Lewis Hamilton - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021 xpb
Impressionen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Impressionen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Lewis Hamilton - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Carlos Sainz - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021 51 Bilder

Mercedes-Pleite in Zandvoort: Red Bull zu schnell

Hamilton verliert WM-Führung Mercedes fehlte der Speed

Lewis Hamilton hatte nur zwei klitzekleine Chancen, den Grand Prix der Niederlande zu gewinnen. Beide gingen aus unterschiedlichen Gründen schief. Max Verstappen und Red Bull waren einfach zu schnell an diesem Tag.

Vielleicht ist es ganz gut, dass Lewis Hamilton nicht den Grand Prix der Niederlande gewonnen hat. Er hätte 70.000 Verstappen-Fans die Party versaut und sich selbst womöglich zum Buhmann gemacht. Die unglaubliche Stimmung auf den Tribünen riss sogar den Verlierer mit. "Was für ein unglaubliches Publikum. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Unglaublich, mit welcher Energie die Holländer feiern können."

Mercedes kämpfte beim Auswärtsspiel von Beginn an in der Defensive, obwohl man von der Papierform mit zwei Fahrern gegen einen und jeweils zwei Garnituren Medium-Reifen in der Hinterhand gar nicht so schlecht aufgestellt war.

Lewis Hamilton war auf zwei Boxenstopps angesetzt, Valtteri Bottas auf einen. Der Finne hatte die Aufgabe, sich im Boxenstopp-Fenster von Verstappen zu halten um Red Bulls taktischen Spielraum einzuschränken. Der Plan ging jedoch schief. Bottas musste so massiv Reifen schonen, dass die Rundenzeiten darunter litten.

Lewis Hamilton - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
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Lewis Hamilton konnte Verstappen in Zandvoort nicht folgen.

Erster Undercut scheitert am Boxenstopp

Max Verstappen machte es den Strategen an Mercedes-Boxenmauer schwer. Der Holländer baute schnell einen Dreisekunden-Vorsprung auf, der nur beim Überrunden schwankte. So wollte sich Red Bull gegen Undercuts absichern.

Weil keiner auf dieser Strecke Erfahrung hatte und die Longruns wegen der vielen roten Flaggen in den freien Trainingssitzungen zu kurz und zu wenig aussagekräftig gerieten, war es für alle eine Fahrt ins Blaue. "Wir wussten weder, wie lange die Reifen bei voller Belastung halten würden, noch wie mächtig der Undercut sein würde", gaben die Ingenieure zu.

In der 20. Runde probierte es Mercedes zum ersten Mal, Hamilton mit dem früheren Boxenstopp in Führung zu bringen. Ein Problem links vorne verlängerte die Stoppzeit auf 3,6 Sekunden. Verstappen stand eine Runde später nur 2,7 Sekunden still. Trotzdem schrumpfte Hamiltons Rückstand auf 1,9 Sekunden.

"Es war den Versuch wert", hieß es später am Kommandostand. Um überhaupt eine Chance zu haben, musste man Hamilton den frischen Satz Medium-Reifen für den Mittelstint geben. Damit war die bessere Option für den Schlussabschnitt schon verschossen.

Max Verstappen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
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Mercedes wollte Red Bull in die Strategie-Zange nehmen. Doch Bottas war von Beginn an chancenlos.

Zweiter Boxenstopp drei Runden zu früh

Auf Pirellis mittlerer Mischung fiel es Hamilton ein bisschen leichter Verstappen zu folgen. In der 36. Runde betrug der Abstand nur 1,5 Sekunden. Eigentlich eine Einladung für den Undercut. Doch den Ingenieuren war der Zeitpunkt zu früh für den zweiten Stopp. "Wir trauten weder dem gebrauchten Medium, noch dem harten Reifen die Restdistanz zu. Am Beispiel von Ferrari im ersten Stint hat man gesehen, wie stark die Reifen zum Schluss abbauten."

