Mercedes hadert mit Reifen

Hamilton ratloser Vierter

Vettel vs. Hamilton - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: xpb 96 Bilder

Ferrari setzt Mercedes unter Druck. Nach der klaren Trainingsniederlage hofft Mercedes darauf, dass wärmeres Wetter am Sonntag der Fahrzeugabstimmung der beiden Mercedes in die Karten spielt. Wieder einmal ist das Reifenfenster zu klein.

Eine Rennstrecke, die den Vorderreifen fordert. 15 Grad auf dem Asphalt. Das sind Mercedes-Bedingungen. Dazu gute Rennsimulationen am Freitag, an dem es nur unwesentlich wärmer war. Trotzdem starten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas nur aus der zweiten Reihe. „Wir sind sechs Zehntel hinten. Das ist zu viel“, schüttelte Niki Lauda den Kopf.

Bottas stellte sachlich fest: „Ferrari war außer Reichweite.“ Der Finne konnte sich deshalb nicht mal richtig darüber freuen, seinen Teamkollegen zum zweiten Mal in Folge im Training geschlagen zu haben. Hamilton war völlig ratlos. „Dass Ferrari bei hohen Temperaturen in Bahrain stark war, überrascht mich nicht. Aber bei kühlem Wetter erwartest du Mercedes vorne. Am Freitag passte das Auto, und heute ist es völlig verwandelt. Wie Tag und Nacht. Das verstehe ich nicht.“

Die Ingenieure erklären den Unterschied damit, dass die beiden Silberpfeile mit Blickrichtung auf das Rennen abgestimmt wurden. Die Hochrechnungen sagen, dass der Asphalt dann 18 Grad wärmer sein soll. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen könnte Mercedes ein altbekanntes Problem einholen. Die Reifen könnten überhitzen und stark abbauen. So hätte man gegen Ferrari im Rennen gar keine Chance.

Wer sein Auto auf Reifenschonen trimmt, der hat bei Kälte ein Problem. Auch ein Mercedes. Damit war die Trainingsniederlage fast zwangsläufig. Auch in dieser Höhe? Lauda zweifelt: „Ich kann mir im Moment noch nicht vorstellen, wie wir morgen schneller als die Ferrari fahren sollen.“ Hamilton versprühte Galgenhumor: „Ich bin zuversichtlich, dass ich den Platz halte, auf dem ich stehe.“ Hamilton ist Vierter.

Mercedes im Reifen-Dilemma

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: Wilhelm
Mercedes wurde im Qualifying klar von Ferrari geschlagen.

Die Not von Mercedes, die Qualifikation quasi zu opfern, um im Rennen optimal gerüstet zu sein, zeigt das Dilemma in dem der Titelverteidiger wieder mal steckt. Ferrari muss das nicht. Die Roten sind zuversichtlich, dass sie auch im Rennen schnell sein können, ohne dass ihnen die Reifen überhitzen. Ausgehend davon, dass Ferrari nicht an Speed verliert, braucht Mercedes am Sonntag eine deutliche Steigerung.

Niki Lauda bringt es auf den Punkt: „Das zeigt unser Problem. Unser Reifenfenster ist wieder viel zu klein. Deshalb müssen wir Kompromisse eingehen. Wenn wir das nicht tun würden, fallen wir bei höheren Temperaturen oben aus dem Fenster raus. Ferrari hat ein viel größeres Fenster als wir und damit mehr Spielraum.“

Die Trainingsniederlage von Mercedes bahnte sich schon im dritten Training an. Hamilton war zwei Mal neben der Strecke, bevor er einen fulminanten Dreher auf die Bahn legte. Auch in der Qualifikation wollten die Reifen nicht auf Temperatur kommen. Hamilton und Bottas fuhren auf den Aufwärmrunden Slalom, sie passten ihren Fahrstil an, die Bremsbelüftung wurde auf Minimum getrimmt und trotzdem büßte man schon in den ersten beiden Kurven drei Zehntel auf die Ferrari ein.

Im Q3 griff Mercedes dann ganz tief in die Trickkiste und überließ vor dem letzten Versuch die vorderen Bremsen ohne Kühlung ihrem Schicksal. Die Hitze sollte erst die Felgen und dann die Reifen aufwärmen. Auch das brachte keinen Fortschritt.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff widersprach Vermutungen, Ferrari könnte das schnellere Auto gebaut haben als Mercedes. „Ein Auto verliert nicht von einem Tag auf den anderen seinen Speed. Da ist nicht Fundamentales falsch. Treffen wir den Punkt, haben wir ein großartiges Auto. So große Unterschiede sind nur damit zu erklären, dass bei uns die Reifen nicht in ihrem Arbeitsfenster waren und bei Ferrari schon. Während wir in Bahrain oben aus dem Fenster rausgefallen sind, waren hier die Reifen zu kalt.“ Auch Wolff erwartet im Rennen ein anderes Bild. „Wenn wir dann immer noch ein Problem haben sollten, dann müssen wir viel verstehen.“

Zum Überholen braucht Mercedes ein Delta von einer Sekunde

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Foto: sutton-images.com
Kommt Mercedes im Rennen besser zurecht?

Der Vergleich der beiden Spitzenautos fällt dem Teamchef leicht: „Wenn alles passt, sind wir schneller. Bei Ferrari passt es häufiger. Daran müssen wir arbeiten.“ Das Rennen sieht Wolff deshalb noch lange nicht als verloren an. „Taktisch kann es manchmal sein, wenn du am Samstag nur Zweiter bist. Dann bist du der Löwe, der auf seine Beute wartet. Wir können auf Ferrari reagieren oder sie taktisch herausfordern. Im Gegensatz zu Bahrain, haben wir hier zwei Autos im Spiel.“ Bottas glaubt, dass es selbst mit einem höheren Tempo schwierig wird, die Ferrari zu knacken: „Sie starten wie wir auf Soft-Reifen und fahren die gleiche Strategie.“ Hamilton erinnert: „Um hier zu überholen, brauchst du ein Delta von einer Sekunde.“

Noch herrscht bei Mercedes keine Alarmstimmung. „Bis jetzt haben wir nach Schwierigkeiten immer unseren Kopf aus der Schlinge gezogen“, erinnert Wolff an die Niederlagen der letzten Saison. Ihnen folgte immer ein Sieg. Auch Lewis Hamilton will noch nicht daran denken, dass die Titelverteidigung mit jedem Vettel-Sieg schwerer wird. „Ferrari hat wie im letzten Jahr ein Auto, das überall gut ist. Ich schaue aber im Moment nicht auf Ferrari. Mich interessieren nur unsere eigenen Probleme und wie wir sie Lösung können.“

Das kann bei Fragezeichen zu den Reifen ein Geduldsspiel werden. Der Reifen ist die letzte Komponente an einem Auto, die noch nicht völlig durchleuchtet und mit mathematischen Modellen erklärbar ist. So ist es zum Beispiel ein Rätsel, warum die Mercedes im zweiten Versuch von Q2 auf Soft-Reifen schneller als die Ferrari auf Ultrasoft-Sohlen waren. „Es war das einzige Mal, dass sich unser Auto heute normal anfühlte. Ich kapiere nicht, warum wir schon beim nächsten Mal auf den Ultrasoft-Reifen wieder in das alte Muster zurückgefallen sind“, verzweifelte Hamilton.

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