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Mercedes kommt mit blauem Auge davon

Hamilton verteidigt WM-Führung

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Monaco 2018 - Rennen Foto: sutton-images.com 61 Bilder

Mercedes hatte nur das drittschnellste Auto in Monte Carlo. Trotzdem fahren die WM-Spitzenreiter mit einem dritten und fünften Platz nach Hause. Einhellige Meinung: Es hätte schlimmer kommen können. So wie im letzten Jahr.

27.05.2018 Michael Schmidt

Monte Carlo mag Mercedes nicht mehr. Schon im letzten Jahr waren die Silberpfeile nur dritte Kraft im Fürstentum. Das Vorzeigerennen im Kalender wurde mit den Plätzen 4 und 7 eines der schlechtesten der Saison. Auch in diesem Jahr hatten Red Bull und Ferrari schnellere Autos im Stadtverkehr. Doch Lewis Hamilton und Valtteri Bottas brachten als Dritter und Fünfter 7 Punkte mehr als 2017 aus dem Fürstentum. „Wenn du nur das drittschnellste Auto hast und fast Zweiter wirst, musst du zufrieden sein“, redete sich Lewis Hamilton das Resultat schön.

Warum Mercedes mit den breiten Autos und breiten Reifen in Monte Carlo nicht mehr so stark ist wie in den Jahren 2014 bis 2016, vermag keiner zu sagen. Ist es der lange Radstand, das Aerodynamik-Konzept, die mechanische Balance des Autos? „Bei aller Wissenschaft, die wir im Team betreiben, wissen wir nicht, warum wir auf Stadtkursen nicht im die Ecken kommen“, gab Teamchef Toto Wolff zu. Hamilton assistierte: „Wir haben aus diesem Wochenende das Maximum herausgeholt und nur drei Punkte auf Vettel verloren. Das zeigt, wie gut unser Team funktioniert.“

Hamilton und Wolff sprechen von einem echten Dreikampf, der jetzt um den Titel entbrennt. „Red Bull und Daniel zählen dazu“, urteilt Hamilton. Der Titelverteidiger schätzt im Vergleich aber Vettel und Ferrari als den stärkeren Gegner ein. „Ferrari hat auf allen Strecken ein gutes Auto. Dass Red Bull in Monte Carlo überlegen sein wird, war zu erwarten. Sie haben aber größere Schwankungen. Wenn sie vom Motor aber noch Power finden, können sie echt gefährlich werden.“

Hamilton flogen die Reifen um die Ohren

Mercedes machte sich vor dem Rennen in Monte Carlo zurecht Sorgen um die Reifen. Bei Lewis Hamilton begann der erste Satz Hypersoft schon nach wenigen Runden einzubrechen. In der 12. Runde zogen die Ingenieure die Reißleine. „Die Reifen haben zu stark gekörnt. Sie waren am Ende. Wir mussten Lewis reinholen, bevor Ferrari mit Kimi versucht einen Undercut zu machen“, erzählten die Strategen. Hamilton mochte es kaum glauben: „Ich habe nie richtig Druck gemacht, weil ich um die Probleme mit den Vorderreifen wusste. Obwohl ich langsam gefahren bin, haben die Reifen gekörnt.“

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Monaco 2018 - Rennen Foto: xpb
Hamilton betrieb Schadensbegrenzung in Monte Carlo.

Mercedes gab seinem Weltmeister eine Garnitur Ultrasoft-Gummis mit auf die lange Reise. Hamilton konnte sich nicht vorstellen, damit das Rennen zu Ende zu fahren. „Nach 20 Runden haben die Ingenieure gesagt: Du musst noch 48 Runden durchhalten. No way, habe ich geantwortet. Ich musste die ganze Zeit meine Reifen managen.“ Hamilton hätte bei seinem Boxenstopp besser wie sein Teamkollege Valtteri Bottas einen Satz Supersoft bekommen. „Der Reifen sah am Donnerstag nicht gut aus. Ich war selber überrascht, wie gut der am Sonntag ging“, wunderte sich Bottas. „Es war der beste der drei Reifen für das Rennen. Leider hing ich hinter Kimi fest. Sonst hätte ich eineinhalb Sekunden pro Runde schneller fahren können.“

Bei Hamilton verzichteten die Strategen auf diesen Schachzug. Der Engländer hatte diesen Reifentyp am Donnerstag noch als „gefährlich“ bezeichnet, so wenig Grip, wie die Supersofts da geliefert haben. Doch im Rennen war der Asphalt um 8 Grad kühler. Und es kam immer mehr Gummi auf die Bahn. Das kam dem härtesten Reifen im Angebot entgegen. „Wir hatten Sorge, der Supersoft würde zu lange brauchen, bis er auf Temperatur kommt. Weil wir auf keinen Fall hinter Räikkönen fallen wollte, haben wir Lewis die weichere Mischung gegeben.“

Hamilton wartete umsonst auf eine Überraschung

Hamilton klagte über einsame 78 Runden. Zunächst hing der Engländer im D-Zug hinter Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel fest. Ricciardo fuhr am Anfang so schnell, wie er musste und später, als ihm die MGU-K ausstieg, so schnell wie er konnte. Als Ricciardo nach den Boxenstopps kurz das Tempo anzog, fiel Hamilton bis auf 9,5 Sekunden zurück. Erneut fuhr der Weltmeister wie auf rohen Eiern, um das Körnen so weit wie möglich zu kontrollieren. 20 Runden später war er wieder dran. Der Mann an der Spitze musste auf 163 PS verzichten. Die gemäßigte Gangart nötigte Ricciardos Verfolger ebenfalls zum Langsamfahren.

Hamilton glaubte immer an seine Siegchance. „Ich sagte mir, dass irgendetwas schon noch passieren wird. Schließe auf , damit du profitieren kannst, wenn es so weit ist.“ Hamilton wartete umsonst. Ein Angriff auf Vettel war zwecklos. Ferrari hatte das schnellere Auto. In den letzten 20 Runden wurde die Lücke wieder größer. Valtteri Bottas hätte mit seinen Supersoft-Reifen zum Helden werden können, doch er blickte das ganze Rennen lang in den Auspuff von Räikkönen. „Zwei Mal hatte ich das Gefühl, dass ich es auf der Zielgerade probieren sollte. Doch Kimi hat keine Fehler gemacht. Der Ferrari kam gut aus der letzten Ecke, und am Ende der Zielgeraden ist es relativ einfach die Türe zuzuhalten, weil dort die Strecke so schmal ist.“

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