Lewis Hamilton - GP Singapur 2019 Motorsport Images
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Singapur 2019 - Rennen
Leclerc - Vettel - Ferrari - GP Singapur 2019 - Rennen
Leclerc - Vettel - Ferrari - GP Singapur 2019 - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Singapur 2019 - Rennen 58 Bilder

Mercedes-Niederlage in Singapur

Dauersieger lernen das Verlieren

Spa und Monza: Das waren Ferrari-Strecken. Da betrieb Mercedes mit Podestplätzen Schadensbegrenzung. In Singapur sollte wieder der Sieg her. Stattdessen flogen beide Autos vom Podest. Weil man selbst zu viele Fehler machte.

Dieses Gefühl sind sie bei Mercedes gar nicht mehr gewohnt. Zum dritten Mal in Folge steckte der Seriensieger eine Niederlage ein. Zum ersten Mal war es eine unerwartete. Die Erfolgsmaschine stockt. In Singapur unterliefen Mercedes zu viele Fehler, die nicht nur den Sieg, sondern selbst ein Podest kosteten.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach Klartext: „Wir haben so viel falsch gemacht an diesem Wochenende. Wir haben zu viele Gelegenheiten verstreichen lassen. Die Plätze vier und fünf sind für uns auf einer Strecke wie Singapur eine Enttäuschung.“ Die Niederlage war auf mehrere Faktoren zurückzuführen: auf das wiedererstarkte Ferrari, auf das Ergebnis der Qualifikation, auf die missglückte Taktik und auf die Safety-Cars.

Die Unersättlichen lernen das Verlieren. Ein Sieg auf dem verzweigten Stadtkurs war schon vor dem Rennwochenende nicht garantiert. Mercedes hat zwar den meisten Anpressdruck im Feld. Doch Red Bull hat in dieser Disziplin im Saisonverlauf fast aufgeschlossen. Die Fachwelt sah die Podestplätze vergeben an Mercedes und Red Bull. Doch am Ende schnappte sich Ferrari Pole Position und Rennsieg.

Rennen am Samstag verloren

„Ihre Widerauferstehung hat in erster Linie damit zu tun, dass sie 100 Prozent aus ihrem Paket rausholen konnten und nicht in den Upgrades“, glaubt Wolff. „Sie haben ihr Auto auf eine schnelle Runde feinjustiert und damit die Pole geholt.“ Von der Spitze lässt sich ein Rennen kontrollieren. Vor allem auf einem Kurs wie Singapur, wo man schon zwei Sekunden schneller sein muss, um den Vordermann zu überholen. Als Führender kann man den Verfolgern die Geschwindigkeit aufzwingen. In sauberer Luft lassen sich die Reifen einfacher managen.

Deshalb führte Mercedes den verpassten Sieg in erster Linie auf die verpasste Pole Position zurück. „Wir haben das Rennen am Samstag verloren“, meint der Teamchef. In Singapur ist der erste Startplatz die halbe Miete. In acht von 12 Fällen gewann der schnellste Mann des Samstags.

Leclerc - Hamilton - GP Singapur 2019 - Qualifying
Motorsport Images
Den Sieg verlor Lewis Hamilton schon im Qualifying.

Es hätte trotzdem klappen können. Wären Mercedes keine strategischen Fehler unterlaufen. Und wären keine drei Safety-Cars dazwischen gekommen. Da kühlten an den Autos von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas immer wieder die Reifen stark aus. Beide Piloten brauchten ein paar Runden, bis sie die harten Reifen wieder im Betriebsfenster hatten. Ferrari und Red Bull schafften diese Übung schneller.

Undercut stärker als angenommen

Die Vorentscheidung fiel in der Qualifikation. Der nächste Tiefschlag folgte in der Phase der ersten Boxenstopps. Mercedes hielt seine Fahrer zu lange auf dem Startreifensatz auf der Strecke. „Ich wollte den Undercut, doch leider kam uns Ferrari zuvor“, erzählte Hamilton.

Der frühere Stopp brachte Sebastian Vettel an seinem Rivalen vorbei. Und der Weltmeister musste auch noch Max Verstappen ziehen lassen. Mercedes spülte es komplett vom Podest. „Wir haben wie Ferrari die Wirkung des Undercuts unterschätzt. Sie wollten sicher auch nicht, dass Vettel an Leclerc vorbeikommt. Der Vorteil der Reifen war größer als angenommen“, sagte Wolff.

