Lewis Hamilton - GP Spanien 2021 xpb
Ferrari - Formel 1 - GP Spanien 2021
Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021
Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021
Red Bull - Formel 1 - GP Spanien 2021 18 Bilder

Mercedes: Das Geheimnis der richtigen Reifenwahl

Das Geheimnis der Reifenwahl Mercedes setzt auf harte Reifen

Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses von Mercedes liegt dieses Jahr in der Wahl der Reifen. Schon im Freien Training am Freitag werden die Weichen für eine erfolgreiche Strategie am Sonntag gestellt. Wir blicken hinter die clevere Wochenendplanung des Weltmeisterteams.

Die drei Siege von Mercedes und Lewis Hamilton über Red Bull und Max Verstappen haben viele Väter. Die Rennstrategie gehört auch dazu. Und die beginnt nicht erst mit dem Start oder der Wahl der Reifenfolge im Rennen. Die Weichen dafür werden schon am Freitag gestellt.

Es kommt nämlich darauf an wie viele der acht Garnituren Soft, drei Sätzen Medium und zwei Posten harter Reifen sich die einzelnen Teams in welcher Zusammenstellung für das Rennen reservieren. Das bestimmt am Ende, wie flexibel der Kommandostand bei seiner Strategie ist. Für Qualifikation und Rennen bleiben immer sechs Garnituren übrig. Eine der härteren Mischungen ist Pflicht.

Die Entscheidung darüber fällt schon am Freitag. Da zeigt sich bei den Longruns, wie die einzelnen Reifentypen auf der jeweiligen Strecke verschleißen und Grip verlieren und ob die Simulationen auch in der Realität Bestand haben. Auch die Wettervorhersage kann eine Rolle spielen. Je nach den prognostizierten Temperaturen gibt man den Reifentypen mit dem entsprechenden Arbeitsfenster den Vorzug.

Mercedes mit mehr Strategie-Optionen

Das Thema der Reifenzusammenstellung kam nach dem GP Spanien wieder in die Schlagzeilen. Weil es beim vierten WM-Lauf den Ausgang des Rennens mit entschieden hat. Beim Startreifen war der Fall klar. Alle mit Ausnahme von Kimi Räikkönen sind mit der weichen Mischung losgefahren.

Mercedes hatte sich für den Rest des Rennens für Lewis Hamilton und Valtteri Bottas jeweils den obligatorischen harten Satz Reifen reserviert, dazu einen neuen und einen gebrauchten Satz Medium und drei angefahrene Garnituren Soft.

Sergio Perez - Formel 1 - GP Spanien 2021
Red Bull
Red Bull hatte sich für das Rennen in Barcelona nur einen Satz Mediums aufgehoben.

Red Bull ging einen anderen Weg. Max Verstappen konnte zwischen dem harten Reifen, einem neuen Satz Medium, einer frischen Einheit Soft und drei gebrauchten Garnituren von Pirellis weichster Mischung wählen. Bei Sergio Perez fehlte der frische Satz Soft. Der Mexikaner brauchte in der Qualifikation alle weichen Reifen auf.

Prinzipiell machen die Teams bei ihren Fahrern keine Unterschiede. Es gibt in Bezug auf die Reifenzusammenstellung einen Weg, und der muss für beide passen. Unterschiede ergeben sich nur dann, wenn einer der beiden Fahrer in der Qualifikation in der Lage ist, sich von einer bestimmten Sorte sich einen frischen Satz mehr aufzuheben.

In Barcelona machte der Vorteil von Mercedes bei den Medium-Reifen im Rennen den Unterschied aus. Bei einem Einstopp-Rennen wäre es egal gewesen. Bei zwei Stopps aber schränkte es Red Bull im Timing des zweiten Boxenstopps ein. Das Boxenstopp-Fenster zu Charles Leclerc ging schon in der 42. Runde auf. Doch das war für einen Soft-Reifen noch zu früh. Und den harten Gummi wollte keiner anfassen.

Red Bulls Krieg mit der C2-Mischung

Hätte Verstappen Hamiltons Undercut antizipiert, hätte es Mercedes mit einem einzigen Stopp versucht. Es wäre ihnen auch gar nichts anderes übriggeblieben. Selbst wenn es schiefgeht, wäre Hamilton noch Zweiter geworden. Er war ja abgesichert durch Bottas.