Mercedes ließ sich bis zur 39. Runde Zeit, den Abzug zu ziehen. Da war die Lücke schon wieder auf 2,7 Sekunden angewachsen. Eigentlich stand sogar Runde 42 im Plan. Hamilton wunderte sich am Funk, "warum wir den zweiten Joker so früh abfeuern."

Chefingenieur Andrew Shovlin erklärte, warum man nicht bis zur Ziel-Runde gewartet hat. "Wir wollten Max früher an die Box locken in der Hoffnung, dass ihm Red Bull den Soft-Reifen mitgibt. Der hätte dann 33 Runden halten müssen. Sie haben aber den harten Reifen genommen, und sind damit nicht schlecht gefahren."

Damit warf auch die zweite Minimalchance vertan, die Reihenfolge umzudrehen. Hamilton fuhr sich 72 Runden lang die Seele aus dem Leib, doch der Gegner hatte immer eine Antwort parat. "Zum Schluss waren wir einfach zu langsam. Red Bull hatte das schnellere Auto", räumte Teamchef Toto Wolff ein. Im Schnitt betrug der Unterschied drei Zehntel pro Runde. "Bei dem Delta wäre er auch in der Qualifikation gewesen, wenn Max nicht sein DRS-Problem gehabt hätte."

Podium - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Wilhelm
Hamilton konnte sich nur über den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde freuen.

Kein perfektes Rennen

Hamilton zog realistisch Bilanz: "Heute hätten wir in allen Belangen ein perfektes Rennen haben müssen, um Max zu schlagen. Perfekt in den Boxenstopps, der Strategie und beim Überrunden. Das ist uns in keiner Disziplin gelungen." Wolff pflichtete bei. "50 Prozent der Niederlage waren durch das Trainingsergebnis und den Start besiegelt. Die Strecke hat Red Bull besser gepasst. Sie haben uns zum ersten Mal seit den Österreich-Rennen wieder durch den besseren Speed geschlagen."

Am Ende wollte man Hamilton wenigstens den Extra-Punkt für die schnellste Runde sichern. Umso überraschter war man, dass Bottas fünf Runden vor Schluss zum zweiten Mal in die Boxengasse abbog.

Viele glaubten, der Finne sollte in die Lage versetzt werden, auf Soft-Reifen zu kontern, sollte Verstappen seinem WM-Rivalen noch die schnellste Runde abluchsen. "Valtteris zweiter Reifenwechsel war ein reiner Sicherheitsstopp. Wir hatten Angst, dass seine Reifen nicht durchhalten", klärte der Teamchef auf.

Obwohl Strategiechef James Vowles dem Finnen zwei Mal einschärfte, auf keinen Fall die schnellste Runde zu drehen, blieb Bottas gleich in seiner ersten fliegenden Runde um sechs Zehntel unter Hamiltons Bestzeit. "So sind halt Rennfahrer. Die lassen sich nicht einbremsen. Man muss auch Valtteris Frust verstehen. Er fährt voll im Auftrag von Lewis und nicht sein eigenes Rennen", zeigte Toto Wolff Mitgefühl. Zur Ehrenrettung von Bottas verrieten die Ingenieure: "Valtteri hat im letzten Sektor den Fuß vom Gas genommen und noch sieben Zehntel liegenlassen. Es hat trotzdem nicht gereicht."

So musste auch Hamilton noch einmal an die Box um nachzulegen. Was er auf Befehl tat. "Diese Runde hat am meisten Spaß gemacht. Mit wenig Sprit auf dieser Rennstrecke ohne Rücksicht auf die Reifen auf Zeitenjagd zu gehen, ist einfach phänomenal", schwärmte der Titelverteidiger.

Mercedes will jetzt in Monza zurückschlagen und rechnet sich gar keine schlechten Chancen aus. "Diese Saison hat gezeigt, dass wir im Vergleich zu Red Bull besser dastehen, wenn wir mit weniger Abtrieb fahren." Hamilton warnt jedoch vor zu viel Optimismus: "Red Bull ist in diesem Jahr auf allen Strecken besser als im letzten Jahr."

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