Lewis Hamilton - Toto Wolff - Mercedes Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 12. Dezember 2021
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 12. Dezember 2021
Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 12. Dezember 2021
Impressionen - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 12. Dezember 2021 37 Bilder

Mercedes im Frust-Modus: Wolff fordert klare Regeln

Mercedes im Frust-Modus Wolff fordert klare Regeln

GP Abu Dhabi 2021

Mercedes hat die Niederlage im WM-Finale von Abu Dhabi immer noch nicht verdaut. Lewis Hamilton wurde nach Meinung des Teams durch Fehlentscheidungen der Titel gestohlen. Der Titelverteidiger will nicht nachkarten, fordert aber Lösungen für die Zukunft.

Vier Tage nach dem WM-Finale brach Mercedes sein Schweigen. Kurz zuvor hatte der Rennstall mitgeteilt, dass er sein Recht auf Berufung gegen die Abweisung des Protestes beim WM-Finale, nicht weiter verfolgen wird. Das Team und Lewis Hamilton hatten sich am Mittwochabend (15.12.) schweren Herzens dazu durchgerungen. Die Video-Konferenz am Tag danach wirkte fast wie ein Begräbnis. Passend dazu war Teamchef Toto Wolff ganz in Schwarz gekleidet. Und er ließ seiner Enttäuschung über die Vorkommnisse beim letzten Grand Prix des Jahres freien Lauf.

Wolff sprach von Zuständen wie beim Catchen. Der Show zuliebe seien Regeln ignoriert worden. "Es schmerzt mir im Herzen, so den Titel zu verlieren. Für Lewis war es schrecklich, mit einer Entscheidung konfrontiert zu werden, die ihn die Weltmeisterschaft gekostet hat. Und er hätte ihn mehr als verdient gehabt. Er ist in den letzten vier Rennen fehlerlos gefahren, er hat in Abu Dhabi von der ersten Runde an dominiert. Es ist einfach inakzeptabel, dass ihm in der letzten Runde auf diese Weise der Lohn seiner Arbeit gestohlen wurde."

Als Zeichen stillen Protests nehmen weder Lewis Hamilton noch Toto Wolff an der FIA-Preisverleihung in Paris teil. Mercedes schickte nicht einmal sein Formel 1-Auto, das Sinnbild für den gewonnenen Konstrukteurs-Titel gewesen wäre. Der frühere Technikchef James Allison wird in Vertretung alle Pokale einsammeln. Ein Gespräch mit dem in die Kritik geratenen Rennleiter Michael Masi lehnte Wolff ab.

Toto Wolff & Lewis Hamilton - GP Emilia Romagna - Imola - 2020
Wilhelm
Mercedes und Hamilton schmerzt der Verlust der Fahrer-Weltmeisterschaft im letzten Augenblick.

Mercedes will Taten statt Worte sehen

Die Weltmeisterschaft wurde quasi auf den letzten Metern entschieden. FIA-Renndirektor Masi hatte den GP Abu Dhabi nach einer Safety Car-Phase für die letzte Runde noch einmal freigegeben und dabei gegen zwei Regeln verstoßen. Nicht alle acht überrundeten Fahrzeuge durften sich zurückrunden, und zwischen dem Überholen des letzten Autos und dem Befehl an das Safety Car an die Boxen abzubiegen, lag nicht die erforderliche Runde.

Die Freigabe erwies sich als Geschenk für Max Verstappen. Er machte auf den weicheren und frischeren Reifen kurzen Prozess mit seinem WM-Gegner. Der Protest wurde nach langen Verhandlungen abgeschmettert. Kernargument war, dass der Rennleiter bei einem Safety Car praktisch freie Hand hat, und dass der Punkt mit dem Zurückrunden unklar formuliert ist. Trotzdem glaubt Wolff: "Ein Zivilgericht hätte uns Recht gegeben." Das Berufungsgericht der FIA und der Internationale Sportgerichtshof möglicherweise nicht. "Es war nicht zu erwarten, dass die FIA ihre eigenen Fehler zugibt."

