Mercedes hauchzart vor Ferrari

Sirotkin spricht Hamilton frei

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2018 - Qualifying Foto: sutton-images.com 48 Bilder

Die erste Runde geht an Mercedes. Lewis Hamilton entriss Sebastian Vettel denkbar knapp die Pole-Position für den GP Brasilien. Trotzdem ist Ferrari noch nicht geschlagen. Ein heikles Manöver mit Williams-Fahrer Sergey Sirotkin endete für den Weltmeister glimpflich.

Es passierte im zweiten Qualifikationsdurchgang. Lewis Hamilton bereitete die Supersoftreifen auf die schnelle Runde vor. Der Weltmeister bummelte auf seiner Outlap zwischen Kurve 11 und 12, um die Reifen zu temperieren. Und um Abstand zu Teamkollege Valtteri Bottas zu schaffen.

Plötzlich schoss Williams-Fahrer Sergey Sirotkin den Berg von Kurve 11 hinunter und wurde im Rückspiegel des Autos mit der Startnummer 44 immer größer. Der Mercedes-Kommandostand hatte seinen Starfahrer nicht gewarnt. Hamilton bemerkte den Williams spät und lenkte reflexartig nach links, um auf der Ideallinie den Weg freizuräumen. Sirotkin entschied sich instinktiv ebenfalls für die linke Seite. Um den Auffahrunfall zu vermeiden, lenkte der Russe noch weiter nach links, berührte das Gras, entgleiste aber nicht.

Hamilton ledert gegen Sirotkin

Zur Verwunderung des Fahrerlagers verzichteten die Sportkommissare auf eine Untersuchung des Vorfalls, der in einem heftigen Crash hätte enden können. Hamilton hatte keine Bestrafung zu befürchten. Der Rekord-Pole-Mann der Formel 1 sah wie sein Teamchef keine Schuld bei sich. „Jeder war auf seiner Aufwärmrunde. Ich habe eine Lücke zu Valtteri geschaffen, wie es üblich ist. Dann schießt plötzlich Sirotkin ums Eck. Ich dachte: Oh mein Gott, der ist doch nicht auf einer schnellen Runde. Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht. Die Aktion war respektlos und hätte böse enden können. Und er hat damit unsere beiden Runden zerstört.“

Sirotkin gab sich ehrfürchtig und sprach den fünffachen Weltmeister von jeder Schuld frei. „Lewis war vielleicht ein bisschen langsam. Aber er ist ein großer Champion. Ich musste so schnell fahren, weil wir in der Garage ein Problem hatten. Die Reifen waren nicht vorgeheizt. Deshalb musste ich hart fahren, um Temperatur in den Reifen zu erzeugen und sie hoch zu halten.“ Man darf trotzdem festhalten: Das Glück war auf der Seite des Champions, ohne Schaden und straffrei aus der Sache zu kommen.

In Q3 machte Hamilton dann das, was er am besten kann: schnell fahren. Hamilton ritt zunächst in 1:07.301 Minuten um die 15 Kurven. Im zweiten Versuch knabberte der Weltmeister weitere 20 Tausendstel ab. Es wäre gar nicht nötig gewesen. Sebastian Vettel blieb 93 Tausendstel zurück.

Wolff lobt Hamiltons Hingabe

Es war ein Zweikampf zweier Weltmeister auf Augenhöhe. Nach Vettels starkem Auftritt im dritten Training und seiner Rundenzeit im zweiten Quali-Teil auf Softreifen, die auf Niveau der weicher bereiften Mercedes lag, roch es nach einer Pole für Ferrari. Denn eigentlich ist der Softreifen nach Rechnung von Mercedes gute dreieinhalb Zehntelsekunden langsamer auf eine Runde als der Supersoft. Die Ingenieure sprachen ihrem Superstar Mut zu. „Wir haben ihm gesagt, dass es um Millisekunden gehen wird. Und wenn es so eng ist, entscheidet der Fahrer über Sein und Nicht-Sein.“ Sie haben auch noch eine zweite Vermutung, warum Vettel die Pole-Position verpasste. „Vielleicht schwirrte ihm noch der Vorfall auf der Waage im Hinterkopf. Wenn du im Kopf nicht frei bist, lieferst du selten Bestleistungen ab.“

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Samstag - 10.11.2018 Foto: sutton-images.com
Lewis Hamilton brillierte einmal mehr.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff lobte den Biss und die Hingabe seines teuersten Angestellten – trotz des bereits eingetüteten Fahrertitels. „Er ist so heiß, engagiert und motiviert, als ob er den Titel noch nicht in der Tasche hätte.“ Ein Titel ist ja noch zu vergeben. Mercedes würde sich am liebsten bereits am Rennsonntag zum Team-Weltmeister krönen.

Ein Sieg, und die Mission wäre erledigt. Doch trotz der besten Startposition sieht Mercedes den roten Rivalen im Vorteil. Weil Ferrari auf den haltbareren Softreifen startet. Hamilton und Valtteri Bottas müssen hingegen den ersten Rennteil auf den verschleißfreudigeren Supersofts verbringen. Von den Mercedes-Strategen gab es Applaus für Ferraris mutige Entscheidung, die beiden roten Autos nach der Aufwärmrunde in Q2 sofort in die Box zu rufen, um von Supersoft auf Soft zu wechseln. Mercedes entschied sich für den konservativen Ansatz im Glauben, nur einen schnellen Run fahren zu können, bevor es regnet. Bis auf ein paar Regenspritzer blieb es allerdings trocken.

Der Reifennachteil umtreibt den Titelverteidiger. „Wir starten ein bisschen auf dem falschen Fuß. Es wird für uns darum gehen, die Reifen am Leben zu halten und Blasenbildung zu vermeiden“, sagt Wolff. Für den Sprint in die erste Kurve von 335 Metern bringt der Supersoftreifen einen kleinen Gripvorteil. Hamilton warnt dennoch. „Ferrari startet in der Regel gut.“ Die Strategen glauben, dass der Supersoftreifen bis Runde 10 bis 12 der schnellere Reifentyp sein wird. Vorausgesetzt, es trifft das ein, was man am Trainingsfreitag gelernt hat und für die vermutlich höheren Streckentemperaturen am Rennsonntag adaptiert. Danach dürfte das Pendel zugunsten von Ferrari umschlagen. „Wir müssen bis dahin eine Lücke schaffen.“ Zweiter Nachteil für Mercedes: Der Softreifen gibt mehr Flexibilität in der Strategie. Während der Supersoft maximal 25 Runden halten dürfte, kann mit dem Soft vermutlich bis Runde 40 gefahren werden.

Neues Heft
Top Aktuell Nico Hülkenberg - Carlos Sainz - Renault - GP Brasilien 2018 Nico Hülkenberg zieht Bilanz Renault muss signifikant besser werden
Beliebte Artikel Sebastian Vettel - Ferrari - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Samstag - 10.11.2018 Vettel zerstört FIA-Waage Gnade für den Ferrari-Star Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien 2018 - Qualifying Red Bull ohne Chance in Brasilien Renault-Motor kostet acht Zehntel
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu