Räikkönen schenkt Vettel die Pole Position

Mercedes besser - nicht gut genug für Ferrari

Sebastian Vettel - Ferrari - Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 28. April 2018 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Im Trainingsduell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton steht es 3:1. Die Pole Position hätte Kimi Räikkönen gehört. Der Finne warf sie in Kurve 16 weg. Mercedes zeigte sich stark verbessert, scheiterte aber erneut an Ferrari.

Ferrari ist im Rennen um die Pole Position eine Macht. Sebastian Vettel startet nun schon zum dritten Mal in Folge von der Pole Position. Dabei genügte ihm ein nahezu perfekter Versuch im Q3. „Nur in den Kurven 6 und 11 war ich zu gierig. Dafür hatte ich einen perfekten Ausgang in Kurve 16.“ Beim Versuch die minimalen Fehler noch auszubügeln, wäre Vettel im finalen Anlauf fast im Notausgang von Kurve 3 gelandet. „Ich war zu spät auf der Bremse und bin beim Einlenken auf einer Bodenwelle ausgerutscht. Erst war ich sauer, doch dann hörte ich über Funk, dass es doch gereicht hat.“

Der Ansturm der Mercedes-Piloten konnte den Ferrari-Piloten nicht mehr von seiner 53. Pole Position stoßen. Lewis Hamilton fehlten 179, Valtteri Bottas 339 Tausendstelsekunden. Trotzdem hätte Vettel um ein Haar seinen Meister gefunden. Kimi Räikkönen war nach einem ereignisreichen Training nur mit Herzklopfen ins Q3 gerutscht und setzte dann zur Runde seines Lebens an. Der Finne lag bereits zwei Zehntel unter Vettels Bestzeit, als er in der Kurve, die auf die lange Gerade führt, zu viel wollte. Ein strammer Wind, der von der Stadt herunterblies, warf den Ferrari mit der Startnummer 7 aus der Bahn. Der frühere Ferrari-Technikchef Ross Brawn urteilte: „Das war immer die Stärke von Michael Schumacher. Wenn Michael wusste, dass er nach zwei Sektoren so weit vorne liegt, dann hat er den letzten Abschnitt den Vorsprung nur noch verwaltet.“

Ferrari mit mehr Abtrieb als Mercedes

Räikkönen stürzte noch auf den 6. Startplatz ab. Und der Finne fährt als einziger Pilot der drei Topteams mit Ultrasoft-Reifen los. Es ist bei einem normalen Rennverlauf die schlechteste Reifenwahl für den ersten Stint. Der Ultrasoft-Reifen baut schneller ab als die beiden anderen Mischungen Supersoft und Soft, und er neigt zum Körnen. „Da es am Sonntag kälter werden soll, wird das Körnen ein noch größeres Problem“, warnt Daniel Ricciardo.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 26. April 2018 Vettel stapelt tief “Mercedes immer noch Favorit”

Ferrari zeigte erneut, dass man ein Auto hat, das sich einfacher als der Mercedes auf unterschiedliche Bedingungen abstimmen lässt. Schon am Freitag machten die roten Autos eine gute Figur. Am Samstag wurden sie nach einigen Handgriffen am Setup noch besser. „Das Auto war ein Traum. Es wurde mit jeder Runde schneller“, schwärmte Vettel. Aus den Topspeeds und Sektorzeiten liest sich heraus, dass Ferrari seine Autos auf mehr Abtrieb abgestimmt hat als Mercedes. Die Topspeed-Könige der Saison landeten diesmal nur im Mittelfeld und waren auf der langen Zielgeraden um 8 km/h langsamer als die Silberpfeile. Entsprechend gehörte auch der dritte Sektor den Mercedes.

