Mercedes-Reifenprobleme geklärt

50 Kilo aus der Balance

Lewis Hamilton - GP USA 2018 Foto: Wilhelm 21 Bilder

Die Reifenprobleme von Mercedes sind zu einem großen Teil geklärt. Der erste Verdacht nach dem Rennen bestätigte sich. Die Radlasten waren ungleich verteilt. Die rechte Seite war um 50 Kilogramm schwerer als die andere.

Lewis Hamilton hätte den GP USA gewinnen und dort schon Weltmeister werden können. Auch mit seiner Zweistopp-Strategie. Der Engländer scheiterte am Ende an der ungewöhnlich starken Reifenabnutzung. Die Folge waren Blasen auf den Hinterreifen. Und das drückte aufs Tempo. Hamilton sagte aber im Ziel auch: „The car was a handful.“ Soll heißen: Das Auto war schwierig zu fahren.

Nach dem Rennen stellten die Mercedes-Techniker fest, dass die Radlasten ungleich verteilt waren. Die rechte Seite des Autos war schwerer als die linke. Und zwar signifikant. Der Unterschied von rechts zu links betrug stolze 50 Kilogramm. Bei Valtteri Bottas etwas weniger. Möglicherweise, weil Hamilton in der Anfangsphase des Rennens einen Randstein hart getroffen hat. Die Konsequenz war, dass sich die Autos schwerer in Linkskurven lenken ließen.

Gleiches Problem bei Red Bull in Ungarn

Nicht möglich, werden sie sagen. Ein Formel 1-Auto ist doch nahezu symmetrisch, auch wenn wenn Wasser- und Ölkühler auf unterschiedlichen Seiten untergebracht sind und auch völlig unterschiedliche Formen aufweisen. In dem Präzisions-Sport Formel 1 kam es nicht zum ersten Mal vor, dass etwas derartig aus dem Ruder läuft.

Bei Red Bull ist das gleiche in der Qualifikation zum GP Ungarn passiert. Da betrug der Unterschied von einer zur anderen Seite 40 Kilogramm. Als Resultat haben sich die Regenreifen unterschiedlich aufgeheizt und Red Bull stürzte in der Startaufstellung auf die Plätze 7 und 12 ab.

Die Reifen sind von einem so eklatanten Ungleichgewicht am meisten betroffen. Deshalb gehen auch die Mercedes-Ingenieure davon aus, dass die Reifenmisere beim GP USA zu einem Großteil von der gestörten Balance herrührt. „Es gibt nie einen Grund für ein bestimmtes Problem, aber das war der Logik nach sicher der schwerwiegendste.“

Mercedes - GP USA 2018 Foto: ams
Vor dem Rennen in Austin musste an den Mercedes noch in letzter Minute die Wasserpumpe getauscht werden.

Es gibt einen Verdacht, warum die Mercedes plötzlich so in Schieflage geraten sind. Am Samstag in der Qualifikation waren sie es noch nicht. Zwischen Qualifikation und Rennen lag allerdings eine umfangreiche Reparatur. An beiden Motoren wurden Sonntagfrüh die Wasserpumpen getauscht.

Dazu musste die komplette Heckpartie zerlegt werden. Dabei kann es passieren, dass die Fahrzeuge nicht mehr exakt so zusammengebaut wurden wie sie waren. Da die Reparatur unter Parc fermé-Bedingungen stattfanden, durfte das Auto anschließend nicht mehr gewogen und der Fehler behoben werden. Das hätte eine Setup-Änderung bedeutet.

Daraus zu schließen, Ferrari hätte nur deshalb in Austin so gut ausgesehen, weil Mercedes mit nicht optimal abgestimmten Autos angetreten ist, wäre ein Irrtum. Im Rennen waren die Silberpfeile sicher geschwächt. Aber in der Qualifikation fuhren die Silberpfeile noch im Normalzustand. Und bereits da präsentierten sich die Ferrari als gleichwertig. Sebastian Vettel fehlten nur 61 Tausendstel auf die Pole Position.

Löcher in Felgen ohne Wirkung?

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP USA - Austin - 2018 Foto: xpb
Mercedes glaubt, die Blasen auf den Reifen haben ihren Ursprung in der gestörten Balance.

Auch der Rückbau von Mercedes auf eine alte Felgen-Spezifikation sollte nicht überbewertet werden. Mercedes hatte in Spa neue Hinterradfelgen eingesetzt. Diese wiesen 12 Löcher in einem Distanzstück auf, das auf der Radnabe aufliegt. Sie sollten helfen Temperatur aus den Felgen abzuführen und so die Reifentemperaturen besser zu kontrollieren. Vor dem GP USA bekam die FIA Post von Ferrari. Der WM-Rivale wollte wissen, ob diese gelochten Naben reglementskonform sind. Man könnte sie auch als bewegliche aerodynamische Hilfsmittel interpretieren.

Die FIA gab Mercedes in Austin grünes Licht. Trotzdem wurden die Löcher dichtgemacht. Die Freigabe wurde erst am Samstag erteilt. Das war Mercedes zu heiß. Bei einem Protest von Ferrari würde nicht die FIA den Urteilsspruch fällen, sondern die Sportkommissare. Und wer weiß, ob die der Interpretation der FIA oder der des protestierenden Teams gefolgt wären.

Mercedes wird erst wieder auf die gelochten Radnaben zurückgreifen, wenn der Weltverband schwarz auf weiß bestätigt, dass sie protestsicher sind. Das ist um 17.45 Uhr am Donnerstag in Mexiko passiert. Aber nur für die von Mercedes präsentierte Lösung. Die Rennkommissare wurden angewiesen diese Felgenspezifikation als legal zu betrachten, weil der Primärzweck eine verbesserte Kühlung sei..

Ferraris Vermutung, die neue Radnabenkonstruktion sei der Schlüssel dafür gewesen, dass Mercedes in der zweiten Saisonhälfte die Temperaturen der Hinterreifen besser im Griff hat, wurde mehrfach wiederlegt. Mercedes kämpfte in Spa, in Sotschi, in Suzuka und in Austin mit Blasen auf den Hinterreifen. In Spa, Sotschi und Suzuka fuhr Mercedes offen.

Neues Heft
Top Aktuell F1 Tagebuch - GP Mexiko 2018 F1-Tagebuch GP Mexiko Vettel zeigt Stärke in der Niederlage
Beliebte Artikel Lewis Hamilton - Formel 1 - GP USA - Austin - 2018 Taktikcheck GP USA Mercedes-Gier kostet Platz 2 Bottas & Hamilton - Formel 1 - GP USA - Austin - 2018 Mercedes sucht den Fehler Auto nicht richtig ausbalanciert
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Erste Soundprobe TVR Griffith TVR Griffith Verzögertes Comeback mit 507 PS
Allrad Mercedes GLE 2019 Weltpremiere Mercedes GLE (W167) Luxus-SUV ab 65.807 Euro Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker