Mercedes-Testbilanz von Toto Wolff

"Nach unseren Schätzungen liegen wir vorn"

Toto Wolff - Mercedes - Barcelona-Test 2015 Foto: xpb 20 Bilder

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann gelassen in die neue Saison blicken. Die Testfahrten haben die Favoritenrolle der Silberpfeile bestätigt. Trotzdem versucht Wolff auf dem Teppich zu bleiben. Weil er weiß, dass keinem damit gedient ist, wenn Mercedes wie im Vorjahr ein Rennen im Rennen fährt.

Mercedes geht als klarer Favorit in die neue Formel 1-Saison. Doch im Team tut man alles, um den Ball flach zu halten. Nur keine übertriebene Euphorie zeigen. Auch Teamchef Toto Wolff übt Disziplin: "Wir sind vorsichtig optimistisch. Die Testfahrten sind eine Sache, das erste Rennen eine andere."

"Was wir wissen ist, dass wir ein gutes Auto gebaut haben. Die Testfahrten haben uns bis jetzt keine überraschende Ergebnisse präsentiert. Wir haben uns auf unser Programm konzentriert. Unsere Gegner haben zum Teil andere Prioritäten gesetzt. Nach unseren Schätzungen sollten wir vorne sein. Es ist aber noch nicht klar, um wie viel."

Wolff hebt unter den Gegnern vor allem Ferrari heraus."Die haben einen großen Sprung gemacht. Nach unseren Schätzungen sind sie jetzt auch auf der Geraden richtig schnell. Das freut uns, denn es ist wichtig für die Formel 1, wenn Ferrari vorne dabei. Williams hat wie im Vorjahr ein Auto mit wenig Luftwiderstand gebaut. Nur aus Red Bull werden wir noch nicht richtig schlau."

Wolff erklärt Mercedes MGU-K Schaden

Der Weltmeister-Bonus lässt sich für Mercedes nicht von der Hand weisen. Wer mit einem überlegenen Auto in eine neue Ära geht, profitiert in der Regel Jahre davon. Red Bull hat das zwischen 2010 und 2013 vorexerziert. "Wir haben eine gute Basis", gibt Wolff zu. "Deshalb war es für uns leichter, früh das Programm für das diesjährige Auto zu beginnen. Einen Teil des Erfolges kannst du immer mitnehmen. Aber das ist alles noch keine Garantie. Erfolg in der Formel 1 setzt eine Vielzahl von komplexen Entscheidungen voraus. Da ist es leicht, dass du einmal falsch abbiegst. Und dann ist der Vorteil weg."

Das Testprogramm von Mercedes lief beileibe nicht so rund, wie es von außen den Anschein hatte. Es gab Probleme mit dem Wasserkreislauf, dem Getriebe, den Kolben und zuletzt mit der MGU-K.

Wolff liefert Details zum jüngsten Schaden am Elektromotor: "Wir hatten einen Defekt am Gehäuse. Interessanterweise hatten wir das gleiche Schadensbild parallel dazu am Prüfstand. Nach fast identischer Laufzeit. Es hat uns am Donnerstag einen halben Tag gekostet, weil das Teil schwer zugänglich ist. Da müssen wir vielleicht noch einmal über die Installation nachdenken. Aber dazu sind die Testfahrten da. Es war ein neues Design, eine neue Installation, und wir haben Erfahrungswerte damit gesammelt."

Wachsam gegenüber Störfeuer der Konkurrenz

Auf der positiven Seite steht, dass im Mercedes seit dem Testbeginn ein und derselbe Motor eingebaut ist. Er hat inzwischen rund 5.000 Kilometer auf der Uhr. Und war immer noch gut genug für die absolute Bestzeit nach zehn Testtagen. Der Mercedes-Teamchef präzisiert: "Es war der gleiche Motor, den wir zwischendurch mit verschiedenen Komponenten aufgefrischt haben."

Die Konkurrenz beobachtet die Überlegenheit der Silberpfeile mit Argusaugen. Und versucht diese auf politischen Parkett einzubremsen. "Wir müssen ultrawachsam sein", sagt Wolff. "In den letzten Monaten gab es viele politische Kämpfe mit dem Ziel kurzfristig neue Regeln für den Motor und die Verkleidung einzuführen. Auch bei den Entwicklungs-Token hat man versucht, uns zu schwächen."

Der Boss der Silberpfeile weiß aber auch, dass ein weiteres Jahr drückender Überlegenheit dem Geschäft schadet, vielleicht sogar tödlich für die Königklasse wäre. "Tödlich ist ein zu harter Ausdruck. Es dauert, bis es zum Sterben kommt. Wir müssen uns aber unserer Verantwortung für den Sport bewusst sein. Einerseits müssen wir alles tun, um vorne zu bleiben, andererseits hilft es keinem, wenn wir einsam vorneweg fahren. Wenn wir allein auf weiter Flur wären, hat keiner etwas gewonnen."

Sprachs, und bekam einen Anruf aus der Boxengarage. Nico Rosberg mache sich zum ersten Ausflug mit weichen Reifen bereit. "Da muss ich dabei sein", entschuldigte sich Wolff. Was er sah, bestätigte ihn in seinen Erwartungen. Rosberg fuhr mit 1.22,782 Minuten absolute Bestzeit.

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