Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Monaco - 27. Mai 2017 sutton-images.com
Stoffel Vandoorne - McLaren - Formel 1 - GP Monaco - 27. Mai 2017
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Romain Grosjean - HaasF1 - Formel 1 - GP Monaco - 27. Mai 2017 93 Bilder

Mercedes steht vor Rätsel

Hamilton in der Reifenfalle

Mercedes ist verwirrt. Valtteri Bottas heizte im letzten Versuch den Ferrari ein. Monaco-Spezialist Lewis Hamilton flog schon im Q2 aus der Wertung. Im Verdacht stehen die Reifentemperaturen. Es gibt aber keine Erklärung dafür.

So viele Fragen. Und so wenige Antworten. Es kommt selten vor, dass Toto Wolff und Lewis Hamilton bei der Presserunde von Mercedes gemeinsam auftreten. Diesmal brauchte der eine den Beistand des anderen, denn das Thema ist so komplex, dass es weder der Teamchef, der Fahrer noch die Ingenieure erklären können.

Während Wolff und Hamilton einen 13. Startplatz einordnen mussten, büffelten die Ingenieure in den Büros über der Boxengarage über ihren Daten. Zwei Stunden nach Ende der Qualifikation hatten sie noch keine Antwort gefunden, warum Valtteri Bottas in seiner letzten Runde bis auf 2 Tausendstel an Sebastian Vettel herankam, Lewis Hamilton aber nach dem Q2 schon Zuschauer war. Dabei stand Bottas bisher mit dem Stadkurs des Fürstentums auf Kriegsfuß. Hamilton dagegen gilt nach den Siegen 2008 und 2016 als Monaco-Spezialist.

Und jetzt diese Diskrepanz, die gegen jegliche Papierform spricht. Generell machte Mercedes nur im ersten freien Training eine überzeugende Figur. Dann ging der Faden verloren. Die Fahrzeugabstimmung für das zweite Training war ein Griff in die falsche Schublade. Sie konnte im dritten Training nur teilweise korrigiert werden.

Hamilton blieb nach seinem Ausscheiden minutenlang in seinem Auto sitzen. „Ich war platt. All diese Vorbereitung in dieses Wochenende, in das Auto. Wenn du nicht ins Q3 kommst, ist das Wochenende praktisch schon gelaufen. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass Valtteri für das Team gewinnt.“

Auch Bottas wirkte bis zuletzt nicht wie ein Herausforderer für die Ferrari. Seine drittschnellste Zeit in der letzten Runde kam wie aus heiterem Himmel. Toto Wolff warnt deshalb, Mercedes auf eine Stufe mit Ferrari zu stellen: „Vettel wäre ohne seine Probleme sicher schneller gewesen. Wenn ich die Aufnahmen aus der Bordkamera als Maßstab heranziehe, dann berühren die zwei Ferrari-Fahrer kaum das Lenkrad. Wir müssen richtig kämpfen.“

Mal im Reifen-Fenster, mal draußen

So wenig wie Mercedes erklären konnte, warum bei Bottas in letzter Minute der Knoten platzte, so ratlos war man im Fall Hamilton. „Es hat alles mit den Reifen zu tun“, ist sich Hamilton sicher. Der Engländer gab zu: „Es gibt da gewisse Parallelen zu Sotschi. Auch da hatte ich im Vergleich zu Valtteri Mühe, die Reifen in ihr Fenster zu bringen. Unsere Reifentemperaturen lagen teilweise um bis zu 8 Grad auseinander.“

Hamilton wollte daraus aber nicht schließen, dass er generell auf Strecken mit engen Kurven ein Problem hat: „Im ersten Training hat es gut funktioniert. Danach war alles wie weg geblasen.“ Das Problem auf zu kalte oder zu heiße Reifen zu reduzieren, wäre aber zu simpel gedacht. „Es ist mehr als das. Generell sind sie zu kalt. Mal vorne, mal hinten, mal nur ein Reifen, mal mehrere. Es kann sich während einer Runde ändern. Wir verstehen auch nicht, warum das eine Auto betroffen ist, und das andere nicht. Die Setups waren identisch.“

Toto Wolff ergänzte: „Wir tun uns schwer, beide Achsen zur gleichen Zeit zum Arbeiten zu bringen. Mal sind wir im Fenster, mal draußen. Bei Valtteri war es am Anfang das gleiche. Je länger die Qualifikation dauerte, umso besser wurde es. Vielleicht lag es daran, dass er über die Zeit die Reifen besser verstanden und seinen Fahrstil angepasst hat.“

Hamilton dagegen haderte schon über Funk mit seinem Mercedes. Der dreifache Weltmeister kam nach einem Quersteher in der Massenet-Kurve, der um ein Haar in der Leitplanke geendet hätte, aus freien Stücken an die Box. „Leute, da stimmt was mit dem Auto nicht.“

Trotz einer kurzen Inspektion blieb das ungute Gefühl. Der Mercedes fühlte sich mal wieder wie ein Auto in zwei Teilen an. Wenn in Monte Carlo das Vertrauen fehlt, dann kann auch ein Hamilton keine Wunder wirken.

Martin Brundle glaubt, dass es besser gewesen wäre, wenn Hamilton auf der Strecke geblieben wäre. „Lewis zieht sich da gerne mental etwas runter. So als ob sich alles gegen ihn verschworen hätte. Wenn er weiter fährt, kommen die Reifen irgendwann vielleicht in ihr Fenster.“

Mercedes W08 benimmt sich wie eine Diva

Mercedes hat also sein Reifenrätsel immer noch nicht gelöst. In Spanien hatte es nur scheinbar danach ausgesehen. Doch die Ingenieure hatten bereits dort gewarnt: „Hätten wir die Reifen im Griff gehabt, wäre Bottas nicht so langsam gewesen. Das konnten wir genauso wenig erklären wie seinen schlechten Speed in Bahrain.“

Es trifft also nicht immer nur Hamilton. Wolff bringt das Problem auf eine griffige Formel: „Unser Auto ist eine Diva. Ferrari trifft das Reifenfenster immer und überall. Wir brauchen zu lange dafür. Das liegt in der DNA des Autos. Wahrscheinlich sind es Kleinigkeiten im Setup, die den Ausschlag geben.“

Wenn es nicht mal die Spezialisten im Team wissen, ist jeder Erklärungsversuch Kaffeesatzleserei. Der lange Radstand ist es nach Aussage der Techniker nicht. „16 Zentimeter Unterschied zu Ferrari und 26 Zentimeter zum Vorjahr können nicht den Unterschied ausmachen.“

Wolff sieht darin auch nicht den Schlüssel zur Lösung des Mysteriums: „Wenn wir Schnellster gewesen wären, hätten alle Leute gesagt, dass der lange Radstand hilft. Jetzt werden sie sagen, dass er daran schuld ist.“

Da könnte schon eher der geringe Anstellwinkel einen Ansatz bieten. Mercedes fährt auf der Hinterachse mit deutlich weniger Bodenfreiheit als Ferrari oder Red Bull. Das resultiert auch in weniger Federweg. Sonst würde auch die komplexe Aerodynamik nicht so funktionieren wie sie soll. Ferrari profitiert offensichtlich auch da von einem größeren Fenster. Und dank des Federwegs von einer besseren Nutzung der Reifen und besserem mechanischen Grip.

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