Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza xpb
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien - Monza - Samstag - 5. September 2020
Esteban Ocon - Renault - GP Italien - Monza - Samstag - 5. September 2020
Impressionen - GP Italien - Monza - Samstag - 5. September 2020
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Mercedes-Party in Monza: Nichts geändert am Kräfteverhältnis

Mercedes-Party in Monza Nichts geändert am Kräfteverhältnis

Lewis Hamilton eilt von Pole-Position zu Pole-Position. Valtteri verzichtete in Monza bewusst auf Windschatten und haderte hinterher. Der Mercedes-Zug in Richtung WM-Titel ist weiter nicht aufzuhalten. Trotz des Verbots des Party-Modus.

Es hatte sich bereits am Trainingsfreitag abgezeichnet und wurde in der Qualifikation bestätigt. Mercedes hat weiter das mit Abstand schnellste Auto und auch weiterhin den besten Motor. Daran ändert auch die Technische Direktive TD/037-20 nichts, die Red Bull hoffen ließ, den Klassenprimus endlich in der Qualifikation herausfordern zu können.

Stattdessen stürzte Red Bull noch hinter McLaren und Racing Point. Und Mercedes feierte die achte Pole-Position im achten Anlauf der Saison. Ob mit oder ohne Party-Modus. Der W11 ist eine Klasse besser als die Konkurrenz-Modelle. Red Bull hatte nach eigenem Bekunden auf die Abschaffung spezieller Motor-Kennfelder gedrängt, und sich für einen Modus ab der Qualifikation ausgesprochen. Die FIA führte die Regelanpassung zum GP Italien ein, mit der Begründung, so die hochkomplexen Monster-Motoren einfacher kontrollieren zu können.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza
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Lewis Hamilton entschied das enge Teamduell für sich.

94. Pole für Hamilton

Die Mercedes-Piloten amüsierten sich nach gewonnener Qualifikation über die Anstrengungen des Rivalen. "Vielleicht haben wir in Belgien schon gar keinen Party-Modus mehr gehabt", juxte Lewis Hamilton nach der 94. Karriere-Pole. Teamchef Toto Wolff stellte klar: "In Belgien haben wir ihn verwendet, in manch anderen Qualifyings nicht." Valtteri Bottas stichelte. "Ich bin mir nicht sicher, ob Red Bull mit der Änderung bei den Motoren glücklich ist." Wolff drohte der Konkurrenz dann noch für den Rennsonntag mehr Prügel an. "Wir werden nach unseren Rechnungen zehn Sekunden früher ins Ziel kommen als unter der alten Regel."

Der Party-Modus hatte in der Vergangenheit die Schadensmatrix wesentlich beeinflusst. Der Wegfall erleichtert dem Motor das Leben. Der Sechszylinder-Turbo kann im Renntrimm nun in einer höheren Leistungsstufe betrieben werden als zuvor. Den Überholknopf, der nach wie vor betätigt werden darf, werden die Mercedes-Fahrer wahrscheinlich gar nicht brauchen.

Es wurde viel gesprochen, diskutiert und gerätselt, wen die Klarstellung bei den Motoren stärker trifft und wen weniger. Mercedes jedenfalls wurde nicht geschwächt. Die Weltmeister begriffen die neue Direktive als Möglichkeit, dem Feld ein weiteres Mal zu zeigen, warum man die letzten sechs WM-Titel abgeräumt hat. "Wir haben uns schon vor der Technischen Direktive auf eine Veränderung eingestellt, weil die Lobby gegen unseren schärfsten Motor-Modus immer größer wurde", berichtete Sportchef Wolff. "Wir haben viel Zeit und Hirnschmalz in die Entwicklung gesteckt und waren lange auf dem Prüfstand. Mit dem Ergebnis, dass wir nur sehr wenig in der Qualifikation eingebüßt haben, dafür aber viel besser im Rennen dastehen werden."

Verlust auf Mercedes: Monza vs. Spa

Team Monza Spa
McLaren-Renault + 0,808 Sekunden + 1,186 Sekunden
Racing Point-Mercedes + 0,831 Sekunden + 1,239 Sekunden
Red Bull-Honda + 0,893 Sekunden + 0,529 Sekunden
Renault + 0,977 Sekunden + 0,809 Sekunden
Alpha Tauri-Honda + 1,022 Sekunden + 1,478 Sekunden

Red Bull weit zurück

Wenn wir die jeweils schnellsten Runden aus Belgien und Italien hernehmen, hat sich kaum etwas geändert. McLaren verkürzte den Rückstand auf Mercedes von 1,186 auf 0,808 Sekunden. Doch aufgepasst. Monza ist 1,2 Kilometer kürzer und hat acht Kurven weniger als Spa. Und auf keiner anderen Strecke suchen die Fahrer so den Windschatten. "Das verfälscht ein wenig das Bild. Wir müssen abwarten, bis wir wieder auf einer gewöhnlichen Strecke sind, um ein endgültiges Urteil zu fällen", wirft Max Verstappen ein.

