Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2018 xpb
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Max Verstappen - Formel 1 - GP Mexiko 2018
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Mercedes in der Reifenfalle

Warum war Mercedes so langsam?

Lewis Hamilton wurde mit dem langsamsten Rennen des Jahres Weltmeister. Der neue Champion entging nur knapp der Überrundung. Der Silberpfeil kam einfach nicht mit den Reifen zurecht. Kein anderes Team kämpfte so mit Körnen wie Mercedes.

Ein Mercedes überrundet, der andere fast. Einer mit zwei, der andere mit drei Boxenstopps. Sieben Fahrer im Feld schafften die Distanz mit einem Reifenwechsel. Wenn Lewis Hamilton mit einem Rückstand von 1.18 Minuten auf Max Verstappen Weltmeister wird, dann kann etwas nicht stimmen.

Im Training fehlten dem Champion doch nur 0,135 Sekunden auf die Pole Position. Und sechs Runden vor Schluss drehte Valtteri Bottas die schnellste Runde. Das lässt schon die Schlussfolgerung zu: Am Auto lag es nicht.

Teamchef Toto Wolff fasste die Misere in einem Satz zusammen: „Wir hatten keine einzige Runde, in der wir die Reifen ins Arbeitsfenster bekommen haben.“ Die Reifen wurden nicht zu heiß, wie es ein paar Mal in dieser Saison passiert ist. Sie waren zu kalt. Und damit setzte jener Prozess ein, den die Engländer „Graining“ nennen, was korrekt übersetzt „Körnen“ heißt.

Dabei schälen sich mehr oder weniger große Gummischnipsel von der Lauffläche. Die Reifen beginnen dann auf ihrem eigenen Unrat zu rollen, was dramatisch den Grip verringert. Wenn genug Gummi abgerubbelt ist, hört das Körnen wieder auf. Normalerweise. Doch bei Mercedes war nichts normal an Hamiltons Jubeltag.

Körnen bis kein Gummi mehr da war

Es gab keinen im Feld, der nicht über dieses Problem geklagt hätte. Nur bei Mercedes war es besonders schlimm. Ein Ingenieur erklärte: „Abtrieb und Motorleistung stimmten. Das hat man in den ersten sechs Runden im Vergleich zu Ferrari gesehen. Doch dann begannen die Probleme. Wir haben die Oberfläche der Reifen zerstört. Alle hatten links vorne Probleme. Wir auch, nur schlimmer. Dazu noch auf den Hinterreifen.“

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
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Hamilton hatte keine Chance, sich gegen Red Bull und Ferrari zu wehren.

„Während sich bei den anderen das Problem irgendwann von selbst löste, wurde es bei uns schlimmer bis hin zu dem Stadium, dass sich das Körnen immer tiefer in die Reifen fraß und schließlich kein Gummi mehr übrig war.“ Mercedes konnte die Uhr danach stellen, wann es anfing. „Immer nach der gleichen Zeitspanne, unabhängig von den Rundenzeiten oder der Gummimischung.“

Verschwörungstheoretiker werden jetzt sagen, aha, das hat mit den ominösen Felgen zu tun mit diesem Distanzstück und den Löchern zum Kühlen der Räder und Reifen. Mercedes zeigte die Felgenentwicklung zum ersten Mal in Spa, stopfte aber in Austin und Mexiko die umstrittenen Kühl-Löcher, weil Ferrari bei der FIA Bedenken angemeldet hatte.

Tatsächlich haben die Reifenprobleme der letzten beiden Rennen nichts miteinander zu tun. Und schon gar nicht mit den gelochten Distanzstücken in den Felgen. In Austin warfen die Reifen Blasen, weil sie zu heiß wurden. In Mexiko bremste Mercedes das Körnen, weil der Gummi nicht in sein Arbeitsfenster rutschte. Für den GP USA gab es eine Erklärung, für Mexiko gibt es noch keine.

Kein zweiter Satz Supersoft

Ein weiteres Mysterium im Reifendrama ist, dass es am Freitag noch nicht auftrat. Dabei waren die Mercedes da noch komplett neben der Spur. Den Autos fehlte es an Grip, weil die Verkleidung aus Gründen der Kühlung extrem offen gefahren werden musste und weil das mechanische Setup für die langsamen Kurven nicht passte.

Die Leistung der Motoren wurde wegen der hohen Temperaturen signifikant reduziert. „Aber nicht um so viel, dass sich die Probleme nicht da schon hätten andeuten müssen. Warum es da nicht passierte, ist ein weiteres Rätsel, das wir zu klären haben“, schüttelten die Ingenieure ratlos mit dem Kopf.

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
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Nur bei den Donuts nach dem Rennen wurden die Reifen zu heiß.

Es hätte auch nichts geholfen, wenn sich Mercedes wie Red Bull zwei Satz frische Supersoft-Reifen aufgehoben hätte und damit nicht gezwungen worden wäre, für den dritten Stint auf gebrauchte Ultrasofts zu wechseln. Das Körnen machte auch vor der härtesten Mischung im Angebot nicht halt. Hamilton fuhr 36, Bottas 37 Runden damit. Dann waren die Reifen am Ende.

„Wir hätten uns einen zweiten Satz Supersofts zurückhalten können, wenn wir im zweiten Training auf einen Supersoft-Longrun mit Lewis verzichtet hätten. Aber dann hätten wir keine Informationen über diesen Reifentyp gehabt. Und am Freitag sah es für uns auch noch nicht danach aus, dass wir vielleicht zwei Mal Supersoft-Reifen brauchen könnten“, erklärte Chefingenieur Andrew Shovlin.

Mercedes ging wie Red Bull und Ferrari mit dem Plan eines Einstopp-Rennens an den Start. „Ferrari hat es mit Räikkönen geschafft, Red Bull war mit Ricciardo drauf und dran. Bei uns unmöglich. Wir mussten Bottas sogar ein drittes Mal reinholen, weil die Hinterreifen zu stark vibriert haben.“

Im Gegensatz zu Renault und Ferrari fuhr Mercedes von der Motorleistung auf der sicheren Seite. Hamilton brauchte ja nur 6 Punkte, und ein Ausfall mit Motorproblemen hätte Ferrari und Vettel vielleicht noch die zweite Luft gegeben. Der Verzicht auf Power hat aber nach Aussage der Ingenieure nichts mit dem ungewöhnlich großen Rückstand zu tun. „Dafür hätten wir schon um 200 PS zurückdrehen müssen.“

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