Lewis Hamilton - Mercedes - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019 xpb

Mercedes mit neuen Teilen in China

Ferrari und die Geraden

Shanghai wird zeigen, wie es um das Kräfteverhältnis zwischen Mercedes und Ferrari bestellt ist. Die Silberpfeile reisen mit zwei Doppelsiegen an, doch bangen vor den Geraden. Beide Teams warnen vor Red Bull.

Eigentlich sollten Mercedes nach dem Saisonstart keine Sorgen umtreiben. Zwei Rennen, zwei Doppelsiege. Mercedes hat in Australien und Bahrain 87 Punkte gesammelt. Die Silberpfeile schrammen nur um einen Zähler an der perfekten Ausbeute vorbei. „Am Sonntag ist es jeweils perfekt für uns gelaufen“, urteilt der WM-Führende Valtteri Bottas. „Aber wir wissen, dass das nicht so bleiben wird.“

Konkurrent Ferrari hofft, dass man bereits in China die Wende einleitet. In Bahrain waren die roten Rennwagen bereits schneller als die Silbernen. Charles Leclerc hätte das Wüstenrennen locker gewonnen. Hätte nicht ein Kurzschluss in der Steuerung des Einspritzsystems verrückt gespielt. Der Ferrari-V6 lief deshalb in der Schlussphase nur noch auf fünf Zylindern. Aus der roten Rakete wurde auf den Geraden eine Schnecke mit rund 150 PS weniger.

Motor-Defizit schwer aufzuholen

Mit intaktem Motor zog Ferrari Mercedes auf allen Geradeausstücken davon. Man spricht von vier Zehntelsekunden, die der SF90 bei Vollgas über die Runde auf den Silberpfeil gewann. Und dieser Unterschied umtreibt die Ingenieure genauso wie die Fahrer des Weltmeister-Teams. Ferrari will nichts von einer Übermacht beim Motor wissen. Team- und Technikchef Mattia Binotto schiebt es auf die Effizienz des Pakets. Ferrari fahre mit kleineren Flügeln und weniger Luftwiderstand. Sebastian Vettel drückt sich so aus: „In Australien waren wir schwach auf den Geraden. In Bahrain dafür stark. Da kann man nicht von einem Trend sprechen.“

Mercedes - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019
Mercedes - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019
Hat Mercedes zu wenig Power? Ferrari scheint bei der Leistung überlegen.

Mercedes rätselt. Die Furcht ist groß, dass sich Ferrari über den Winter einen signifikanten Leistungsvorteil erarbeitet hat. „Sollte dem so sein, wäre es verdammt hart, aufzuholen. Beim Motor machst du eigentlich keine großen Schritte unter der Saison“, sagt Lewis Hamilton. „Du hast nur eine begrenzte Anzahl an Komponenten für die Antriebseinheit. Da kannst du keine großen Risiken eingehen, sonst kassierst du eine Strafe. Und die begrenzte Anzahl schmälert auch das Entwicklungspotential.“ Bottas warnt: „Wir dürfen nicht nur auf die Leistung schauen. Wir dürfen auch unsere anderen Schwachstellen nicht vernachlässigen.“ Bottas spricht davon, dass man mit dem W10 noch nicht die richtige Balance gefunden habe. Sie verschiebt sich zu stark zwischen langsamen und schnellen Kurven.

Nach dem Auftritt von Bahrain rückt Ferrari automatisch in die Favoritenrolle. Zumal in Shanghai eine der längsten Geraden der Saison auf die Teams wartet. „Aber es gibt hier auch Kurven“, sagt Bottas, und macht sich und dem Team Mut. Exakt 16 an der Zahl. Und da wird Mercedes vermutlich die Zeit gutmachen müssen, die man auf der langen Gerade zwischen Kurve 13 und 14 verliert. Dafür hat Mercedes ein Upgrade vorbereitet. „Mechanische und aerodynamische Komponenten“, verrät der Finne. Es wurde am Frontflügel, den Bargeboards und der Vorderradaufhängung gearbeitet. Hamilton erwartet keine Wunderdinge. „Es sind Kleinigkeiten.“ Da stimmen die Ingenieure zu.

Unterschiedliche Fahrstile bei Ferrari

In der Vergangenheit meinte es der Shanghai International Circuit gut mit Mercedes. Fünf Siege errang das Team bereits in China. Darunter vier in Serie zwischen 2014 und 2017. Hamilton holte fünf seiner 74 Siege in Shanghai. „China ist ein gutes Jagdgebiet für mich. Abgesehen vom Vorjahr.“ Im Vorjahr wurde der fünfmalige Titelträger nur Vierter. Hinter Daniel Ricciardo im Red Bull, Teamkollege Bottas und Kimi Räikkönen im Ferrari.

Den Vorjahressieger haben sowohl Mercedes als auch Ferrari auf der Rechnung. „Ich erwarte Red Bull viel stärker als zuletzt in Bahrain“, sagt Vettel. Sein WM-Rivale der letzten beiden Jahre sieht Red Bull über die Saison hinweg als Gefahr. „Sie haben im Vorjahr hier gewonnen. Sie haben sich 2018 stark entwickelt und hinten heraus zugelegt. Sie haben einen besseren Motor. Sie sind die einzigen, die das Entwicklungstempo von uns und Ferrari mitgehen können.“

Für Hamilton und Vettel gibt es teamintern große Gegenwehr. Bottas trumpfte in Australien auf, fiel dafür aber in Bahrain zurück. „Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ich bin die Runden nach dem Reifenwechsel zu langsam gefahren bin. Ich habe zu sehr auf die Reifen geachtet. Dann wurden sie zu kalt. Außerdem hatte ich das falsche Setup für den starken Wind. Dazu hat sich eine Plastiktüte im letzten Stint in meinem Frontflügel verfangen. Eine Kleinigkeit, die aber die allgemeinen Probleme vergrößerte.“ In China will der Finne wieder den Bottas aus Australien hervorholen.

Vettel muss klären, warum sein Ferrari auf drei Strecken drei verschiedene Gesichter zeigte. Gut bei den Tests in Barcelona, schwach in Australien, verbessert in Bahrain. Die Testfahrten nach dem Rennen gaben ihm ein paar Antworten. Es bleiben offene Fragen. „Wir haben Ansätze und Ideen, wie wir das Heck stabiler bekommen. Aber du kannst bei den Tests das Rennen nicht reproduzieren. Andere Tageszeit, anderes Wetter, andere Bedingungen.“ Leclerc kann ihm wenig helfen. „Wir haben einen gegensätzlichen Fahrstil. Sebastian und ich haben andere Anforderungen an das Auto.“

GP China 2019: Die Bilder vom Donnerstag

Ferrari - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019
Ferrari - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019 Ferrari - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019 Ferrari - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019 Sebastian Vettel - Ferrari - GP China - Shanghai - Formel 1 - Donnerstag - 11.4.2019 84 Bilder
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