Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019 Motorsport Images

Mercedes demontiert Ferrari

Hamilton verliert Pole in zwei Kurven

Valtteri Bottas hat in Barcelona seine dritte Pole Position in Folge gefeiert. Lewis Hamilton verliert 0,634 Sekunden in zwei Kurven. Ferrari sieht gegen Mercedes kein Land. Wir erklären, wo das Problem des Vettel-Teams liegt.

Die erste Startreihe von Mercedes war eine Pflichtübung. Trotzdem lieferten die Silberpfeile eine Überraschung ab. Valtteri Bottas gewann zum dritten Mal in Folge das Duell um die Pole Position gegen Lewis Hamilton. Und mit was für einem Vorsprung!

Die beiden Mercedes-Piloten trennten 0,634 Sekunden. Das ist ein Klassenunterschied. Die GPS-Analyse zeigt, dass Hamilton bis Kurve 7 praktisch gleichauf mit Bottas lag. Dann baute der Weltmeister zwei Fehler ein. Die Quersteher in Kurve 7 und Kurve 13 reichten für den gigantischen Rückstand aus.

Hamilton hatte schon im Q1 und Q2 gegen Bottas verloren. Und dann begann das Q3 auch noch mit einem technischen Problem. Die Batterie im Auto mit der Startnummer 44 war leer. Da es verboten ist, den Energiespeicher in der Garage aufzuladen, musste Hamilton eine aggressive Aufwärmrunde fahren, um die Batterie zu laden.

Das hatte Auswirkungen auf den Grip der Reifen. Im letzten Sektor blieben 0,234 Sekunden auf seinen Teamkollegen liegen. Der Konter im zweiten Versuch schlug fehl. In Sektor 3 lagen zu viele Steine auf der Bahn. Keiner konnte sich mehr verbessern. Hamilton lobte seinen Stallrivalen: „Valtteri war das ganze Training über stark. Ich musste auf meiner Runde zu viel attackieren.“

Bottas strahlte über das ganze Gesicht. Er hat einen Lauf und nutzt ihn im Moment ohne einen Fehler aus: „Das Auto macht, was ich will. Wir haben die Abstimmung richtig hinbekommen, und die Upgrades haben funktioniert.“

Hamilton gab sich wie üblich wortkarg. Wie immer, wenn der Teamkollege schneller ist. Er flüchtete sich aber nicht in Ausreden, erwähnte die Batterie-Geschichte nur am Rande: „Meine Runde hätte besser sein können.“ Dann das Lob an das Team: „Die Upgrades haben uns von Ferrari abgesetzt.“ Gefolgt von Selbstkritik: „Ich muss an meinem Gefühl für das Auto arbeiten.“

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019
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Lewis Hamilton konnte das Tempo des Teamkollegen im Q3 nicht mitgehen.

Ohrfeigen für die Konkurrenz

Die Konkurrenz holte sich in Barcelona schallende Ohrfeigen ab. Ferrari fehlten 0,866 Sekunden, Red Bull 0,951 Sekunden. Das ist ein völlig anderes Bild, als das der Testfahrten vor zwei Monaten. Mercedes konnte oder wollte den riesigen Sprung in den letzten acht Wochen nicht erklären.

Teamchef Toto Wolff wagte immerhin einen Versuch: „Es war jetzt etwas wärmer als im Winter. Dadurch haben bei vielen die Reifen im zweiten und dritten Sektor überhitzt. Bei den Wintertestfahrten wurde dieses Problem durch die Bedingungen maskiert. Außerdem verstehen wir heute unser Auto und die Reifen viel besser. Dieses Verständnis hat uns geholfen, das Auto in die richtige Richtung zu entwickeln.“

Im Umkehrschluss heißt das: Ferrari und Red Bull haben nichts verstanden und sind mit ihren Upgrades ins Leere gelaufen. „Wir haben neue Teile am Auto, einen neuen Motor. Beides scheint zu arbeiten. Aber wir sind nicht dort, wo wir sein wollen“, protestiert Sebastian Vettel.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019
Jerry André
Wieder nur Platz 3 für Sebastian Vettel. Ferrari war chancenlos.

