Lewis Hamilton - GP Belgien 2020 Wilhelm
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Mercedes im Schongang

In Spa für Monza gespart

Die Mercedes-Piloten fuhren beim GP Belgien nur so schnell, wie sie mussten. Nicht nur, weil Lewis Hamilton und Valtteri Bottas Reifen schonen mussten. Mercedes sparte sich schon Motor-Power für die neuen Regeln ab Monza.

Mercedes hat auf der Rennstrecke nur einen Gegner. Nur Max Verstappen hält die Silberpfeile wach. Alle Rennstrategien sind auf den Red Bull-Piloten ausgerichtet. Um den Rest des Feldes muss sich Mercedes nicht kümmern. Der liegt zu weit zurück. In den ersten sechs Rennen hat der Titelverteidiger in den Qualifikationsrunden im Schnitt 0,15 Sekunden pro Kilometer auf Verstappen gewonnen. Im Rennen schrumpfte der Vorteil auf die Hälfte.

In Spa drehte sich das Bild. Verstappen verfehlte die Pole Position nur um eine halbe Sekunde. Macht pro Kilometer einen Rückstand von 0,07 Sekunden. Und das auf einer Strecke, die von der Motorleistung her eher Mercedes favorisierte. Nach der alten Rechnung hätte Verstappen den Mercedes-Piloten im Rennen noch mehr einheizen müssen. Selbst der Titelverteidiger rechnete damit. Tatsächlich aber wuchs der Rückstand des Red Bull-Piloten am Sonntag an. "Wir waren überlegener, als wir dachten", hieß es bei Mercedes.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Belgien 2020 - Spa-Francorchamps
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Valtteri Bottas musste Max Verstappen nur für ein paar Runden fürchten.

Im Würgegriff der Schadensmatrix

Man darf sich von den 15,4 Sekunden von Verstappen auf Sieger Lewis Hamilton nicht täuschen lassen. Und auch nicht davon, dass Valtteri Bottas sogar kurz im Undercut-Fenster des Red Bull-Piloten lag. Hamilton und Bottas mussten aus Angst um die Reifen den gesamten zweiten Stint langsam fahren. "Nur als Verstappen in der 25. Runde auf Valtteri bis auf eineinhalb Runden aufgeschlossen hat, haben wir unseren Jungs gesagt, dass sie für ein paar Runden das Reifenmanagement vergessen dürfen und ein bisschen Vorsprung herausfahren müssen", verrät Chefingenieur Andrew Shovlin. Tatsächlich fuhr Bottas seinem Verfolger innerhalb von sechs Runden auf 3,5 Sekunden davon. Damit war das nötige Sicherheitspolster wieder erreicht.

Die Ingenieure erklärten nach dem Rennen, dass Hamilton und Bottas die meiste Zeit sechs bis sieben Zehntel langsamer fuhren, als sie gekonnt hätten. Das hatte nicht nur etwas mit den Reifen zu tun. Mercedes bereitete sich bereits auf die neue Motor-Regel vor, die ab dem GP Italien gilt. Dann darf nur noch ein Motor-Modus von Beginn der Qualifikation bis zum Ende des Rennens eingesetzt werden. Die Gegner freuen sich schon, dass der Titelverteidiger damit eine seiner Trumpfkarten verliert. Doch sie könnten sich täuschen.

Alle werden Federn lassen. Es ist ja nicht so, dass nur der heiße Qualifikations-Modus verschwindet und am Samstag alle so fahren, wie sie das normalerweise am Sonntag tun. Für jedes Motorleben, das bis zu 5.000 Kilometer lang ist, gibt es eine Schadensmatrix. In der ist genau vermerkt, wie lange die unterschiedlichen Power-Stufen über die gesamte Einsatzdauer gefahren werden dürfen. Was man heute verballert, bekommt man morgen nicht mehr zurück.

Die höchste Leistungsstufe fügt dem Motor auch den größten Schaden zu. Deshalb kommt sie an einem Wochenende nur ganz selten zum Einsatz. Im Q3, beim Start, nach einem Safety Car, beim Angriff oder Verteidigen in einer entscheidenden Rennsituation. Wenn es hochkommt, sind das fünf Runden über zwei Tage. Wenn die Motorenhersteller sich die heißen Runden ab Monza sparen, gewinnen sie in den niedrigeren Power-Stufen entsprechend mehr dazu. Wer wie Mercedes oben mehr herzuschenken hat, kann weiter unten entsprechend draufpacken.

Lewis Hamilton - GP Belgien 2020
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Die Mercedes-Piloten nutzten den heißesten Power-Modus am Start.

Bottas hätte sich selbst geschadet

Weil die Regel zunächst Motoren betrifft, die bereits im Einsatz sind, wurde schon in Spa entsprechend gespart. Viele Teams brachten dort ihr zweites Motoren-Kit erstmals zum Einsatz. Die Mercedes-Piloten hatten nach der Qualifikation für das Rennen nur noch zwei Schüsse frei. Einen für die Startrunde, den anderen für eine Notsituation im Rennen. So wurde es den Piloten bei der morgendlichen Strategiesitzung auch erklärt. Bottas muss da wohl geschlafen haben. Als man ihm in der 6. Runde auf Anfrage den Power-Modus verweigerte, war der Finne erstaunt, dass er ihn nicht im Duell mit Hamilton einsetzen durfte. "Der ist nicht für einen Zweikampf untereinander", wurde Bottas am Funk belehrt. Und der wunderte sich: "Davon habe ich noch nie gehört."

Besondere Umstände verlangen besondere Regeln. Mercedes baute in Spa schon für Monza und die weiteren Rennen vor. Wer so überlegen ist, hat den Luxus zum Verzicht. Die Ingenieure klärten auf: "Es gibt beim Motor einen Deal. Wenn du dir heute mehr nimmst, schadest du dir morgen." Auf Spa bezogen hieß das. "Wir hatten schon die Rennen ab Monza im Hinterkopf und wollten die Motoren so jungfräulich wie möglich in die neue Epoche bringen. Jede scharfe Runde mehr hätte uns später gekostet."

Deshalb hatten Hamilton und Bottas nach der Startrunde nur noch je einen Einsatz des Power-Modus in der Hinterhand. Und der sollte nach Absprache nur für einen Re-Start nach einer SafetyCar-Phase oder im direkten Duell mit Verstappen, falls nötig, verwendet werden. "Valtteri hätte sich nur selbst geschadet, hätte er ihn gegen Lewis eingesetzt."

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