Mercedes in der Formkrise

Leistung schlecht, Ergebnis gut

Bei Mercedes herrschte nach dem GP Malaysia Krisenstimmung. Der Silberpfeil war in Sachen Pace nur die dritte Kraft hinter Red Bull und Ferrari. Toto Wolff erklärte anschließend, warum der Silberpfeil in der Sepang-Sauna so schwächelte.

Bei Mercedes dauerte die Nachbesprechung des Malaysia-Rennens mit den Fahrern und den Ingenieuren über eine Stunde länger als normalerweise. Als Toto Wolff endlich aus dem Briefing-Raum kam, sah man dem Teamchef am Gesichtsausdruck an, dass anstrengende Diskussionen mit den Technikern hinter ihm lagen.

Dabei sah das Ergebnis der Sauna-Tour über 56 Runden gar nicht so schlecht aus. Lewis Hamilton beendete das Rennen auf Rang 2 und vergrößerte seinen Vorsprung auf WM-Rivale Sebastian Vettel auf 34 Zähler. „Wir nehmen die Punkte. Aber die alleine machen uns nicht glücklich. Wir haben nicht unsere normale Leistung gezeigt“, erklärte Wolff mit düsterer Miene.

Mercedes schmeckt Hitze nicht

Ferrari habe im Rennen 30 Sekunden aufgeholt. Und das auf einer Strecke, von der man vorher dachte, dass sie dem Silberpfeil liegen sollte. „Solch eine Formschwäche ist immer das Ergebnis mehrerer Faktoren“, begann Wolff seine Analyse: „Wir wissen, dass unser Auto nur ein ganz kleines Fenster besitzt, in dem wir die Reifen zum Arbeiten bekommen. Wir müssen herausfinden, warum es bei bestimmten Bedingungen und auf bestimmten Strecken nicht so gut funktioniert.“

Ein Faktor, der dem Silberpfeil laut Wolff nicht schmeckt, ist Hitze. Im Qualifying war es noch ein paar Grad kühler, was Hamilton ermöglichte auf die Pole Position zu fahren. Im Rennen hatten beide Piloten deutlich stärker mit mangelndem Grip zu kämpfen. Dieses Phänomen sah man auch schon zwei Wochen zuvor in Singapur.

Das Layout der Strecke spielt ebenfalls eine Rolle. Je mehr Abtrieb verlangt wird, desto schlechter für Mercedes. In diesem Punkt sei Malaysia viel härter als viele denken. Die Teams fahren trotz der zwei langen Geraden mit maximaler Flügelanstellung. „Nach Monaco, Singapur und Ungarn ist das hier die Nummer 4 in der Liste, was Abtrieb angeht“, verriet Wolff.

Bottas in schwierigster Situation seiner Karriere

Als weitere Faktoren, auf die der Mercedes sensibel reagiert, nannte der Österreicher die Asphaltoberfläche und den Fahrstil der Piloten. Letzterer ist der Grund, warum Valtteri Bottas noch mehr zu kämpfen hat, als Teamkollege Hamilton. „Ich neige dazu, die Oberfläche des Reifens zu überhitzen“, gibt der Finne offen zu. „Der Temperaturunterschied zum Rest der Karkasse ist zu groß. Deshalb rutsche ich viel, was zu einem höheren Verschleiß führt.“

Hamilton habe außerdem mehr Vertrauen in das Auto. „Das fehlt mir momentan. Ich kann es nicht so befreit fliegen lassen. Immer wenn ich etwas mehr Gas gebe, dann überhitzen wieder die Reifen“, klagte Bottas. „Die Formel 1 ist immer auch Kopfsache. Es ist schwer, den Schalter umzulegen. Es ist vielleicht die schwierigste Situation in meiner ganzen Karriere.“

Obwohl es bei Hamilton etwas besser lief, hatte auch der WM-Spitzenreiter nach dem Rennen eine ernste Miene im Gesicht. „Wir wussten, dass Singapur und Malaysia schwere Strecken für uns sind. Und mit einem Sieg und einem zweiten Platz sind wir natürlich zufrieden. Aber das waren nicht die Positionen, auf denen wir hätten landen sollen. In Singapur haben sich die Ferrari gegenseitig aus dem Rennen genommen. Hier hat uns Vettel mit seinem Ausfall im Qualifying und Kimi mit seinem Problem am Start geholfen.“

Hamilton geht kein Risiko in Malaysia

Hamilton gab zu, dass Mercedes im Rennen nur dritte Kraft war. „Es hat gar keinen Sinn gemacht, Max aufzuhalten. Er war eine halbe Sekunde schneller. Wenn ich die Tür zugemacht hätte, wäre er in der nächsten Runde vorbeigefahren. Mit dem WM-Kampf im Hinterkopf habe ich mich entschieden kein Risiko einzugehen.“ Dass er nach der guten Ausgangsbasis am Start „nur“ 6 Punkte auf Vettel gutmachte, kam für ihn nicht überraschend. „Meine Ingenieure haben mir vorher gesagt, dass die Simulationen Platz 4 oder 5 für Sebastian vorhersagen. Damit habe ich gerechnet.“

Und wie kommt Mercedes nun aus der Formkrise der letzten beiden Rennen heraus? Die ersten Antworten gab es bereits in der Nachbesprechung. „Das war das beste Debriefing aller Zeiten“, lobte Hamilton. „Nach einem Sieg wird immer kaum gesprochen. Hier werden alle Details analysiert und alles hinterfragt. Auch wir Fahrer haben viel zu sagen. Jetzt liegt es an den Ingenieuren für Suzuka die richtigen Schlüsse aus den Daten zu ziehen, die wir von hier in die Fabrik nach England schicken.“

Auch Toto Wolff ist schon gespannt, wie sein Team reagiert: „Ich freue mich schon auf Suzuka. Die Strecke ist ganz anders. Ich hoffe, dass wir nicht noch mehr Ausrutscher erleben. Unser Auto ist ja nicht plötzlich eine lahme Ente. Mit diesem Auto haben wir in Silverstone und Monza alle verblasen. Die Basis stimmt somit.“ Die 34 Punkte Vorsprung von Hamilton sieht man im WM-Kampf nicht als Ruhepolster an. „In der Formel 1 kann es schnell gehen. Aber das ist ja auch das Schöne im Motorsport“, so Wolff.

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