Max Verstappen verteidigt Red Bull: „Die Upgrades haben unser Auto schneller gemacht. Leider nicht schnell genug. Es fehlt generell an Grip. Die Balance ist gut. Es gibt weder Unter- noch Übersteuern. Ich bin am absoluten Limit. Würde ich noch einen Tick schneller fahren, würde ich von der Strecke rutschen.“

Die Gegner von Mercedes tun sich immer schwerer, ihre Niederlagen schönzureden. Das geben die Zahlen einfach nicht her. Mercedes fährt zur Zeit in einer eigenen Liga. Da blieb Vettel nur Zweckoptimismus: „Wir haben dieses Wochenende viele Dinge probiert und hoffen, dass sie sich irgendwann auszahlen.“ Verstappen motiviert sich mit dem Kampf um Platz 3: „Wir können Ferrari schlagen. Sie sind schneller auf der Gerade, wir in den Kurven.“

Jede Kurve ein Zehntel

Bei Ferrari liegen die Defizite auf der Hand. Vettel spricht sie an. „Wir verlieren zu viel Zeit in den Kurven, speziell in Sektor 3, der nur aus Kurven besteht. Leider gibt es nur in den ersten beiden Sektoren Geraden, wo wir diesen Rückstand wettmachen können.“ Ein Blick auf die Sektorzeiten deckt die Achillesferse des Ferrari SF90 schonungslos auf.

Barcelona-Quali: Sektor-Analyse

Fahrer Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3
Bottas 21,488 s 28,040 s 25,878 s
Vettel 21,284 s 28,357 s 26,611 s
Verstappen 21,685 s 28,274 s 26,322 s

Nur im ersten Sektor ist Ferrari stark. Vettel nimmt Bottas zwei Zehntel ab, Verstappen sogar vier. In Sektor 2 beginnt sich das Ferrari-Drama bereits anzubahnen. Vettel verliert drei Zehntel auf Bottas und ein Zehntel auf den Red Bull. In den letzten sieben Kurven oder 1,5 Kilometern fällt dann der Hammer. Bottas hängt Vettel um 0,733 Sekunden ab. Selbst gegenüber dem Red Bull sieht der Ferrari kein Land. Verstappen ist um 0,289 Sekunden schneller.

Würde man den GPS-Vergleich zwischen Vettel und Bottas visualisieren, dann läge der Ferrari bis Kurve 5 in Führung. Schon vor der Gegengerade setzt der Mercedes zum Überholen an und hat an der Grenze zwischen Sektor 2 und 3 einen leichten Vorsprung von 0,113 Sekunden.

Bis Kurve 15 wächst dieses Delta auf unglaubliche 0,890 Sekunden an und schrumpft dann dank des besseren Topspeeds auf der Zielgerade wieder um ein paar Hundertstel. Vettel flog mit 293,3 km/h über den Zielstrich und wurde am Ende der Geraden mit 324,2 km/h gestoppt. Bottas verliert an beiden Messstellen je 5 km/h auf die Ferrari. Was er locker verschmerzen kann.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019
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Die enge Schikane ist die Achillesferse von Ferrari.

Vettel schließt aus der eindeutigen Verteilung von Top-Speed und Kurvengeschwindigkeiten: „Mercedes fährt mit mehr Abtrieb als wir.“ Doch ist das die ganze Wahrheit? Wie ist es möglich, dass Vettel in jeder der letzten sieben Kurven jeweils ein Zehntel auf die Mercedes liegenlässt?

Da spielen sicher auch noch der mechanische Grip und die Reifentemperaturen eine Rolle. Bei Mercedes sind sie über die gesamten 4,655 Kilometer im grünen Bereich. Am Ferrari werden speziell die Hinterreifen im zweiten Teil der Runde zu heiß. So straft sie das Abtriebsmanko doppelt.

Fazit: Mercedes muss am Sonntag nur einen Gegner fürchten. Sich selbst. Die größte Gefahr lauert auf dem langen Anlauf von 565 Metern und in den ersten fünf Kurven und die ersten fünf Kurven. Wenn Bottas und Hamilton diese Hürde geschafft haben, werden sie nicht mehr zu halten sein.

GP Spanien 2019: Die Highlights vom Qualifying-Samstag

Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019
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