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Mercedes stolpert in Sotschi: Hamilton in der Wand

Mercedes bremst sich selbst aus Hamilton zwei Mal in der Wand

GP Russland 2021

Mercedes schien die erste Startreihe garantiert. Bis fünf Minuten vor Schluss fuhren Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auch dem Feld auf und davon. Dann stolperten sie darüber, dass Mercedes die sichere Karte spielen wollte.

Eine solche Überlegenheit eines Autos hat diese sonst so ausgeglichene Formel 1-Saison noch nicht erlebt. Mercedes ist der Konkurrenz im Sochi Autodrom in allen Belangen einen Schritt voraus. Auf eine Runde und im Longrun, auf Intermediates und auf Slicks. Trotzdem landeten die beiden Silberpfeile nicht wie erwartet in der ersten Startreihe, sondern nur auf den Plätzen 4 und 7.

WM-Konkurrent Red Bull hat sich heimlich gefreut. Ein besseres Geschenk konnte sich Max Verstappen gar nicht wünschen. Für ihn stand von Anfang an fest, dass er wegen des Motorwechsels von ganz hinten starten muss. Deshalb drehte er im Q1 auch nur zwei langsame Runden auf Intermediates. Egal, was er auf die Bahn gezaubert hätte, es wäre nur für die Galerie gewesen. Einziger Wermutstropfen: Kollege Sergio Perez wird ihm vom 9. Startplatz keine große Hilfe sein. Ein Fehler des Teams und des Fahrers sorgten für den Absturz nach einem guten Q1 und Q2.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi - Qualifikation
Wilhelm
Nach dem Einschlag in der Tecpro suchte Hamilton nach Schäden am Heck.

Mercedes aus dem Rhythmus

Alles, was bei Mercedes nicht nach Plan läuft, konnte Verstappen nur Recht sein. Er musste mit einem klaren Doppelsieg seiner Kontrahenten rechnen. Und bis fünf Minuten vor Ablauf des Q3 sah es auch so aus. Doch dann stellte sich in dem Moment, in dem Williams-Fahrer George Russell als erster Fahrer auf Slicks wechselte, alles auf den Kopf. In schneller Folge kamen jetzt alle zum Reifenwechsel an die Box. Auch Mercedes. Doch viel zu spät.

Hamilton und Bottas lief die Zeit davon, weil sie als erste ins Q3 gegangen waren. Das klingt wie ein Widerspruch. Eine Sicherheitsrunde auf Intermediates war Pflicht. Damit waren inklusive der Aufwärm- und Abkühlrunde schon mal sechs Minuten netto weg. Mercedes hatte an der Spitze des Q3-Zuges nun die Qual der Wahl. Entweder auf Nummer sicher spielen und eine zweite Intermediate-Runde draufsetzen oder dem Beispiel von Russell folgen und sofort auf Slicks zu setzen.

Die Strategen entschieden sich für die sichere Variante. Doch als Hamilton und Bottas auf ihrer zweiten Intermediates-Runde unterwegs waren, wurde klar, dass man für die Pole Position die weichen Slicks brauchen würde. Und für die musste man sofort an die Box. Hamilton brach seine Runde ab, obwohl er fünf Zehntel unter seiner bisherigen Bestzeit lag. "Uns war klar, dass die Zeit nicht für die Slick-Zeiten reichen würde", erklärte Teamchef Toto Wolff.

Hamilton streitet Druck ab

Die Planänderung brachte die Mercedes-Piloten aus der Sequenz der anderen. In der Restzeit von zweieinhalb Minuten bis zur Zielflagge war nur eine Aufwärmrunde möglich. Zu wenig für die Slicks. "Alle, die in der Startaufstellung vor uns stehen, sind zwei schnelle Runden mit den Slicks gefahren", bedauert Wolff. Bleibt die Frage, warum Mercedes nicht früher die Reißleine gezogen hat. "Wenn wir die Uhr nochmals zurückdrehen könnten, würden wir es machen. Zu dem Zeitpunkt erschien es uns zu riskant. Die Teams um uns herum können mehr riskieren. Sie fahren nicht um den Titel."

Ein Crash von Hamilton in der Boxeneinfahrt verzögerte die Abfahrt noch um eine halbe Minute. Die Mechaniker mussten erst den Frontflügel wechseln und den Mercedes mit der Startnummer 44 aus der Parkbox schieben, um Platz für Bottas zu schaffen. "Auch ohne den Zwischenfall, der mich extrem ärgert, hätte ich nicht zwei schnelle Slick-Runden geschafft", verteidigte sich Hamilton. Wolff assistierte: "Er hat uns irgendwie sogar geholfen, weil wir dadurch die eine Runde ganz am Ende fahren konnten."

Vorwürfe, dass der Weltmeister unter dem Druck des Titelkampfes sich zuletzt zu viele Fehler erlaubt hat, prallten an Hamilton ab. "Das hat nichts mit Druck zu tun. Es war einfach ein Fehler, wie er immer mal passiert. Ich bin keine Maschine. Sonst habe ich es in der Kurve immer gelassen genommen. Ich wusste aber, dass uns die Zeit davonrinnt und dachte, dass der Grip besser ist, als er tatsächlich war." Die letzte Runde beendete der Titelverteidiger rückwärts in der Tecpro-Barriere von Kurve 16. Da war längst klar, dass es für einen der ersten drei Plätze nicht mehr reichen würde.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi - Qualifikation
Wilhelm
Was macht Mercedes nach der verpatzten Qualifikation? Gibt es den vierten Motor für Hamilton?

Wechselt Mercedes den Motor?

Der vierte Startplatz von Hamilton auf einer Strecke, auf der er eigentlich von der Pole Position starten sollte, ist eine Einladung an den Wechsel auf den vierten Motor zumindest zu denken. Dazu kommt, dass Hamilton in guter Gesellschaft wäre. Nicht nur Verstappen startet aus der Niederungen des Feldes, sondern auch Charles Leclerc und Nicholas Latifi. Mit dem Motorwechsel bei gleichen Voraussetzungen wie Verstappen wäre Mercedes die Bürde los, den Tausch später in der Saison noch vornehmen zu müssen. Zu einem womöglich schlechteren Zeitpunkt.

Der Mercedes ist in Sotschi das schnellere Auto. Bei dem erwarteten Trockenrennen sollte Hamilton in Theorie schneller durch das Feld kommen als sein Hauptrivale. So könnte er aus einem Opfer noch einen Nutzen ziehen. Bei Mercedes wollte keiner eine Antwort geben. "Das will ich zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren", weicht Wolff aus. Hamilton spielt den Ahnungslosen: "Keine Ahnung, wann es passiert. Ich schone meine Motoren so gut es geht, aber es hat einige andere mit unserem Motor schon erwischt." Der letzte ist Williams-Pilot Nicholas Latifi, der in Sotschi seine vierte Antriebseinheit bekam.

Toto Wolff erinnert in der Diskussion um den Motorwechsel auch daran, dass der 4. Startplatz seines Champion gar kein so großer Beinbruch ist wie es von außen aussieht. "Die Erfahrung zeigt, dass bei dem langen Anlauf in die erste Kurve der dritte Startplatz der beste ist, weil man vom Windschatten profitieren kann. Vielleicht kann Lewis im Sog von George dabei Plätze gewinnen."

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