Die Frage lautet, ob Verstappen in der Lage gewesen wäre, auf der weichsten Mischung 24 Runden lang Tempo zu machen und am Ende noch immer so viel Reifengummi übrig zu haben, um Hamilton zu überholen. Andersherum war es die einfachere Aufgabe. Hamilton machte mit seinem zweiten Satz Medium pro Runde 1,4 Sekunden auf Verstappen gut und holte den Gegner fünf Runden früher ein als prognostiziert.

Red Bull - Formel 1 - GP Spanien 2021
xpb
Im Freien Training deutete noch nichts darauf hin, dass der GP Spanien ein Zweistopp-Rennen wird.

Red Bull mag zwei Gründe gehabt haben, lieber auf Soft-Reifen zu setzen als auf einen zweiten Satz Medium. Die Longruns am Freitag deuteten klar auf ein Einstopp-Rennen. Die Abnutzung war überraschend gering, und der Wetterbericht lief auf kühlere Temperaturen am Sonntag hinaus. Auch Mercedes ging von einem Einstopp-Rennen aus, traute dem Braten aber nicht ganz und ging bei der Reifenwahl lieber auf die konservative Seite.

Der Medium war in Barcelona die C2-Mischung. Mit der steht der Red Bull RB16B auf Kriegsfuß. Der versagte schon in Portugal als Startreifen. Hamilton fuhr Verstappen im ersten Stint um fünf Sekunden davon. Auf der harten C1-Mischung konnte Verstappen den Rückstand sogar wieder leicht verringern. Ein Indiz dafür, dass Mercedes nicht generell sondern nur auf einer bestimmten Reifensorte schneller war.

Auf dem Mercedes dagegen funktioniert die C2-Variante aus Pirellis Angebot wunderbar. Das hat sich in Barcelona wiederholt. Laut Mercedes kann es kein grundlegendes Feature sein, dass Mercedes mit härteren Reifentypen besser klarkommt. "Auf dem C1-Reifen in Portugal war Red Bull schneller als wir." Also muss es etwas mit dieser speziellen Gummimischung zu tun haben, dass Red Bull nicht damit klarkommt.

Mercedes priorisiert härtere Reifen

Schon in Bahrain versuchte Red Bull den C2-Reifentyp so weit wie möglich zu umgehen. Dort war er die harte Option. Mercedes hob sich zwei Garnituren Hart für das Rennen auf. Red Bull beließ es bei einer Garnitur dieser Sorte, sparte sich stattdessen lieber einen frischen Medium (C3) vom Munde ab. Den verwendete man im Mittelstint, was bedeutete, dass man im Schlussspurt auf den ungeliebten C2-Reifen gehen musste. Verstappen war zwar schneller als Hamilton, aber nicht in dem Maß wie man es bei einem Reifendelta von elf Runden erwarten musste.

Mercedes - Formel 1 - GP Portugal 2021
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Während Red Bull mit der C2-Mischung auf Kriegsfuß steht, kommt Mercedes damit blendend zurecht.

Nach Meinung von Mercedes hat der WM-Gegner schon in Bahrain den Fehler gemacht, sich tendenziell lieber mit weichen Reifen für den Sonntag einzudecken. "Wir haben in Bahrain und in Spanien davon profitiert, dass wir den härteren Reifen den Vorzug gaben. Das Rennen ist bei der Reifenwahl wichtiger als die Qualifikation. Mit Verstappen wären sie besser dagestanden, wenn sie unsere Reifenwahl getroffen hätten."

Während Mercedes und Red Bull mit den Reifen oft getrennte Wege gehen, herrscht eine Etage tiefer Einigkeit. Ferrari und McLaren haben vor dem Rennen meistens die gleiche Auswahl parat. Im Vergleich von Charles Leclerc zu Lando Norris gab es nur beim Saisonauftakt einen Unterschied. McLaren hielt für Norris zwei Satz Medium bereit, Ferrari für Leclerc nur einen. Das Rennen bestritten beiden mit der gleiche Reifenfolge: Soft-Medium-Hart. Es stellte sich schnell heraus, dass sich der harte Reifen, der in Bahrain ein C2 war, als der beste Rennreifen herausstellte. Nur für Red Bull nicht.

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