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Mercedes gegen Ferrari

Hamilton macht den Unterschied

Lewis Hamilton - Mercedes - GP China 2017 - Qualifying Foto: xpb 48 Bilder

Das Duell Mercedes gegen Ferrari ist noch enger als in Melbourne. Sebastian Vettel fehlten nur 0,186 Sekunden zur Pole Position. Was machte den Unterschied, Herr Wolff? Die Antwort ist einfach: „Lewis Hamilton.“

Es ist eine Pattsituation, die sich die Formel 1 drei Jahre lang gewünscht hat. Mercedes und Ferrari fahren auf Augenhöhe. Kleinigkeiten entscheiden: die Tagesform, das Setup, die Bedingungen, kleine oder große Fehler. Diesmal war es nach Einschätzung von Mercedes-Teamchef Toto Wolff der Hamilton-Faktor. „Lewis hatte einen besonders guten Tag.“

Vettel kommt nicht perfekt durch letzte Ecke

Das musste auch Sebastian Vettel anerkennen. Der Ferrari-Pilot hatte beim Anbremsen der Zielkurve, die er für sich die „Schweinekurve“, nennt einen kleinen Fehler eingebaut. „Hat mich sechs Hundertstel gekostet. An die Zeit von Lewis wäre ich aber nicht rangekommen.“ Der Unterschied betrug 0,186 Sekunden. Das sind 82 Tausendstel weniger als in Melbourne.

Auch zwischen Vettel und dem zweiten Mercedes-Fahrer war es knapp. Eine Tausendstelsekunde trennte Valtteri Bottas von der ersten Startreihe. In Zahlen: 0,001 Sekunden. „Könnte ich die Runde noch einmal fahren, würde ich das Tausendstel bestimmt irgendwo finden“, lächelte der Finne.

Die neue Formel 1 setzte ihren Siegeszug durch die Statistiken der GP-Geschichte fort. Hamiltons Runde von 1.31,678 Minuten entsprach einem Rekordschnitt von 214,049 km/h. Sie war 3,724 Sekunden schneller als im Vorjahr, 2,028 Sekunden besser als der Qualifikationsrekord aus der Saison 2011 und lag 0,560 Sekunden unter der absolut schnellsten Shanghai-Runde von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004.

Lauda wettete 10 Euro auf Ferrari

Das Trainingsergebnis war eine Kopie von Melbourne. Hamilton vor Vettel, Bottas, Räikkönen und dem schnelleren der beiden Red Bull. Hat sich damit schon eine bestimmte Hackordnung etabliert? Hamilton glaubt nicht: „Es ist so eng wie noch nie. Zwischen Ferrari und uns liegt ein Zehntel. Da kann alles passieren.“ Vettel resümiert: „In der Quali ist Mercedes noch einen Tick besser. Im Rennen können wir mithalten. Ich bin zufrieden, dass wir ein Auto haben, mit dem wir Mercedes herausfordern können.“

Bottas glaubt: „Das Wetter und die Bedingungen entscheiden.“ Hamilton zählt sie auf: „Start, Strategie, Überholen auf der Strecke. Das wird auch nicht einfacher als in Melbourne, weil wir so eng zusammenliegen. Du brauchst ein größeres Delta, um Überholen zu können.“ Der Topspeed-Vorteil von 2,7 km/h auf Vettel wird da nicht ausreichen.

Niki Lauda ging mit einem schlechten Gefühl in die zweiten Qualifikation des Jahres. Der Mann mit dem Kapperl wettete mit Toto Wolff um 10 Euro auf einen Trainingssieg von Ferrari. Wolff fühlte sich mit der Pole Position doppelt beschenkt: „Es ist schon ein Sieg für sich, dem Niki Geld abzunehmen.“

Das Duell Rot gegen Silber hat seine eigene Dynamik. Während die Ferrari-Piloten sofort ihren Speed finden, tastet sich Mercedes langsam ans Limit. Vettel glaubt: „Die können im Q3 immer noch ein bisschen mehr Power aufdrehen als die anderen.“ Andere interpretieren es so, dass Ferrari sein Auto besser versteht als Mercedes. Oder dass der Ferrari SF70H einfacher abzustimmen ist als der Mercedes W08. Wolff bringt noch einen Faktor ins Spiel. „Es ist unser Arbeitsstil. Wir arbeiten uns Schritt für Schritt an das Limit hin. Das Auto muss am Sonntag am schnellsten sein.“

Mehr Angst vor Verlieren als Freude am Gewinnen

Genau das ging in Melbourne schief. Unter den höheren Temperaturen am Renntag nahm der Silberpfeil seine Reifen härter ran als die Konkurrenz. In Shanghai wird es umgekehrt sein. Schon Samstagabend begann das Thermometer zu fallen. Es werden für Sonntag 14 statt 21 Grad erwartet. Ein Vorteil für Mercedes? „Da lässt sich noch kein Muster erkennen, welche Temperaturen welchem Auto besser passen. Die Erkenntnisse von Melbourne sind auf Shanghai nicht anwendbar“, erwidert Wolff. „Am Ende wird es darauf ankommen, wie Ferrari und wir das Auto abgestimmt haben und wie wir das Reifenfenster treffen.“

Mercedes macht nach drei Jahren Dominanz gerade die Erfahrung, dass jeder Fehler einer zu viel sein kann. „In Melbourne waren wir im Rennen einfach zu langsam. Wir hätten auch mit einer anderen Strategie nicht gewonnen“, glaubt Wolff. Trotzdem glaubt er, dass seine Mannschaft der ungewohnten Aufgabe gewachsen ist. „Am Dienstag nach Melbourne saß ich in unserer Rennanalyse. Da nehmen rund 50 Leute teil. Jeder soll anhand der Datenanalyse erfahren, was am Wochenende gelaufen ist. Nach dem Meeting hat mir unser Chefdesigner John Owen vorgeschwärmt, wie toll er es findet, dass sich unsere Jungs so auf die neue Situation eingestellt haben. Wir haben für ein neues Reglement ein Auto gebaut, das wieder gewinnen kann. Und wir wissen ganz genau, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir sicher sein konnten, vorneweg zu fahren. Wir haben immer noch mehr Angst vor dem Verlieren als Freude am Gewinnen.“

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