Mercedes - Formel 1 - GP Russland 2021 Wilhelm
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Mercedes gegen Red Bull: Vorteile im WM-Endspurt

Mercedes gegen Red Bull Wer hat Vorteile im WM-Endspurt?

Lewis Hamilton hat in Russland die WM-Führung zurückerobert, Mercedes seinen Vorsprung ausgebaut. Red Bull war trotzdem glücklich, weil man sich zuletzt auf Angststrecken nicht mal ein blaues Auge holte. Die letzten sieben Rennen versprechen Höchstspannung. Es zeichnet sich ab, dass das Pendel weiter hin und her schwingen wird.

Noch sieben Rennen. Die 72. Saison in der Geschichte der Formel 1 steuert auf ein Herzschlagfinale zu. Nach 15 Grands Prix steht es in der Fahrerweltmeisterschaft nach Punkten 246,5 zu 244,5 für Lewis Hamilton gegen Max Verstappen. Mercedes hat als Team 33 Zähler mehr auf der Habenseite als Red Bull. Die WM kann sich in beiden Fällen innerhalb von einem Rennen drehen.

Sotschi war ein gutes Pflaster für den Weltmeister. Mercedes spielte seine Vorteile auf den Geraden aus. "Je länger, desto mehr verlieren wir. Vom Anfang bis zum Ende", urteilt Red Bulls Sportchef Helmut Marko. Also in der Beschleunigungsphase und hinten heraus, wenn der Elektro-Schub noch vorhalten sollte. Der Klassenprimus hat sich nach einem Zwischentief zu Saisonmitte in dieser Beziehung wieder die Vorherrschaft erarbeitet.

Ein Umschwung im Kräfteverhältnis bei der Leistung ist nicht in Sicht. Honda hat zwar mit einer leichteren Batterie, die gleichzeitig effizienter geworden ist, ab Spa nachgelegt. Den Gegner zu schwächen, hat aber nicht funktioniert. Red Bulls Anfrage bei der FIA nach dem angeblichen Mercedes-Trick mit dem Kühlen des Plenums lief ins Leere. "Das wurde abgeschmettert", heißt es aus Red Bull-Kreisen.

Lewis Hamilton - Max Verstappen - GP Russland 2021 - Sotschi
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Max Verstappen und Lewis Hamilton spielen in dieser Saison Ping-Pong. Die Führung wechselt hin und her.

Chassisvorteil hängt von Strecke ab

In Russland waren es aber nicht nur die Geraden. Red Bull verlor im Vergleich auch in den vielen mittelschnellen Kurven. In Summe wäre man in einer normalen, trockenen Qualifikation zwischen zwei und drei Zehntel langsamer gewesen. In einem normalen Rennen in gleichem Umfang pro Runde. Mercedes war besser, mit leeren und mit vollen Tanks.

In Monza war der Mercedes neben dem Leistungsplus so überlegen, weil er mit wenig Flügel mehr Abtrieb gewinnt. Das Aerodynamik-Paket arbeitet effizienter. In Sotschi packten die Teams wieder größere Flügel aus, und wieder enteilte Mercedes. Die Kombination aus viel Abtrieb und langen Geraden schmeckt dem Red Bull nicht so sehr. Weil der RB16B mit seinem hohen Heck mehr Luftwiderstand aufbaut.

Auf Strecken wie Monaco ist das anders. Da gibt es keine langen Geraden, Effizienz spielt keine Rolle. Maximalen Abtrieb erzeugt der Red Bull mit seinem Konzept der hohen Anstellung mehr als der W12. Die beiden Autos liegen ansonsten auf ähnlichem Niveau. "Es hängt von der Strecke ab, wer mit seinem Chassis besser dran ist", meint Marko.

Türkei wie Barcelona und Paul Ricard

Red Bull ist erleichtert, seine beiden Angststrecken aus dem Weg zu haben, einen frischen Motor in Verstappens Pool gebracht zu haben, und nicht mal ein blaues Auge abbekommen zu haben. In den letzten sieben Rennen wartet keine klassische Mercedes-Strecke mehr. Aber eine Red-Bull-Bahn mit Mexiko Stadt. Alles spricht für einen packenden Zieleinlauf. "Ich würde sagen, 50 zu 50, was noch aussteht, und einem Team etwas mehr entgegen kommt als dem anderen", meint Red Bulls Teamchef Christian Horner angesprochen auf das Restprogramm.

Es ist nicht einfach, Vorhersagen zu treffen. Weil die Kontrahenten auf hohem Niveau operieren. Weil die Unterschiede zwischen den Autos so klein sind. Weil keiner eine eklatante Schwäche hat. Weil kein Muster festzumachen ist, wann wer in welchem Kurventyp regiert. Langsam, mittelschnell, schnell: Das hängt auch vom Abtriebslevel ab. Viel Flügel, wenig Flügel. In Summe dürfte die geringere Fehlerquote den Ausschlag geben. Einen Patzer wird sich keiner leisten können. Jeder Ausfall wäre wahrscheinlich ein Genickbrecher.

Das Rennwochenende in der Türkei wird so ein erstes sein, wo Kleinigkeiten den Unterschied ausmachen werden. "Schwer einzuschätzen, wer da die Nase vorne haben wird", sagt Marko. Ähnlich hört sich das aus dem Mercedes-Lager an. Das Vorjahr bietet keine echte Referenz. Sowohl die Qualifikation als auch das Rennen waren damals verregnet. Mercedes brachte erst die Reifen nicht auf Temperatur, was hinten heraus zum Joker wurde auf abtrocknender Bahn. Hamilton gewann und krönte sich ein siebtes Mal zum Weltmeister.