Doch die Anzeichen sind sonnenklar. Mercedes bleibt unangefochten vorn. McLaren mit Renault-Power verlor in Belgien 0,169 Sekunden pro Kilometer auf Mercedes. In der Italien-Qualifikation waren es 0,139 Sekunden. Auf der anderen Seiten verbuchte Renault einen größeren Zeitverlust. In Spa waren es 0,809 Sekunden auf die Runde, in Monza 0,977 Sekunden.

Racing Point verkürzte von 1,239 auf 0,831 Sekunden auf das Werksteam. Das hat mit einem verbesserten Setup zu tun. Vielleicht schmeckt dem RP20 das noch niedrigere Abtriebslevel besser als eine Woche zuvor. In Spa wird mit dem zweitniedrigsten Anpressdruck gefahren, in Monza mit dem geringsten.

Verstappen verlor in Spa auf 7,004 Kilometern nur eine halbe Sekunde. Eine Woche später waren es auf 5,793 Kilometern neun Zehntel. Das Schwesterteam von Alpha Tauri kam Mercedes dagegen um vier Zehntel näher. Was zeigt, dass Honda unter der technischen Direktive nicht stärker litt als Mercedes oder Renault. Vielmehr war Red Bull im Gegensatz zum kleinen Bruder nicht im Komfortbereich. Verstappen klagte über eine schlechte Balance und fehlenden Grip. Ferrari verkürzte von 1,7 auf 1,4 Sekunden. Schlechter als in Belgien konnte es aber nicht laufen. Beim Heimspiel straft die Scuderia die Ineffizienz des Autos nicht so stark ab.

Am Topspeed kann es nicht gelegen haben. Red Bull befand sich auf Mercedes-Niveau. Heißt: Der Wm-Zweite verliert in den Kurven. Verstappen stellte ernüchtert fest. "Mercedes sind die einzigen, die keinen Windschatten brauchen. Bei uns geht es um jedes Hundertstel. Ohne Windschatten sind wir auf den Geraden verloren." Mercedes hat ein effizientes Auto und weiterhin einen überlegenen Motor. In allen Sektoren rasten die Mercedes der Konkurrenz davon. Im Mittel- und Schlussabschnitt am meisten. Red Bull verliert durch die Bank. Zwei Zehntel im ersten Teil, vier im zweiten und drei im dritten.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza
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Valtteri Bottas braucht am Rennsonntag einen Sieg, um in der WM zu verkürzen.

Bottas macht sich Mit

Und so machten Hamilton und Bottas mal wieder die Pole-Position unter sich aus. Mit dem besseren Ausgang für den WM-Führenden. Hamilton entschied den teaminternen Zweikampf um 69 Tausendstel für sich. "Wir haben das Auto genau in den Sweetsport gebracht. Ich hatte zwei saubere Runden. Die brauchte ich auch, um Valtteri hinter mir zu lassen."

Die sechste Pole der Saison garnierte Hamilton mit einem Streckenrekord. Nie war ein Fahrer in Monza schneller. Hamilton erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 264,363 km/h. Der alte Rekord lag bei 263,587 km/h – aufgestellt von Kimi Räikkönen 2018.

Es war die Entscheidung von Bottas, nicht dem Teamkollegen zu folgen, sondern ihn auf den Geraden zu ziehen. Im Nachgang stellte der WM-Dritte seine Entscheidung in Frage. "Ich wollte kein Durcheinander in der Aufwärmrunde und saubere Luft auf der fliegenden. Deshalb habe ich mich für die vordere Position entschieden. In Q2 hatte ich einen Windschatten. Und das fühlte sich nicht schlecht an. Mir gelang die beste Runde." Sie war vier Tausendstel besser als in Q3, hätte also nicht für den besten Startplatz gereicht.

Im Rennen wird Mercedes aller Voraussicht nach dominant bleiben. Der Motor-Modus bleibt derselbe, die Reifen machten auf den Longruns am Freitag keine Probleme. Mercedes sollte von seinem Vorsprung also nichts verlieren. Bottas macht sich selbst Mut, Hamiltons Siegeszug zu stoppen. "Meine Longruns am Freitag waren gut. Auch im Vergleich zu Lewis." Im Rennen wird es im besten Fall auf einen Zweikampf der Teamkollegen hinauslaufen. Die Fans werden hoffen, dass Hamilton nicht wie in Belgien eine Woche zuvor davonzieht. Mercedes muss den siebten Saisonsieg aber erst einfahren. "Wir dürfen den Tag nicht vor dem Abend loben", mahnt Teamchef Wolff. Monza ist aufgrund der hohen Geschwindigkeiten eine große Belastungsprobe für die Motoren über eine Distanz von 53 Runden.

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