Mercedes versuchte den Taktikfehler durch längeres Fahren zu kompensieren. Mit zwei Hintergedanken. Die Strategen hegten die Hoffnung, dass die Ferrari im Verkehr stecken bleiben. „Wir hofften, dass Stroll und Giovinazzi sie aufhalten würden“, berichtete der Teamchef. Daraus wurde nichts. Zum zweiten wollte Mercedes den roten Rivalen hinten heraus mit jüngeren Reifen überrennen. Auch daraus wurde nichts aufgrund der vielen Safety-Cars. „Ohne sie hätten sich uns im Schlussspurt sicher Möglichkeiten eröffnet.“

Bottas muss langsam fahren

Mercedes schüttelte den Kopf. Am Freitag war Ferrari bei den Longruns weit abgeschlagen. Am Sonntag hielten sich die Italiener problemlos vor Mercedes. Setup-Korrekturen machten dem roten Auto auch über die Distanz Beine. Bei den Silberpfeilen passte die Abstimmung hingegen nicht zu 100 Prozent. „Ferrari hat einen unglaublich starken Motor. Das hilft ihnen auch beim Setup des Autos und dabei, Strategieentscheidungen zu treffen“, sagt Wolff.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Singapur 2019 - Rennen
Wilhelm
Bottas musste sich hinter Teamkollege Hamilton anstellen.

Die Mercedes-Fahrer kämpften auf den Bodenwellen und konnten die Randsteine nicht so attackieren wie Ferrari. Ein ähnliches Problem hatte Red Bull. Fast hätte Hamilton in den letzten Runden wenigstens noch Verstappen überholt. „Vier Runden vor Schluss gingen mir die Hinterreifen ein. Ich konzentrierte mich darauf, an den Schlüsselstellen sauber heraus zu beschleunigen“, beschrieb Verstappen. Das sind in Singapur die Kurven 5, 13 und 23, die jeweils auf die Geraden führen, wo der Verfolger DRS aktivieren darf.

„Ferrari war im Rennen nicht schneller als wir“, befand Valtteri Bottas. Der Finne schränkte ein. „Es gibt ein kleines Fragezeichen, ob sie sich bewusst etwas zurückgehalten haben, um die Reifen zu schonen.“ Wie bei Ferrari gab es auch bei Mercedes Klärungsbedarf. Wurde Bottas benachteiligt? Das Team hatte den Finnen nach dem ersten Boxenstopp angewiesen, langsamer zu fahren, um Hamilton vor Alexander Albon zu schützen.

Ferrari in Sotschi wieder zu gut?

Ansonsten wäre der achtmalige Saisonsieger hinter den Teamkollegen und hinter den Red Bull gefallen. Bottas gehorchte. „Gegen den Instinkt, und für das Team“, erklärte der Sieger des diesjährigen GP Australien und Aserbaidschan. „Es gibt klare Spielregeln bei uns. Der Fahrer, der vor dem ersten Boxenstopp besser platziert ist, erhält den Vorzug bei der Taktik. Das Team hätte genauso gehandelt, wäre es anders herum gewesen.“

Schon am kommenden Wochenende bestreitet die Formel 1 das 16. Rennen des Jahres. Mercedes wird am Dienstag vor dem Grand Prix in Sotschi die Singapur-Niederlage in der heimischen Fabrik in Brackley aufarbeiten. An Russland haben die Silberpfeile beste Erinnerungen. Seit 2014 wird in Sotschi gefahren. Mercedes gewann alle fünf Ausgaben.

Bottas hat mit Russland noch eine Rechnung offen. Im Vorjahr musste er für den Teamkollegen zur Seite fahren. „Die Strecke liegt mir.“ Andererseits weiß er. „Sotschi könnte die nächste Ferrari-Strecke sein.“ Auf dem russischen Kurs dürfte Ferrari einmal mehr von seinem kraftvollen Motor profitieren. In der Qualifikation mobilisiert der Ferrari-Antrieb rund 50 PS mehr als die Konkurrenz-Produkte. Dadurch dürften die roten Autos auf den Geraden einige Zehntel gewinnen.

Dazu ähneln sich in Sotschi die Kurven. Das sollte Ferrari helfen, wieder die Abstimmung zu treffen. Die Mercedes-Fahrer fürchten die vierte Niederlage. Sie fordern deshalb eine Reaktion. Der W10 brauche eine Injektion. Mit ein paar Technik-Upgrades soll Mercedes wieder die Oberhand gewinnen.

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Sebastian Vettel kann doch noch gewinnen. Wie? Unsere Rennanalyse.

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