Ferrari vs. Mercedes - GP Australien 2017 ams
Red Bull - Formel 1 - Technik - GP Australien 2017
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Mercedes gegen Ferrari & Red Bull

Wer hat das schnellste Auto?

Das erste GP-Wochenende des Jahres ist gelaufen. Trotzdem sind noch nicht alle Fragen beantwortet. Wir sagen ihnen, wie es im Dreikampf Mercedes gegen Ferrari und Red Bull wirklich aussieht.

Wer hat das schnellste Auto im Feld? Acht Testtage in Barcelona haben nicht wirklich eine Antwort auf diese Frage gegeben. Die 3 Tage von Melbourne zeichnen das Bild schon ein bisschen schärfer. Die Reihenfolge im Training: Mercedes 0,268 Sekunden vor Ferrari und 1,297 Sekunden vor Red Bull. Im Rennen dann die Wende: Ferrari lag 0,175 Sekunden pro Runde vor Mercedes und durchschnittlich 0,505 Sekunden vor Red Bull.

Das lässt folgendes Fazit zu: Im Duell Mercedes gegen Ferrari entscheiden die Tagesform, das Boxenstopp-Timing, das Reifenmanagement, die Fahrer, das Wetter. Red Bull muss noch aufholen. Eine halbe Sekunde beim Auto, eine halbe Sekunde beim Motor.

Der Abstand im Rennen ist nur halb so groß, weil da das Power-Defizit nicht so drückt und Red Bull dank eines reifenschonenden Chassis weichere Mischungen fahren kann. Renault hat aus Sicherheitsgründen in der Qualifikation keinen Maximum-Powermodus im Angebot. „Das sind 5 Zehntel“, urteilt Teamberater Helmut Marko.

Ferrari gewann auf einer Mercedes-Strecke

Melbourne hat gezeigt, dass Mercedes den ganz großen Vorsprung verloren hat. Es gibt keinen Spielraum mehr für Fehler oder Schwächen. Die Simulationen hatten für das Rennen zwar eine deutliche Überlegenheit zugunsten von Mercedes errechnet, doch die konnte nicht eingelöst werden. An den Silberpfeilen bauten unerwartet die Reifen zu stark ab. Hauptsächlich der Ultrasoft-Reifen bei höheren Temperaturen.

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Australien - Melbourne - 25. März 2017
ams
Der Ferrari scheint ein Auto ohne Schwächen zu sein.

Sebastian Vettel fuhr über das gesamte Rennen konstant schnell. Egal auf welchem Reifentyp, egal bei welcher Asphalttemperatur. Doch es kann auch Ferrari treffen. Kimi Räikkönen rapportierte auf den Ultrasoft-Sohlen die gleichen Probleme wie die Mercedes-Piloten. Die neue Reifengeneration von Pirelli ist zwar genügsamer und haltbarer, doch den Reifen optimalen Grip abzufordern ist eine Gratwanderung. „Es ist einfach aus dem Arbeitsfenster zu fallen“, sagen die Mercedes-Ingenieure.

Dass Ferrari auf einer Mercedes-Strecke gewann, sollte dem Titelverteidiger zu denken geben. Ferrari brillierte in Barcelona hauptsächlich in den schnellen Kurven. Die langsamen waren das Revier von Mercedes. Melbourne bestätigte das. Der dritte Sektor mit den flüssigen Kurven gehörte Ferrari.

Dass Kimi Räikkönen kurz vor Schluss die schnellste Runde drehte, ist für den Titelverteidiger auch kein Ruhekissen. Der Ferrari-Motor hat nicht nur Power. Er ist auch vom Benzinverbrauch dem Mercedes ebenbürtig. Vettel und Räikkönen mussten nicht mehr Sprit sparen als Hamilton und Bottas. Auch Renault scheint in der Disziplin gute Arbeit geleistet zu haben. Max Verstappen musste seine Attacke auf Räikkönen nicht wegen des Spritverbrauchs abblasen, sondern weil die Bremsen Warnsignale abgaben.

Ferrari liegt in der goldenen Mitte

Seit Vettels Sieg rätselt die Fachwelt, was diesen Ferrari so schnell macht. Der SF70H sieht abgesehen von seinem originellen Seitenkasten-Einlass eigentlich ganz gewöhnlich aus. Genau das ist offenbar sein Geheimnis.

Max Verstappen - GP Australien 2017
Wilhelm
Der Red Bull ist schwer ins richtige Arbeitsfenster zu bringen.

