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Mercedes gegen Quali-Experimente

Wolff befürchtet Taktik-Tricks

Durch das Veto von Mercedes wurde die Einführung von Sprintrennen als Ersatz für das Qualifying verhindert. Teamchef Toto Wolff erklärt, warum er dem Experiment die Zustimmung verweigerte.

Die Idee ist nicht neu. Schon in der vergangenen Saison wurde hinter den Kulissen heiß über neue Quali-Varianten debattiert, um mehr Abwechslung in die Startreihenfolge zu bringen. Einer der Vorschläge sah vor, das Einzelzeitfahren durch ein Sprintrennen zu ersetzen, bei dem die in der WM bestplatzierten Fahrer von hinten losfahren müssen. Das Ergebnis soll dann die Aufstellung des Hauptrennens bilden.

Das Experiment sollte eigentlich in dieser Saison bei einigen ausgewählten Rennen ausprobiert werden. Doch als es in der Strategiegruppe zur Abstimmung kam, meldeten Mercedes und Red Bull Bedenken an. Das ganze verlief sich anschließend im Sande.

Eintönige Doppelrennen?

Nun fand das Thema erneut seinen Weg auf die Agenda. Die F1-Bosse befürchten, dass die Doppelschläge in Spielberg und Silverstone etwas eintönig werden könnten, was das Kräfteverhältnis angeht. Von dem 30-minütigen Sprintrennen als Quali-Ersatz erhoffte man sich zusätzliche Würze. Dieses Mal wäre Red Bull sogar an Bord gewesen. Teamchef Christian Horner signalisierte früh seine Unterstützung.

Doch bei Mercedes will man sich immer noch nicht auf das Experiment einlassen. Schon bei der ersten Diskussion des Themas im Rahmen der Telefonkonferenz der Teamchefs kündigte der Weltmeister an, dem Vorhaben die Zustimmung zu verweigern.

Toto Wolff - F1 - 2019
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Die Konkurrenz hätte das Experiment mit Sprintrennen statt Qualifying-Sessions gerne gewagt. Doch Mercedes ließ sich nicht umstimmen.

Dass ein Team, das in der Vergangenheit regelmäßig Siege eingefahren hat, nicht begeistert ist, wenn mehr Abwechslung geschaffen werden soll, ist nachzuvollziehen. Doch so einfach sei die Sache in diesem Fall nicht, betont Toto Wolff. Der Österreicher bringt gleich mehrere Argumente vor, warum man das Experiment nicht wagen will.

"Es gibt drei Gründe gegen die Veränderung des Quali-Formats", erkärt der 48-Jährige. "Ich verstehe persönlich nicht, warum immer wieder alte Ideen ausgegraben werden, die bereits analysiert wurden und für nicht richtig befunden worden sind. Es gibt dazu noch eine Umfrage, die von der Formel 1 selbst durchgeführt wurde. Da haben nur 15 Prozent der Fans gesagt, dass sie für eine umgekehrte Startreihenfolge sind."

Wolff gegen künstliche Gimmicks

Als Racer lehnt Wolff außerdem künstliche Spannungselemente ab: "Wir sind der Meinung, dass in der Formel 1 der schnellste Mann im schnellsten Auto gewinnen sollte und dass man sehr vorsichtig sein sollte, mit solchen Gimmicks rumzuspielen."

Der Mercedes-Sportchef befürchtet zudem, dass die Regeländerung nicht den gewünschten Effekt hätte. Einige Konkurrenten könnten ein falsches Spiel spielen und damit den WM-Kampf verfälschen, so die Warnung Wolffs: "Man stelle sich nur vor, jemand opfert den zweiten Mann in einem Rennen. Der startet dann von der Pole im Quali-Lauf am darauffolgenden Samstag und dann wahrscheinlich auch auf der Pole am Sonntag. Dann beginnt ein Spiel mit Strategien."

Bottas - Stroll - GP Ungarn 2019 - Budapest - Rennen
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Bei eine Quali-Rennen mit umgekehrter Startreihenfolge müssten sich schnelle Autos mühsahm durchs Mittelfeld kämpfen.

Das letzte Argument, das Wolff anführt, ist die hohe Unberechenbarkeit, die von der Maßnahme ausgeht. Der Wiener sieht eine Gefahr darin, wenn sich seine Piloten mühsam durch das Feld arbeiten müssen. "Mittelfeldteams, die mit dem Messer zwischen den Zähnen kämpfen, stellen für schnellere Autos, die von hinten kommen, ein erhöhtes Risiko dar, einen Ausfall zu haben", so Wolff.

Durch die Ablehnung von Mercedes wird es also nicht zu dem Experiment kommen. Weil es sich beim Umbau des Qualifying-Formats um eine massive Regeländerung handelt, wird Einstimmigkeit aller Beteiligten benötigt. Nun bleibt abzuwarten, ob die Formel 1 auch im normalen Modus für Action und Abwechslung sorgen kann.

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