Hamilton nahm Vettel in der Vollgaspassage fast drei Zehntel ab. „Aber da gibt es halt auch noch einen 40 sekündigen Mittelsektor, in dem es hauptsächlich auf mechanischen Grip ankommt“, seufzte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Da war Vettel zweieinhalb Zehntel schneller als Hamilton. Die unterschiedliche Wahl der Fahrzeugabstimmung zeigt, dass Mercedes bereits mit einer Niederlage im Training gerechnet hat. Um anzugreifen, braucht man im Rennen Topspeed. Ricciardo glaubt: „Wenn du auf der Geraden vorne liegst, hast du keine Chance. Die Autos hinter dir schnupfen dich mit dem Windschatten und DRS auf.“

Das Trainingsergebnis gibt nicht ganz das Kräfteverhältnis der sechs Toppiloten wieder. Würde die Idealzeit zählen, hätte Räikkönen knapp die Nase vor Vettel. Und Hamilton wäre viel näher an den Ferrari dran. Dem Engländer fehlen in der Addition seiner besten Sektorzeiten nur 0,047 Sekunden auf Vettel, der als einziger seine drei besten Sektoren in eine Runde packte. Nach dieser Rechnung haben auch die Red Bull-Piloten Zeit verschenkt. Daniel Ricciardo und Max Verstappen ließen jeweils zwei Zehntel auf der Strecke liegen und hätten sich unter besten Bedingungen vor Valtteri Bottas qualifiziert.

Idealzeiten der Top 6-Piloten

Fahrer Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3 Idealzeit
Räikkönen 35,283 s 40,704 s 25,426 s 1.41,413 min
Vettel 35,305 s 40,905 s 25,288 s 1.41,498 min
Hamilton 35,296 s 41,158 s 25,091 s 1.41,545 min
Riccardo 35,629 s 40,863 s 25,213 s 1.41,705 min
Verstappen 35,664 s 40,820 s 25,293 s 1.41,777 min
Bottas 35,477 s 41,155 s 25,183 s 1.41,815 min

Viel Arbeit am Mercedes-Setup

Bei Mercedes war man trotz der Trainingsniederlage fast erleichtert. „Wir haben das Auto nach dem Freitagstraining mechanisch und aerodynamisch komplett umgebaut“, verrät Toto Wolff. „Mit dem Ergebnis, dass wir uns am Samstag stark verbessert haben. Gut, aber nicht gut genug. Es reichte knapp nicht für Ferrari.“ Red Bull zählt der Österreicher trotz der Startplätze 4 und 5 zum Favoritenkreis. „Sie haben offenbar den Speed auf eine Runde für ein gutes Renntempo geopfert. Die Red Bull hatten sehr gute Longruns am Freitag, aber bei ihnen haben die Reifen auch stark abgebaut. Das wollten sie wahrscheinlich am Sonntag ausschließen.“

Mercedes befand sich das ganze Wochenende auf der Suche nach dem Fehler. Wieder einmal versuchten die Ingenieure ihr Auto so zu trimmen, dass die Fahrer zuverlässig das Reifenfenster treffen. „Baku ist sehr speziell. Du brauchst Topspeed und fährst mit wenig Abtrieb und musst trotzdem für die langsamen Kurven genügend Grip finden. Diese Kombination hinzukriegen ist eine schwierige Aufgabe. Wir hatten ein Problem, die Vorderreifen und die Hinterreifen gleichzeitig in den Arbeitsbereich zu bekommen“, gab Wolff zu. Das wurde für die Qualifikation minimiert. „Wir hatten am Samstag ein sehr viel besseres Auto als am Freitag. Es gibt aber immer noch Stellen, wo wir uns steigern können“, berichtete Hamilton.

Schritt für Schritt zur Lösung

Niki Lauda erzählte, wie sich Mercedes an das Problem herangetastet hat. „Am Anfang hatten wir ein Auto, dass sich extrem gut in die Kurven einlenken ließ, aber nicht aus den Kurven rauskam. Dabei kam das Heck ins Rutschen, und die Hinterreifen wurden wieder mal zu heiß. Wir mussten einen Weg finden, dem Auto am Kurveneingang etwas wegzunehmen, um den Kurvenausgang zu verbessern.“

Das ist zu einem Großteil gelungen. Trotzdem verloren die Mercedes im zweiten Sektor Zeit, obwohl sie im ersten den Ferrari ebenbürtig waren. Auf den ersten Blick sehen die Kurventypen ähnlich aus. „Sie sind trotzdem verschieden“, assistieren die Ingenieure. „Im ersten Sektor geht es rechtwinkelig ums Eck, dann folgte eine Gerade. Im zweiten Sektor haben wir immer eine Kurvenkombination. Wenn das Auto im Scheitelpunkt eine Instabilität hat, bestrafst du dich für die folgende Kurve. An diesem Problem mussten wir arbeiten.“

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