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Formel 1: Mercedes GP muss aufholen

Zu wenig Personal für den Titel?

Das Mercedes GP-Werksteam liegt personell deutlich hinter den anderen Top-Teams zurück. Weil zum Jahresende ein Limit eingeführt wird, will Ross Brawn aber vorher nicht mehr aufstocken. Kann das Michael Schumacher und Nico Rosberg den Titel kosten?

Norbert Haug gibt gerne den Sparmeister. Effizienz wird bei Mercedes groß geschrieben, lautet einer seiner Lieblingssätze. Der Abschied von McLaren in der Winterpause war nicht zuletzt finanziell begründet. Ross Brawn bietet mit seinem schlankeren Team eine deutlich günstigere Lösung für das Formel 1-Engagement des schwäbischen Autobauers.

In der Vorsaison konnte das Team aus Brackley noch das Optimum aus den begrenzten Ressourcen herausholen. Das Auto war bereits fertig entwickelt, als sich Honda im Winter überraschend aus der Formel 1 zurückgezog. In wenigen Wochen musste Brawn seine Mannschaft von über 700 Mitarbeitern auf nur noch 450 Angestellte eindampfen. Dank des Startvorsprungs mit Doppeldiffusor konnte die Brawn-Mannschaft am Ende alle Aufholversuche der Konkurrenz erfolgreich abwehren.

Mercedes GP in der Rolle des Jägers

Mittlerweile ist das Team allerdings in einer anderen Situation. Der Entwicklungsvorsprung ist längst aufgebraucht. Mercedes GP muss den anderen Top-Teams hinterherjagen. "Im ersten Teil der Saison muss jeder herausfinden, wo er steht und dann darauf reagieren. Wir sind gerade dabei zu reagieren", erklärte Ross Brawn die Situation in Australien.

In Bahrain waren die Probleme am Auto deutlich zu erkennen. Die Balance passte noch nicht, was zu erhöhten Reifentemperaturen führte. Der Silberpfeil hat noch zu viel Speck auf der Hüfte. Erst in Barcelona wird man genügend Ballast als Spielmasse zu Verfügung haben. Bis dahin behilft sich das Team mit Notlösungen: "Wir haben mit dem Differenzial und den Reifendrücken reagiert", beschreibt der Teamchef das Drehen an den kleinen Stellschrauben.

Konkurrenz mit mehr Personal in der Entwicklung

Dass die Entwicklung nicht schneller geht, liegt auch an der dünnen Personaldecke. "Mit 450 Mitarbeitern dauert es eben länger, gewisse Entwicklungsschritte umzusetzen", bedauert Brawn. "Es hätte aber keinen Sinn ergeben, kurzfristig 300 Mann an Bord zu nehmen. Wir haben ja schon die Größe, die am Ende des Jahres gefordert wird. Unsere Gegner müssen da erst noch hinkommen."

Bis es soweit ist, hat Mercedes aber das Nachsehen. Ferrari operiert nach wie vor mit 900 Leuten. Bei McLaren und Red Bull sind es deutlich über 500. Besonders Michael Schumacher muss sich erst an die Situation gewöhnen, dass es bei der Entwicklung auch Grenzen gibt. In seinen Ferrari-Jahren schöpfte er aus dem Vollen: Der Windkanal lief rund um die Uhr, der unbegrenzte Testbetrieb kannte keine Pause. Nun muss das Duo Brawn/Schumacher beweisen, dass man auch aus der Rolle des Underdogs Titel gewinnen kann.

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