Mercedes hat ein unheimlich kompliziertes Auto gebaut, Red Bull ein verblüffend einfaches. Mercedes begab sich mit einem ultralangen Radstand von 3.760 Millimetern auf neues Terrain. Red Bull versuchte das Auto noch stärker von vorne nach hinten anzustellen, kann das im Moment aber nicht so wie gewünscht, weil es zu viel Top-Speed kosten würde. Ferrari liegt mit dem Radstand und dem Anstellwinkel in der goldenen Mitte.

Schon bei den Testfahrten hatte sich angedeutet, dass Ferrari jeden Tag konstant schnelle Runde drehte. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Ingenieure ihr Auto verstehen. Mercedes und Red Bull standen phasenweise vor einem Rätsel. Ihre Autos machten nicht das, was sie sollten. Vielleicht haben sie dafür langfristig aber mehr Potenzial. Wenn die Ingenieure ihre Konstruktionen mal voll und ganz verstehen.

Red Bull gibt ein Chassis-Problem zu. Der RB13 funktioniert nur in einem winzigen Fenster. Kleine Änderungen in der Abstimmung haben fatale Wirkung. Red Bull will innerhalb von drei Rennen reagieren. Bei Motorenpartner Renault dauert es doppelt so lang.

Mercedes begibt sich nach der Niederlage von Melbourne auf Datenstudium. Die Zahlen haben bis jetzt immer eine Antwort gebracht. Lewis Hamilton hat öffentlich Verbesserungen beim Reifenverständnis gefordert. Teamchef Toto Wolff machte die gestiegenen Temperaturen am Sonntag für die Misere verantwortlich. Die Ingenieure befürchten, dass die Wahrheit komplexer ist.

Welche Rolle spielt das Wunder-Fahrwerk?

Bleibt die Frage: Welche Rolle spielt der Verzicht von Mercedes und Red Bull auf das hydraulisch vernetzte Fahrwerk, das Ferrari im Winter erfolgreich an den Pranger stellte? Mercedes und Red Bull behaupten, sie wären wegen des Zusatzgewichts ohnehin nicht mit dem Wunder-Fahrwerk in Melbourne gefahren. Red Bull liegt ohne exakt am Limit von 728 Kilogramm, Mercedes sogar 5 Kilogramm darüber.

Mercedes - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 23. März 2017
ams
Wie groß ist der negative Effekt des Verzichts auf die clevere Aufhängung?

Teamchef Toto Wolff will die Errungenschaft trotzdem nicht aufgeben: „Wenn die Abstände schrumpfen, wird der kleinste Vorteil wichtig.“ Technikchef James Allison und Chefdesigner Aldo Costa saßen in Melbourne über eine Stunde mit FIA-Technikchef Marcin Budkowski zusammen, um ihm noch einmal schlüssig zu erklären, warum sich Mercedes auf legalem Boden bewegt.

Red Bull trifft der Ausbau härter, auch wenn man das so nicht zugeben mag. Verstappen macht Red Bulls Grundproblem nicht an der Aufhängung fest: „Wir waren bei den Testfahrten mit und ohne unterwegs. Das Auto war auch mit dem System zu langsam.“ Mit der hydraulischen Roll- und Bodenfreiheitskontrolle an Bord ist es für die Ingenieure aber einfacher, das Abstimmungsfenster zu treffen.

Der Aufhängungstrick erlaubt es Red Bull, auf der Geraden das Heck abzusenken und die Strömung zum Diffusor abreißen zu lassen. Damit konnte Red Bull sein Auto für maximalen Abtrieb stark anstellen, ohne dadurch Top-Speed zu verlieren. Ohne das System muss dem Top-Speed zuliebe der Anstellwinkel reduziert werden. Das kostet Abtrieb. Die Kunst ist es nun, den besten Kompromiss zu finden. Oder die Aerodynamik gutmütiger auszulegen.

Abschließend noch ein Blick auf den Rest des Feldes. Mercedes, Ferrari und Red Bull werden im Kampf um Siege, Podestplätze und den WM-Titel unter sich bleiben. Williams ist erschreckend weit weg. Dem viertbesten Auto fehlten im Training 2,255 Sekunden auf die Spitze. Im Rennen war Felipe Massa jede Runde 1,463 Sekunden langsamer unterwegs als Vettel. Das ist ein Klassenunterschied.

Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - GP Australien 2017 Mercedes-Niederlage in Melbourne „Der perfekte Weckruf“

Ferrari treibt Mercedes in die Enge.

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