Horner glaubt, dass die Türkei ein Rennen auf Messers Schneide werden wird. Wie in Barcelona. Wie in Paul Ricard. Es gibt einige mittelschnelle Kurven, die eher Mercedes gelegen kommen sollten. "Sie werden in Istanbul schnell sein." Der langsame Schlussteil könnte einer für Red Bull sein.

Der gebogene Flügel als Waffe

Die Frage ist, ob der Herausforderer seinen Wunderflügel wird einsetzen können. Den mit dem gebogenen Hauptblatt. Dann würde man auf der langen Gegengerade zum Ende von Sektor zwei auch weniger leiden. Das gilt auch für die Pisten danach. Mit diesem Flügeltyp harmoniert das Aero-Konzept des RB16B am besten. Der glatte Asphalt in Istanbul hilft eher Red Bull, weil das Auto die Reifen eigentlich zuverlässig schnell anzündet.

"Nach der Türkei kommen mit Austin, Mexiko und Brasilien drei Strecken für uns", sagt ein hoffnungsvoller Helmut Marko. In Texas gibt es wie in Istanbul keine wirkliche Referenz. Im Vorjahr wurde das Rennen wegen Corona aus dem Kalender genommen. Das Layout zeichnet eine flüssige Strecke mit langsamen bis schnellen Passagen und einer sehr langen Geraden. Da ist für beide was dabei. Hamilton ist mit fünf Erfolgen der Rekordsieger in Austin. Doch was heißt das schon? Sieht nach 50:50 aus.

Große Upgrades sind im Titelkampf nicht mehr zu erwarten. Red Bull schob in Sotschi eine weitere Frontflügel-Entwicklung nach. Ansonsten soll nur noch Kleinkram folgen. Feintuning heißt das Zauberwort. Mexiko ist aus dem Rennprogramm im Prinzip die einzige Strecke, die einen klaren Favoriten kennt. In der dünnen Luft blühte Red Bull bislang immer auf, während Mercedes zumeist schwer atmete.

Lewis Hamilton - Max Verstappen - GP Italien 2021 - Monza
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Mercedes und Red Bull liegen praktisch gleichauf. Die Fehlerquote dürfte entscheiden.

Dritter Sprint, dritter Unfall...?

Hondas größerer Turbolader ist auf 2.200 Metern Höhe ein Trumpf. Weil man trotz geringeren Luftdichte noch ausreichend komprimierte Luft in den Verbrennungsprozess jagt. Der Leistungsverlust fällt kleiner aus. Die Strecke fordert zwar maximalen Abtrieb, und hat eine lange Zielgerade. Doch Effizienz spielt in der dünnen Luft keine Rolle. Die Flügel verlieren an Wirkung, der Luftwiderstand sinkt. Alles gut für Red Bull. Deshalb wäre Mexiko auf dem Papier der passendste Ort für Mercedes, sollte Hamilton einen vierten Motor brauchen. Wonach es aussieht.

"In Mexiko und Brasilien waren wir immer stark", frohlockt Horner. Auch Sao Paulo liegt mit 760 Meter weit über dem Meeresspiegel. Gut für Red Bull, gut für Honda. Allerdings warten im Mittelabschnitt eine Reihe mittelschneller Kurven. Da fühlt sich Mercedes besonders wohl. Deshalb fällt eine Prognose schwer. Wenn es weitergeht wie bisher, kracht es in Sao Paulo zwischen den WM-Gegnern. Brasilien ist das letzte Wochenende mit einer Sprint-Qualifikation der Saison. Silverstone und Monza waren die beiden vorherigen: Beides Mal fuhren Hamilton und Verstappen auf Kollisionskurs.

Das Finale in der Wüste bringt zwei unbekannte Strecken und eine umgebaute. "Wir wissen nichts über Katar, wir wissen nichts über Jeddah", sagt Red Bulls Teamchef. Für die Premierenrennen kommt es darauf an, wer die Hausarbeiten besser erledigt. Wer stellt sich in der Fabrik, im Simulator schneller auf Neuland ein? Im Prinzip besteht der Losail International Circuit aus einer langen Zielgeraden und 16 aneinander gereihten Kurven – die meisten davon wohl mittelschnell in einem Formel-1-Auto. Die Strecke ist den meisten aus dem Motorradrennsport (MotoGP) bekannt.

Umbau in Abu Dhabi

Saudi-Arabien verspricht den schnellsten Stadtkurs der Welt. Schneller als Baku. Motorleistung gefragt: Das wird Mercedes gerne hören. Andererseits klingt das nach einem Einsatzgebiet für Red Bulls geschwungenen Flügel. Baku jedenfalls war in dieser Saison Red- Bull-Land – dank dieses Flügeltyps.

Abu Dhabi erwartet die Formel 1 im Finale mit einer angepassten Rennstrecke. Die Schikane zu Beginn des zweiten Sektors vor der Haarnadel fällt weg. Das soll eine Überholstelle schaffen. Die Mickey-Mouse-Kurven zu Beginn des dritten Sektors werden ausgebaut. Dafür zieht eine Steilkurve ein. Die schmeckten in Zandvoort vor allem Red Bull. Die Frage ist, wie stark die Neigung ausfällt.

Im Schlussabschnitt werden vier Kurven weiter geöffnet. In Summe wird Abu Dhabi schneller und flüssiger. 2020 war Red Bull hier nicht zu stoppen. Wie wirken sich die Veränderungen auf das Kräfteverhältnis aus? Schwer zu prophezeien.

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