Rosberg und Schumacher

Immer wieder dieser verflixte Heckflügel

Formula 1 Grand Prix, Malaysia, Saturday Qualifying Foto: xpb 49 Bilder

Die Startplätze der Mercedes-Piloten erinnern an Melbourne. Platz neun für Nico Rosberg, Rang elf für Michael Schumacher. Trotzdem gibt es einen Lichtblick. Der Speed hat sich verbessert. Das Resultat wäre besser gewesen, wenn endlich dieser verdammte Heckflügel funktionieren würde.

Über die Topspeeds können sich die Mercedes-Piloten nicht beklagen. Michael Schumacher belegte mit 311,0 km/h und 310,6 km/h die Plätze zwei und drei. In der Startaufstellung sieht es noch nicht so rosig aus. Da fiel Schumacher erneut in der zweiten K.O.-Runde durch den Rost. Und Nico Rosberg schaffte im Top Ten-Finale lediglich Platz neun.

Heckflügel-Drama seit den Tests

Beide Fahrer hatten plausible Erklärungen. Bei Schumacher streikte im entscheidenden Versuch der Heckflügel. "Michael ist sieben Kurven lang mit zu wenig Abtrieb gefahren", entlastete Ross Brawn seinen Piloten. Da blieb rund eine Sekunde liegen. Der Rekordmeister hätte aber nur zwei Zehntel schneller fahren müssen, um den Sprung unter die besten Zehn zu schaffen. Im Q3 ereilte Rosberg das gleiche Schicksal. Der Blondschopf glaubt, dass er unter perfekten Bedingungen eine Zeit im Bereich der 1.35,8 Minuten von Fernando Alonso hätte fahren können. Also Platz fünf oder sechs.

Das Heckflügel-Drama verfolgt Mercedes bereits seit den Testfahrten. Das verlangt nach einer Erklärung, vor allem wenn Teams wie Hispania offenbar keinerlei Schwierigkeiten mit dem System haben. Wenn Schumacher und Rosberg den Flügel flachstellen, dann geht die Post ab. Offenbar mehr als bei anderen Auto, was die Topspeed-Werte auch zeigen. Problematisch wird es, wenn der Flügel wieder in Normalstellung zurückklappt. Es dauert unter bestimmten Einflüssen zu lange, bis die Strömung an dem Flügel wieder komplett anliegt.

Nach den Berechnungen der Ingenieure sollte das ab der Betätigung des Fußpedals innerhalb von 50 Metern passieren. Wenn aber Seitenwind dazukommt oder die Räder in einem bestimmten Winkel eingeschlagen sind, dann ist die Verzögerung größer. Das kostet Antrieb, und dann fehlt dem Fahrer beim Einlenken Vertrauen ins Auto. "Die Balance ist dann um zwei bis drei Prozent gestört. Das reicht aus, um die Fahrer zu verunsichern", erklärt Brawn. Im Prinzip war es das gleiche Lied wie in Melbourne, nur weniger gravierend. "Die meiste Zeit des Trainings hat es funktioniert", ärgert sich Brawn. "Nur im entscheidenden Moment in der Qualifikation hat es wieder Aussetzer gegeben."

Lösung erst in Istanbul

Mercedes wird weiter an den Heckflügeln arbeiten müssen, auch wenn es eine endgültige Lösung erst in Istanbul zu sehen gibt. "Wir wollen beim Flachstellen des Flügels so viel wie möglich Topspeed gewinnen", führt Brawn aus. "Die Konsequenz ist, dass wir den Flügel dann generell am Limit bauen müssen, was zu den Problemen führt, wie wir sie gerade erleben. Ein weniger aggressiver Flügel wäre stabil, er würde aber beim Aktivieren des Flaps weniger Rundenzeit bringen."

Die Heckflügel-Misere ist insofern ärgerlich, weil das andere Problem von Melbourne gelöst ist. "Kers hat problemlos funktioniert", gibt Norbert Haug zu Protokoll. Beide Fahrer berichteten übereinstimmend, dass ihr Auto sie eher wieder an den letzten Testtag von Barcelona als an das verunglückte Melbourne-Wochenende erinnerte. "Wir haben uns definitiv gesteigert, auch wenn das die Ergebnisse nicht widerspiegeln", wirft Schumacher ein und traut sich zu sagen: "Unser Speed ist auf Ferrari-Niveau." Dann der kleine Wermutstropfen: "50 Prozent der Probleme sind gelöst, 50 Prozent sind noch da."

Red Bull-Kopie nicht notwendig

Die Leistungssteigerung darf trotzdem nicht davon ablenken, dass auf Red Bull und McLaren unter besten Bedingungen immer noch eine Sekunde fehlt. Und dass die Balance mit vollen Tanks trotz größerer Abstimmungsänderungen in der Nacht von Freitag auf Samstag weiter nicht perfekt ist. "Wir verschleißen im Renntrim immer noch zu stark die Hinterreifen", gibt Brawn zu.
So oder so muss Mercedes massiv Boden gutmachen, wenn das Saisonziel eines GP-Sieges erreicht werden will.

Ist da am Ende sogar eine Konzeptänderung notwendig? Brawn wählt seine Worte vorsichtig: "Für Konzeptänderungen gibt es ein Limit. So etwas bindet Ressourcen, und du musst dich fragen, ob es Sinn macht eine Kursänderung in Angriff zu nehmen. Wir werden immer wieder damit konfrontiert, dass wir den Frontflügel-Trick von Red Bull nachbauen sollen. McLaren hat heute gezeigt, dass man auch mit einem komplett anderen Konzept schnell sein kann."


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