Mercedes in anderer Liga

"Sehen uns nicht in Favoritenrolle"

Formel 1 GP Australien 2014 Nico Rosberg Foto: xpb 43 Bilder

Nico Rosberg legte beim Grand Prix von Australien eine echte Sternfahrt hin. Teilweise schenkte er Verfolger Daniel Ricciardo mehr als 1,5 Sekunden pro Runde ein. Trotzdem will man bei Mercedes noch nicht von einer Favoritenrolle sprechen.

Der vermutlich meistgesagte Satz im Fahrerlager in Melbourne: "Wir haben erst ein Rennen gesehen." Die Formel 1 ist mit der Einführung der neuen 1,6-Liter-Turbomotoren und dem neuen Regelwerk vorsichtig geworden. Wie man an den Ausfällen von Lewis Hamilton und Sebastian Vettel gesehen hat, kann es jeden treffen. Ihre Teamkollegen fuhren hingegen scheinbar locker und lässig dem Podium entgegen.

Mercedes nur mit 5 Zylindern

"Der Grad zwischen Gewinnen und Verlieren ist ziemlich schmal", sagte Mercedes-Sportchef Toto Wolff. Während an Rosbergs Auto beim Reifenwechsel nur ein Karbonteil beschädigt wurde, musste man Lewis Hamilton schon nach zwei Runden an die Box holen. Bereits in der Einführungsrunde schöpfte man Verdacht, dass ein Zylinder Probleme machte. "Wir haben gehofft, das System würde sich vielleicht wieder zurücksetzen." Kurz nach dem Rennen wusste man noch nicht, ob die Ursache auf die Elektronik oder Mechanik zurückzuführen ist.

Dafür hatte Rosberg bei seiner Triumphfahrt umso mehr Spaß. Der Mercedes-Pilot zog teilweise Kreise um die Konkurrenz und fuhr fast kontinuierlich eine Sekunde schneller als Daniel Ricciardo auf der zweiten Position. "Ich bin total euphorisch. Es ist so cool, so ein Geschoss zur Verfügung zu haben. Ich weiß gar nicht, warum Malaysia erst in zwei Wochen kommt. Von mir aus können wir da morgen schon fahren", sagte Rosberg in seinem Freudentaumel.

Kein Bummel-Modus

So mancher hatte den Eindruck, Rosberg hätte noch mehr aufdrehen können. Zeitweise sah es nach einer Spazierfahrt für den Silberpfeil aus. "Wir haben gepusht, als es nötig war. Aber wir waren nicht im Bummel-Modus", entgegnet Wolf. Einer der Erfolgsfaktoren für die Leistung beim Saisonauftakt sieht der Österreicher darin, dass man schon im Sommer damit begonnen hatte den Motor ins Chassis zu bauen. "Wir wussten, dass es eine Mammutaufgabe wird. So spielen die einzelnen Systeme besser zusammen."

Weckruf von Red Bull

Red Bull-Teamchef Christian Horner redete nicht lange um den heißen Brei herum: "Wir müssen eine Sekunde pro Runde aufholen." Wie schnell das gehen kann, stellten die letztjährigen Weltmeister mit ihrer Wiederauferstehung nach den katastrophalen Testfahrten unter Beweis. Deshalb ist Wolf weiter auf der Hut. "Das war ein Weckruf."

Und auch das Potenzial der eigenen Satelliten-Teams war im Rennen deutlich zu sehen. Wäre Valtteri Bottas nicht an der Mauer entlang geschrammt und hätte einen besseren Startplatz gehabt, hätte ihn Wolf zu den Podiumskandidaten gezählt. "Wir haben jetzt erst ein Wochenende hinter uns. Uns jetzt schon in der Favoritenrolle zu sehen, wäre vermessen."

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