Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021 Motorsport Images
Mercedes AMG W12 - F1 - 2021
Mercedes AMG W12 - F1 - 2021
Mercedes AMG W12 - F1 - 2021
Mercedes AMG W12 - F1 - 2021 23 Bilder

Probleme vor Start: Nachteile für Mercedes-Konzept

Kann Mercedes seine Probleme lösen? Nachteile für Mercedes-Konzept

Also doch. In einer Analyse haben die Mercedes-Ingenieure herausgefunden, dass die neue Aerodynamik-Regeln Autos mit geringer Abstellung wie dem Mercedes mehr schaden. Es kommen allerdings auch noch zwei andere Faktoren dazu.

Es war die Stunde des Basislagers. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas sammelten auf 304 Testrunden ungefähr 30 Gigabytes an Daten und viele Eindrücke. Die Erkenntnis daraus: Der Mercedes W12 ist in bestimmten Fahrsituationen nervös auf der Hinterachse. Dummerweise ließ sich daraus im Verlauf der Testfahrten noch kein Muster erkennen. Es war die Aufgabe der Ingenieure in der Fabrik, eine Antwort auf viele Fragen zu finden.

Zwölf Tage später sind die Probleme eingekreist, wenngleich auch noch nicht ganz eindeutig. Das Freitagstraining muss zeigen, wie genau die Analyse der Mercedes-Ingenieure und ihre Reaktion darauf in der Wirklichkeit ankommt. Laut Mercedes lässt sich die Instabilität im Heck auf drei Faktoren zurückführen: die Aerodynamik, die neuen Pirelli-Reifen und die Erkenntnis, dass die Fahrzeugentwicklung über den Winter nicht ganz den Erwartungen entsprach.

Toto Wolff - Mercedes - Formel 1
xpb
Die Mercedes-Teamführung sieht Red Bull derzeit im Vorteil.

Wolff fordert eine Reaktion

Teamchef Toto Wolff fasst den Zustand des Patienten nach 1645 Testkilometern zusammen: "Alles in allem waren es drei schwierige Testtage für uns. Der W12 war nicht so stabil und berechenbar und lag nicht so gut wie die Autos einiger unserer Konkurrenten. Red Bull sah sowohl auf längeren als auch auf kürzeren Versuchen stark aus, aber bei Testfahrten gilt natürlich immer, dass man die wahre Leistung der Autos nicht genau kennt."

Der Österreicher forderte von seiner Mannschaft: "Wir müssen nun unsere Reaktionsfähigkeit unter Beweis stellen. Sobald der dritte Testtag zu Ende war haben wir unsere Köpfe zusammengesteckt und damit begonnen, darüber nachzudenken, wie wir in wenigen Tagen stärker nach Bahrain zurückkehren können." Eines war von Anfang an klar: Die Zeit für ein magisches Upgrade war zu kurz.

Gutes Rennauto mit kleinen Fehlern

Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Mercedes W12 ist kein schlechtes Rennauto. Er hat auch keinen fundamentalen aerodynamischen Fehler. Den hätte man schnell erkannt. Hamilton und Bottas sprechen von einem guten Fundament. Es gerät nur hin und wieder aus den Fugen. Und da spielt die Aerodynamik eine gewisse Rolle.

Der Winkelschnitt des Unterbodens vor den Hinterrädern und das Verbot von Slots in der Bodenplatte in diesem Bereich trifft Autos mit einem geringen Anstellwinkel härter als ihre Gegenstücke. Autos wie den Mercedes oder den Aston Martin. Beide hatten deshalb bei den Testfahrten mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Für diesen Typ Auto ist es wichtig, den Unterboden so nah wie möglich um die Hinterreifen herumzubauen. Das garantiert eine optimale Versiegelung des Diffusors gegen die schädlichen Turbulenzen von den Hinterreifen. Ist die nicht gegeben, kommt es zu Abtriebsschwankungen.

Mercedes - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
xpb
Mercedes investierte viel Hirnschmalz in den Unterboden. Trotzdem wurde der Verlust noch nicht wie gewünscht kompensiert.

Wir reden bei der Anstellung der Autos zwischen den beiden Extremen von 110 bis 160 Millimeter Bodenfreiheit an der Hinterachse. Eigentlich minimal, aber eben doch einflussreich. Die Fraktion der geringen Anstellung kann nicht so einfach in das andere Lager wechseln. Würde man den Mercedes hinten so hoch stellen wie den Red Bull, wäre das ganze aerodynamische Konzept im Eimer.

Es ist deshalb kein Zufall, das Mercedes und Aston Martin mehr Arbeit in den vorderen Teil des Unterbodens investiert haben als die Konkurrenz. Mercedes mit einer Wellenform des Bodens, Aston Martin mit zwei bis drei Ebenen. Beides soll Wirbelschleppen erzeugen, um weiter hinten den Diffusor auf diese Weise abzudichten und die fehlende Fläche künstlich zu ergänzen. Offenbar noch nicht mit dem gewünschten Ergebnis.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Motorsport Images
Red Bull machte bei den Testfahrten eine bessere Figur als Mercedes.

Verstappen-Zeit außer Reichweite

Es wäre aber zu einfach, die Unpässlichkeiten des Silberpfeils allein mit der Aerodynamik zu erklären. Auch die neuen Pirelli-Reifen spielen eine Rolle. Sie haben vorne ein anderes Profil. Sie walken beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurvenfahrt wegen der steiferen Konstruktion anders als ihre Vorgänger. Auch das hat Einfluss auf die Strömung in den kritischen Bereichen. Und ihr Arbeitsfenster ist noch einmal kleiner geworden. Auf einem rauen Asphalt wie in Bahrain, heizen sich die Hinterreifen schneller auf. Und das führt zu Überhitzung und Gripverlust auf der Hinterachse.

Mercedes übt aber auch Selbstkritik. Offenbar waren die Entwicklungsschritte nicht so groß, wie man sich das selbst auf die Fahnen geheftet hatte. Was bei einem nahezu perfekten Vorgänger auch schwierig war. Vor allem, wenn dessen Konzept durch die geänderten Aerodynamikregeln gestört wurde.

Teamchef Wolff gibt zu, dass man die Rundenzeiten von Red Bull bei den Testfahrten nicht hätte fahren können. Auch wenn man abgetankt hätte. Beim Weltmeister geht man davon aus, dass Max Verstappen auf C5-Reifen eine Zeit von 1.28,3 gefahren wäre. Hamilton kam auf 1.30,0 Minuten. Mit reichlich Sprit im Tank allerdings.

Der starke Wind bei den Testfahrten verschärfte die Probleme bei Mercedes und Aston Martin noch. Der Wetterbericht für das GP-Wochenende reicht dem Titelverteidiger und seinem Satellitenteam keine helfende Hand. Für den Renntag sind starke Windböen vorausgesagt. "Schlimmer als beim Test", bestätigt Wolff. Der Erfolgsmanager fürchtet deshalb: "Bahrain könnte unsere schwierigste Strecke werden."

Mehr zum Thema Mercedes AMG F1
Lewis Hamilton - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Aktuell
Valtteri Bottas - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Aktuell
Lewis Hamilton - Mercedes - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
Aktuell
Mehr anzeigen