Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2021 - Austin xpb
Max Verstappen - Red Bull - GP USA 2021 - Austin - Rennen
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Mercedes rätselt: Hamiltons Siegchance minimal

Mercedes sucht nach Erklärungen Hamiltons Siegchance war minimal

Austin war Red Bull-Land. Der klare Vorsprung kam überraschend. Mercedes untersucht vier mögliche Gründe. Lewis Hamilton hatte nur eine minimale Siegchance. Die ging schon im ersten Stint verloren.

In Runde 32 meldete sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Lewis Hamilton am Funk. "Lewis, du fährst um den Sieg." Zu diesem Zeitpunkt lag Hamilton in Führung, hatte aber seinen zweiten Reifenwechsel noch vor sich. Bei nur 16,3 Sekunden Vorsprung war klar, dass der fünffache Austin-Sieger wieder hinter Max Verstappen fallen würde. Doch Mercedes setzte zu diesem Zeitpunkt noch auf die Trumpfkarte des Reifendeltas. Hamilton sollte mit Reifen in das Finale gehen, die acht Runden frischer waren als die seines Gegners.

Tatsächlich begann der Weltmeister nach seinem zweiten Boxenstopp die 8,8 Sekunden-Lücke zu dem führenden Red Bull im Eiltempo zu schließen. Sechs Runden vor Schluss lag er mit 1,5 Sekunden Rückstand fast schon im DRS-Bereich. Doch dabei blieb es auch. Verstappen zog das Tempo wieder an. Der Holländer hatte im letzten Stint klug seine Reifen geschont, um für den Showdown gerüstet zu sein. Das Rennen hätte schon zwei Runden länger gehen müssen, damit der Mercedes-Fahrer noch eine Siegchance gehabt hätte.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2021 - Austin
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Nur dank des Blitzstarts hatte Hamilton eine kleine Chance auf den Sieg.

Nur auf harten Reifen ein Red Bull-Gegner

Dass Hamilton überhaupt von einem Sieg träumen durfte, verdankt er seinem Blitzstart, bei dem er Verstappen überrumpelte. "Wäre Lewis als Zweiter in die erste Kurve gegangen, wäre Max auf Nimmerwiedersehen verschwunden", sind die Mercedes-Ingenieure überzeugt. Der Red Bull war auf den Medium-Reifen das klar schnellere Auto. Zehn Runden lang saß Verstappen dem Mercedes im Getriebe. Ein sicheres Zeichen dafür, dass er klar schneller hätte fahren können.

Am Mercedes bauten die Hinterreifen der mittleren Mischung rasend schnell ab. Die Ingenieure fürchteten, dass sich das Bild mit den harten Reifen wiederholen würde. Ein Trugschluss, wie sich später herausstellte. Auf Pirellis harten Sohlen war der Mercedes dem Red Bull zumindest ebenbürtig. Hätte man das vorher gewusst, hätte man Hamilton vermutlich irgendwann zwischen der 8. und der 10. Runde an die Box geholt, um den Undercut von Verstappen zu antizipieren.

Wäre das der goldene Schachzug gewesen? Wahrscheinlich nicht. "Lewis wäre hinter Ricciardo gefallen und hätte sofort voll attackieren müssen, um den Undercut möglich zu machen. Vermutlich hätte er gar nicht funktioniert. Max hätte bei freier Fahrt mit den Medium-Reifen viel schneller fahren und damit den Undercut abwehren können", heißt es bei Mercedes.

Selbst wenn es funktioniert hätte, wäre Hamilton mit einer Bürde in den zweiten Stint gegangen. Er hätte dann das gleiche Problem bekommen, das seinem Rivalen passiert ist. Verstappen richtete in den ersten Runden seinen zweiten Reifensatz hin, um den Undercut gelingen zu lassen. Deshalb konnte Hamilton im Mittel-Stint auch die Lücke von 6,7 auf 2,6 Sekunden schließen. Das war seinem WM-Kontrahenten eine Lehre.

Beim dritten Satz ließ es Verstappen ruhiger angehen. Gerade als Mercedes daran denken durfte, mit einem früheren zweiten Stopp den Spieß umzudrehen, holte Red Bull seinen Fahrer an die Box. Da blieb Mercedes nur noch die Option, das Gegenteil zu tun und lang zu fahren. Die letzten sechs Runden sah es nach echten Zweikampf aus, doch Hamilton kam nur ein Mal kurz in den DRS-Bereich des Red Bull. In der letzten Runde zog Verstappen wieder davon.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2021 - Austin
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Hamilton musste sich in Austin mit dem zweiten Platz abfinden.

Ein bisschen wie Zandvoort

Mit dem Bonus der schnellsten Rennrunde verlor der Titelverteidiger nur sechs Punkte auf den Sieger. In Summe sind das schon zwölf Zähler. Und jetzt folgen zwei Rennen, wo man Red Bull-Honda wegen der Höhenlage als Favorit einstufen muss. Honda hat den größeren Turbolader, was in dünner Luft ein Vorteil ist. Das war schon bei den beiden Österreich-Rennen zu sehen. Spielberg liegt 660 Meter über dem Meeresspiegel. Mexico-City ist mit 2.220 Meter Höhe eine ganz andere Dimension. Auch Sao Paulo sollte für Honda mit 760 Metern ein gutes Pflaster sein.

In der Woche nach dem US-Grand Prix werden die Mercedes-Ingenieure erst einmal in Klausur gehen, um herauszufinden, warum der Red Bull RB16B in Austin das schnellere Auto war. Einer ulkte: "Weil Red Bull Adrian Newey nach seinem Radunfall wieder an Bord hat." Das wäre in diesem hochkomplexen Sport eine zu einfache Erklärung. Die wahrscheinlichere: Der Hund liegt irgendwo im Bermuda-Dreieck zwischen den Eigenheiten der Strecke, dem starken Wind, den Bodenwellen und den hohen Temperaturen begraben.

Der Circuit of the Americas ähnelt in seiner Charakteristik ein bisschen Zandvoort, dem letzten Ort, an dem Red Bull den Silberpfeilen überlegen war. Die Gemeinsamkeit sind die vielen schnellen Kurven, die den Ingenieuren die Freiheit rauben, das Heck auf den Geraden dem Topspeed zuliebe beliebig weit abzusenken. Diesmal gewann Mercedes auf den Geraden nur eine Zehntelsekunde. Die Bodenwellen verstärkten das Problem, weil das Auto um Nuancen höher in den Federn stand als sonst. Der starke Seitenwind in den S-Kurven traf Mercedes härter als Red Bull.

An der Theorie, dass die hohen Temperaturen Mercedes mehr geschadet hätten als Red Bull zweifeln die Ingenieure. "Auf dem Asphalt waren es nur 37 Grad. Das hatten wir dieses Jahr schon ein paar Mal." Wahr ist aber auch, dass Mercedes mit dem Anstieg der Temperaturen am Freitagnachmittag plötzlich seinen riesigen Vorsprung auf den Rest des Feldes verlor. "Wir sind irgendwann an diesem Wochenende falsch abgebogen und müssen herausfinden, wo genau das passiert ist", fordert Toto Wolff. Der Österreicher ist überzeugt: "Es gibt sicher mehrere Gründe dafür."

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