Mercedes muss Ferrari fürchten

Ferrari-Sieg keine Eintagsfliege

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Malaysia 2015 - Formel 1 Foto: xpb 24 Bilder

Der Sieg von Sebastian Vettel in Malaysia ist nach Einschätzung von Mercedes keine Eintagsfliege. Der große WM-Favorit hat zwar das schnellere Auto, muss aber Ferrari trotzdem fürchten. Weil das Auto die Hinterreifen zu stark beansprucht. Ganz entscheidend für die Silberpfeile werden die Freitage sein.

Ferrari hat Mercedes beim GP Malaysia im ehrlichen Zweikampf besiegt. Die Strategiexperten beider Teams sind sich einig: Sebastian Vettel hätte auch gewonnen, wenn es keine SafetyCar-Phase gegeben hätte. Dann wäre nur der Abstand kleiner ausgefallen. Nach den Simulationen zwei bis drei Sekunden.

Mercedes fehlte der Speed im Rennen

Auch ein Split der Strategien hätte den Silberpfeilen wahrscheinlich nicht den Sieg gebracht. Im Rückblick hätte Mercedes Lewis Hamilton auf der Strecke gelassen, um Vettel nicht die Spitzenposition zu schenken. Doch dann hätte er in Runde 11 stoppen müssen und wäre noch schlimmer in den Verkehr gefallen als nach seinem frühen Stopp in Runde 4. Das aber hätte Rosberg in Summe acht Sekunden geschenkt. Immer noch nicht genug, um Vettel zu schlagen.

Das Problem von Hamilton und Rosberg im Rennen war der starke Reifenverschleiß, der auf die Rundenzeiten drückte. Mercedes musste auf jeden Fall drei Mal Reifen wechseln. Ferrari kam mit zwei Stopps über die Distanz. Der weiche Reifen brach erst nach 19 Runden ein. Bei Mercedes war schon nach elf Runden Schluss. Deshalb konzentrierte sich die Taktik der Silbernen im Rennen mehr auf die harten Reifen.

Der Grundstein für die Niederlage wurde bereits am Freitag gelegt. Hamilton und Rosberg konnten wegen Problemen mit dem Motor und der Telemetrie nur ein stark eingeschränktes Programm fahren. Die Longruns fielen mit sechs Runden ziemlich dürftig und damit nicht sonderlich aussagekräftig aus. Die Quittung dafür war ein schlecht ausbalanciertes Auto im Rennen. „Hätten wir das Setup besser hingebracht, hätte es vielleicht am Sonntag reichen können", meinte ein Ingenieur.

In Bahrain wird es wieder eng für Mercedes

Ferrari hat nach Ansicht von Experten in Malaysia von der Hitze profitiert. Sie half, war aber nicht das einzige Erfolgsgeheimnis. Inzwischen weiß man bei Mercedes, dass die Roten die gesamte Saison über ein gefährlicher Gegner bleiben werden. Weil die beiden Autos so unterschiedlich sind. Der GP China ist von der Papierform her eine klare Mercedes-Strecke, aber als Aussage für den Rest der Saison nicht relevant. Schon in Bahrain könnte es wieder eng für Silber werden.

Und das nicht nur wegen der hohen Temperaturen. Ein Meredes-Mann prophezeiht: "Ferrari wird auf allen Strecken stark sein, die den Hinterreifen stark beanspruchen. Das trifft auf Bahrain zu, aber auch auf Barcelona. Auf Strecken, die weniger Abtrieb verlangen wie Spa oder den A1-Ring erwarten wir sie extrem stark."

Das wirft die Frage auf, warum Ferrari seine Stärke dann nicht schon in Melbourne gezeigt hat. "Haben sie", entgegnet unser Experte, "aber erst im Rennen. Sie haben in der Qualifikation ohne Not zu schnell ihre weichen Reifen verheizt und haben deshalb nicht beide Autos in die zweite Startreihe gebracht. Dadurch hing Vettel hinter einem Williams fest. Das hat sein Rennen gekillt. Räikkönen hat mit seinem zweiten Stint angedeutet, dass Ferrari im Rennen auch in Melbourne so schnell war wie Mercedes."

Die DNA der Autos lässt sich nicht verändern

Für Ferrari ist deshalb ganz entscheidend, in Zukunft beide Autos in die zweite Startreihe zu stellen. Auf die erste haben Vettel und Räikkönen keine Chance, wenn bei Mercedes alles normal verläuft. Der AMG W06 ist auf eine Runde das schnellste Auto. Egal auf welchem Streckentyp.

Im Rennen schwenkt das Pendel abhängig von der Belastung der Hinterreifen um. Ferrari braucht nicht einmal Hitze, um Mercedes dann in Schwierigkeiten zu bringen. Man braucht nur ein gutes Training und kein Auto zwischen sich und dem Gegner. Für Mercedes wiederum werden die Freitagstrainings zum Schlüssel. Wenn die Ingenieure da genügend Informationen sammeln können, lässt sich das Reifenproblem zwar nicht lösen, aber doch reduzieren. Dazu müssen die Fahrzeugbalance, die Reifenwahl und die Strategie passen.

Konstruktiv haben die beiden Teams kaum Chancen, den Charakter ihrer Autos zu verändern. "Die DNA bleibt einem Auto erhalten", weiß auch Ferrari-Technikchef James Allison. Ein Kollege von Mercedes ergänzt: "Würden wir versuchen, das Auto so umzubauen, dass es plötzlich nett zu den Reifen ist, würden wir mehr verlieren." Ferrari und Mercedes können also nur daran feilen, dass die Schwachpunkte weniger stark ins Gewicht fallen. Und das macht diese Saison vielleicht zum Knüller.

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