Lewis Hamilton - GP Kanada 2019 ams

Mercedes musste zittern

Was war da mit dem Hydraulik-System?

Der Sieg von Lewis Hamilton in Montreal hing am seidenen Faden. Er brauchte die Strafe gegen Sebastian Vettel und auch eine Portion Glück. Mercedes musste nach dem Rennen drei Stunden lang zittern.

Der GP Kanada hatte für Mercedes ein Nachspiel. Während sich die Experten im Fahrerlager die Köpfe darüber heiß redeten, ob Sebastian Vettels Fünf-Sekunden-Strafe gerechtfertigt war, zogen die Technikkommissare das Siegerauto nach einem Routinecheck aus dem Verkehr. Mercedes musste drei Stunden lang um seinen Sieg zittern.

Das Corpus Delicti, das von den FIA-Technikern untersucht wurde, lag in zwei Exemplaren auf einem Tisch. Es handelte sich um das Hydraulik-System der Antriebseinheit aus dem Auto mit der Startnummer 44. Auf der einen Seite der Hydraulik-Kreislauf, den die Mechaniker am Morgen des Renntages ausgebaut hatten. Auf der anderen Seite der neu eingebaute.

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Unterschiedliche Spezifikation, gleiche Funktion

Die Regeln verlangen, dass beide Teile von der Spezifikation und von der Funktion mindestens ähnlich sein müssen. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte Hamilton aus der Boxengasse starten müssen. Wäre das erst nach dem Rennen entdeckt worden, hätte eine Disqualifikation gedroht.

Um 18.44 Uhr Ortszeit kam dann die Entwarnung. In dürren Worten stand in dem FIA-Untersuchungsbericht: „Das getauschte Hydrauliksystems der Antriebseinheit aus dem Auto mit der Startnummer 44 ist in Übereinstimmung mit Artikel 34.2 des 2019er Sportgesetzes.“

Ganz so einfach war es aber nicht. Offenbar handelte es sich im Detail nicht ganz um eine identische Spezifikation. Die FIA-Spezialisten konnten Mercedes aber nicht nachweisen, dass das neu eingebaute Hydraulik-System etwas anderes tut als die ausgebaute Version. Und nur darauf kommt es an.

Mercedes - GP Kanada 2019
Wilhelm
Die Regeln zur Kommunikation zwischen Kommandostand und Fahrer in der Aufwärmrunde sind sehr strikt.

War der Funkspruch an Hamilton erlaubt?

Renault entdeckte noch eine weitere Unregelmäßigkeit. Lewis Hamilton informierte seine Ingenieure in der Formationsrunde, dass beim Startversuch das Antistall-System aktiviert wurde. Das trennt normalerweise die Kupplung, um zu verhindern, dass der Motor abstirbt, wenn er unter eine bestimmte Drehzahl fällt.

Hamilton fragte anschließend gleich zwei Mal besorgt beim Kommandostand nach, ob mit seinem Auto alles in Ordnung ist. Die Ingenieure gaben ihrem Fahrer erst kurz vor der Fahrt auf den Startplatz dann Entwarnung. „Nein Lewis, Du hast kein Problem.“

Renault-Einsatzleiter Alan Permane ist der Meinung, dass dieser Funkspruch in der Formationsrunde eventuell gegen die Regeln verstoßen könnte. Die Technische Direktive 11 aus dem Jahr 2017 verbietet gewisse Instruktionen der Ingenieure an den Fahrer. „Wir sind der Meinung, dass die Antwort an Hamilton darunter fällt.“

Doch bei Mercedes wusste man selbst, dass die Weitergabe von gewissen Informationen zu Problemen führen kann. So wie bei Nico Rosberg 2016 in Silverstone, dem die Ingenieure über Funk halfen, im Cockpit ein Getriebeproblem zu lösen. Rosberg büßte die mit einer 10-Sekunden-Strafe.

Deshalb fragte der Kommandostand bei der Rennleitung sicherheitshalber nach, ob man Hamilton mitteilen darf, dass mit dem Auto alles in Ordnung sei. Die FIA gab grünes Licht und der Funkspruch erreichte das Cockpit des Weltmeisters gerade noch rechtzeitig vor dem Start.

GP Kanada 2019: Die Highlights vom Rennen in Montreal

Lewis Hamilton - GP Kanada 2019
Lewis Hamilton - GP Kanada 2019 Sebastian Vettel - GP Kanada 2019 Lando Norris - GP Kanada 2019 Antonio Giovinazzi - GP Kanada 2019 41 Bilder

Anmerkung: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, dass das neue Teil „identisch“ sein muss. Es muss aber laut Reglement nur „ähnlich“ sein. Zudem haben wir angefügt, dass Mercedes vor dem Hamilton-Funkspruch in der Aufwärmrunde bei der Rennleitung angefragt hat.

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