Lewis Hamilton - GP Australien 2017 Wilhelm
Sebastian Vettel - GP Australien 2017
Daniel Ricciardo - GP Australien 2017
Esteban Ocon - GP Australien 2017
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Mercedes-Niederlage in Melbourne

„Der perfekte Weckruf“

Ferrari treibt Mercedes in die Enge. Der Titelverteidiger darf sich keine Fehler mehr erlauben. Diesmal waren es zu viele. Niki Lauda sprach von einem perfekten Weckruf.

Jetzt dürfen wir es ja verraten. Niki Lauda hat auto motor und sport schon in der Startaufstellung verraten. „Wenn wir verlieren, dann am liebsten hier. Erstens hilft es der Formel 1. Ein Ferrari-Sieg bringt Aufmerksamkeit. Zweitens hilft es uns. Wenn wir gleich wieder gewinnen, würden unsere Jungs vielleicht glauben, sie könnten über Wasser gehen.“ Zwei Stunden später nahm Lauda erneut zu dem Thema Stellung. „Der wichtigste Weckruf ist der am frühen Morgen. Auf uns bezogen der im ersten Rennen. Jetzt sind wir wach.“

Die Ingenieure hätten diesen Alarm nicht gebraucht. Sie haben schon vor dem Rennen die Situation richtig eingeschätzt. „Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir alles richtig machen.“ Ferrari setzt Mercedes unter Druck. „Der Spielraum Fehler zu machen ist weg“, urteilt Lauda. In Melbourne waren es zwei Fehler zu viel.

Ferrari war im Rennen schneller

Teamchef Toto Wolff bringt es auf den Punkt: „Ferrari war im Rennen schneller als wir. Deshalb ist Vettel ein verdienter Sieger.“ Mit dieser Feststellung beginnen bereits die Fragen. Warum drehte Ferrari am Sonntag die Reihenfolge vom Freitag und Samstag um? Der frühe Boxenstopp von Lewis Hamilton war keine Fehleinschätzung der Mercedes-Strategen. Er wurde ihnen aufgezwungen.

Wolff erklärt: „Zu solch einer Entscheidung führen viele Faktoren. Wir konnten auf den weichen Reifen keine Lücke zu Ferrari schaffen. Lewis hat über Funk gesagt, dass die Reifen überhitzen. Seine Rundenzeiten wurden langsamer. Und wir mussten damit rechnen, dass uns Ferrari durch einen früheren Boxenstopp überholt.“

Am Mercedes-Kommandostand wusste man, dass Hamilton bei einem Boxenstopp in Runde 17 hinter Kimi Räikkönen und Max Verstappen fallen würde. Doch der Computer rechnete auch aus, dass der Engländer ein paar Runden lang freie Fahrt haben würde, bis er auf den Red Bull trifft. Hamilton lag nach seinem Boxenstopp zunächst 2,7 Sekunden hinter Verstappen und 5,7 Sekunden hinter Räikkönen. „Wir haben damit gerechnet, dass die beiden an die Box gehen, bevor sie Lewis einholen kann“, erzählten die Strategie-Experten.

Auf Kriegsfuß mit den Ultrasoft-Reifen

Nach dem Freitag hatten die Analysten ausgerechnet, dass Mercedes im Renntrim eine Sekunde schneller sein müsste als Ferrari. Der Weltmeister der letzten 3 Jahre fürchtete nur den Start. Entsprechend groß war die Erleichterung, als Hamilton mit einem guten Start die Führung übernahm und Valtteri Bottas Platz 3 verteidigen konnte.

Als Hamilton nach 10 gemächlichen Runden das Tempo anzog, schien alles nach Plan zu laufen. Doch der WM-Zweite des Vorjahres kam nie mehr als 1,8 Sekunden weg von Sebastian Vettel. „Die Reifen haben überhitzt. Ich habe immer mehr Grip verloren“, berichtete Hamilton. Bottas stellte das gleiche fest: „Auf den Ultrasoft-Reifen fehlte mal hinten, mal vorne der Grip.“

Warum die Silberpfeile plötzlich ihre Reifen mehr strapazierten als an den Tagen zuvor, ist noch nicht vollständig geklärt. „Am Sonntag war es wärmer. Das ist der Unterschied“, klärte Wolff auf. „Wir haben es in diesem Jahr mit einer neuen Reifengeneration zu tun und müssen noch lernen, wie sie sich unter allen Bedingungen verhalten. Diese Reifen haben ein sehr enges Fenster.“

Die Ingenieure hatten den Verdacht, dass noch andere Einflüsse als nur die höheren Asphalttemperaturen den Mercedes den Speed raubten. Brackley steht nun eine eingehende Datenanalyse bevor.

Hamilton nahm am Ende Tempo raus

Die Mercedes-Piloten sagten übereinstimmend, dass sich ihr Auto auf der Soft-Mischung besser anfühlte. Trotzdem blieb Vettel außer Reichweite. 20 Runden vor Schluss stellte Hamilton seine Versuche ein, den Rückstand, der zwischen 6 und 11 Sekunden pendelte, wettzumachen. „Meine Reifen waren 6 Runden älter als die von Sebastian. Ich hatte Angst, nicht ins Ziel zu kommen, wenn ich härter attackiere.“

Mercedes versuchte aus der Not eine Tugend zu machen und schonte den Motor für die nächsten Aufgaben. Er muss 6 Rennen lang halten. Bottas kam seinem Teamkollegen in der Schlussphase bis auf 1,2 Sekunden nahe. Der Finne wachte in der zweiten Rennhälfte förmlich auf. Auf einen Angriff auf Hamilton verzichtete er: „Es hätte keinen Sinn gemacht. Um Lewis anzugreifen, hätte ich mindestens 2 Sekunden schneller sein müssen als er.“

Es fiel auch auf, dass die Mercedes-Piloten schlechter durch den Verkehr kamen als ihre Kollegen von Ferrari. Liegt es daran, dass der aerodynamisch kompliziertere Mercedes stärker auf Turbulenzen reagiert? „Das ist graue Theorie“, wiegelte Lauda ab. „Ich würde da nach einem Rennen noch nicht zu viel in das Thema hinein interpretieren.“

Bottas erntete viel Lob. „Er ist unter großem Druck ein fehlerfreies Rennen gefahren. Und sein Speed lag nicht weit von dem von Lewis entfernt“, applaudierte Wolff. Lauda nannte die Vorstellung „Rosberg-artig“ und fügte hinzu: „Wir haben uns genau den richtigen Fahrer ausgesucht.“ Auch Bottas selbst konnte wieder strahlen. „Nach der Qualifikation habe ich mich geärgert. Aber heute war ein guter Startpunkt. Besonders die zweite Hälfte des Rennens.“

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