte der Weltmeister. Man musste ihm erst erklären, dass der Motor mehr Schaden nimmt, wenn er herumbummelt. Der höhere Benzinverbrauch verbesserte die Innenkühlung und senkte die Auspufftemperauren.

Auch bei Rosbergs Getriebewechsel in Abu Dhabi zeigte sich die übergroße Vorsicht im Weltmeister-Team. Der WM-Favorit bekam für das letzte Rennen des Jahres turnusgemäß eine neue Kraftübertragung. Doch das Austausch-Getriebe war nicht brandneu.

Es ging die Angst um, irgendeine Unachtsamkeit beim Zusammenbau könnte für eine böse Überraschung sorgen. „Wir haben das Getriebe bei einem der Freitagstrainings eingefahren“, verrieten die Ingenieure.

Angst um Hamiltons Getriebe und Rosbergs Turbolader

Die letzten 3 Rennen wurden für Hamilton und Rosberg tatsächlich zur Zitterpartie. Beide Autos gingen leicht angeschlagen in das große WM-Finale. Einziger Lichtblick: Das Regenrennen in Brasilien verschaffte den Motoren ein paar Sequenzen mit voller Leistung mehr. Weil die Triebwerke bei langsamerer Gangart im Regen geschont werden konnten. Mercedes hielt seine Bedenken unter Verschluss, um das Titelrennen nicht noch weiter anzuheizen. Es geisterten schon genug Verschwörungstheorien durch das Fahrerlager.

Hamiltons größtes Sorgenkind war das Getriebe. Bei seinem verunglückten Start in Suzuka wurde ein Kegelrad beschädigt. Einige Zahnräder waren verbogen. Grund: Hamilton hatte die Kupplung zwei Mal hintereinander schnell kommen lassen. Wechseln war keine Option. Das hätte ihn Startplätze zurückgeworfen. Die FIA erlaubt straffrei nur den Tausch von Gangrädern. Deshalb wurde das beschädigte Getriebe nach jedem Training und nach jedem Rennen eingehend inspiziert.

Rosberg musste um seine Turbolader zittern. Nach dem GP USA musste der jüngste Lader im Bestand aussortiert werden. Beim GP Mexiko waren zu starke Vibrationen aufgetreten. Die verbleibenden Turbinen lagen jenseits der 3.000 Kilometer-Grenze.

Mit 2.498 und 2.115 Kilometern ins Finale

Hamilton und Rosberg mussten mit noch je zwei Antriebseinheiten über die letzten 5 Rennen kommen. Bei Rosberg hatten die Motoren vor dem GP Abu Dhabi 2.325 und 3.200 Kilometer abgedient. Hamiltons Rennmotor ging mit 1.965 Kilometer in sein letztes GP-Wochenende, der ältere mit 3.100 Kilometern.

Hamilton bestand darauf, die Freitage mit dem alten Motor zu überbrücken. Selbst in Mexiko, obwohl es dort wegen der Höhe von 2.240 Metern wenig Sinn machte. Der jüngere Motor kam immer erst ab Samstag zum Einsatz. Bei Rosberg blieb das frischere Triebwerk meistens das ganze Wochenende im Auto. Nur beim letzten Grand Prix des Jahres nicht. Da wurden aus Gründen der Gleichbehandlung am Freitagabend Motoren getauscht.

Da mehrere Antriebskomponenten angeschlagen oder alt waren, stellte Mercedes die 6 Elemente nach einem ganz bestimmten Plan zusammen, um das Risiko so gering wie möglich zu halten. Somit wurden die älteren Aggregate mit 3.583 Kilometer (Rosberg) und 3.455 Kilometer (Hamilton) am Freitag in Rente geschickt. Beim Start des Grand Prix hatte Rosbergs Rennmotor 2.498 Kilometer auf der Uhr, der von Hamilton 2.115 Kilometer. Beide Antriebseinheiten hielten ohne Klagen durch.

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