Mercedes gab sich aber erst mit der Einstellung des Verfahrens zufrieden, nachdem der scheidende FIA-Präsident Jean Todt im Weltrat erfolgreich durchpeitschte, dass der Fall noch einmal in einer Kommission mit allen Beteiligten aufgerollt wird. "Wir erwarten von der Kommission nicht nur Worte, sondern Taten", drohte Wolff. "Es muss in Zukunft klare Regeln geben für das, was erlaubt ist und was nicht. Technisch wie sportlich. Es geht nicht mehr, dass Entscheidungen nach dem Zufallsprinzip oder ad hoc gefällt werden. Was auch immer entschieden wird, die FIA muss sich dafür verantworten." Das Fazit fiel dann geradezu versöhnlich aus: "Ich vertraue darauf, dass die Kommission die richtigen Entscheidungen trifft."

Konversation mit Rennleiter überdenken

Mercedes verlangt von den Sportkommissaren in Zukunft eine einheitliche Rechtsprechung. Dies wird kaum möglich sein, weil es im Auge des Betrachters liegt, was gerecht ist und was nicht. So hinkt auch der Vergleich mit dem Safety Car beim GP Eifel 2020 am Nürburgring. Dort hatte Michael Masi eine ungewöhnlich lange SafetyCar-Phase unter anderem damit verteidigt, dass sich zuerst alle überrundeten Autos zurückrunden mussten. Also genau die Maßnahme, die er diesmal unterlassen hat. Diese Safety Car-Phase fand allerdings mitten im Rennen statt, und der Hauptgrund der Verzögerung war, dass der havarierte McLaren von Lando Norris plötzlich Feuer fing. Was zeigt: Kein Fall ist wie der andere.

Der Mercedes-Teamchef will weder dem Rennleiter noch den Sportkommissaren Absicht unterstellen, nur um dem WM-Finale einen spannenden Abschluss zu verschaffen. "Wir haben nichts gegen Unterhaltung. Aber auch die muss sich an Regeln halten. Es darf nie eine Entscheidung getroffen werden, bei der um der Show willen Regeln gebrochen werden müssen. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit des Sports."

Wolff räumt ein, dass man für die Zukunft überdenken müsse, auf welchem Weg die Teams mit dem Rennleiter kommunizieren dürfen. "Wir alle wollten die Funksprüche öffentlich machen, weil sie Transparenz bringen und Teil der Unterhaltung sind. Ich muss aber auch zugeben, dass Christian und ich in der Hitze des Gefechts über das Ziel hinausgeschossen sind, und dass diese Kommunikation mit dem Rennleiter möglicherweise Teil des Problems ist, warum wir in den letzten Jahren so oft uneinheitliche Entscheidungen gesehen haben."

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2021
Motorsport Images
Lewis Hamilton dominierte das Saisonfinale, verpasste aber unglücklich den Titel.

Verstappen ein verdienter Champion

Vorerst aber überwiegt bei Mercedes der Frust. Die Enttäuschung darüber, dass das Prinzip der Fairness verletzt wurde, weil diesmal die Ehrlichkeit der Stoppuhr ausgehebelt wurde. "Lewis und ich sind im Moment desillusioniert. Die Formel 1 ist zwar die unwichtigste Wichtigkeit der Welt, aber wir verstehen immer noch nicht, was da am Sonntag passiert ist. Deshalb stellen wir uns Fragen. Es wird lange dauern, das zu verdauen, und wir werden wahrscheinlich nie ganz darüber hinwegkommen. Wir fühlen uns wehrlos."

Allen, die daraus schon einen Rücktritt von Lewis Hamilton stricken wollten, antwortete Wolff: "Es ist nicht das Ende der Welt, und wir verfallen jetzt auch nicht in eine kollektive Depression." Genauso wenig werde es den Krieg gegen Red Bull verschärfen, die Mercedes einen schlechten Verlierer geschimpft haben: "Diese Aussagen wurden aus Emotionen heraus getroffen. Ich kann Red Bull verstehen, dass sie frustriert waren, als unser Protest die WM-Entscheidung verzögert hat."

Vielleicht wird eine Lösung im Streit um Entscheidungen auf der Rennstrecke die WM-Gegner sogar enger aneinander binden, hofft Wolff. "Wir wollen kein schlechtes Wort über Max, Horner oder Marko verlieren. Sie haben uns einen unglaublichen Kampf geliefert und verdienen den Titel. Es tut uns leid, wenn durch dieses Nachspiel ein Schatten auf die Weltmeisterschaft von Max fällt."

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