Valtteri Bottas - GP Russland 2017
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Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 29. April 2017
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 29. April 2017 64 Bilder

Mercedes unter Druck

Ein Auto in zwei Teilen

Zum ersten Mal seit Singapur 2015 startet kein Mercedes aus der ersten Startreihe. Die Ingenieure hatten die Aufwärmprobleme mit den Reifen gelöst, doch es reichte trotzdem nicht, Ferrari die Pole Position abzujagen.

Mercedes wollte in Sotschi ausgleichen. Doch nach dem Training sieht es ganz danach aus, dass Ferrari seinen Vorsprung in der WM ausbaut und nach Siegen auf 3:1 davonzieht. Zum ersten Mal seit Frankreich 2008 stehen zwei Ferrari in der ersten Startreihe, und zum ersten Mal seit Singapur 2015 hat kein Mercedes freie Sicht nach vorne.

Ist das schon die Wachablösung in der Formel 1? Sicher nicht. Dazu sind die Abstände zu knapp. Valtteri Bottas fehlten gerademal 95 Tausendstel auf die Pole Position. Nach dem Q2 sah es sogar so aus, als würde sich die goldene Trainingsserie für die Silberpfeile fortsetzen. Bottas lag 4 Zehntel vor Kimi Räikkönen und 8 Zehntel vor Sebastian Vettel.

In der letzten K.O.-Runde der Qualifikation konnte sich der neue Mann im Mercedes-Team nicht mehr verbessern. Ferrari dagegen schon. „Vielleicht haben wir es im Q3 etwas übertrieben und deshalb nicht die extra Rundenzeit aus den Reifen geholt. Valtteri sagte uns nach dem Q2, dass sein Auto nahe dem Optimum war“, bilanzierte Teamchef Toto Wolff.

Am Aufwärmprozess kann es nicht gelegen haben. Bottas genehmigte sich wie Vettel zwei Runden, um die Reifen in das magische Fenster zu bekommen. Die Runde vor dem entscheidenden Umlauf fuhr der Finne in 1.43,524 Minuten. Vettel war mit 1.43,007 nur unwesentlich schneller. Beide lagen damit knapp 10 Sekunden über der besten Rundenzeit.

Hamilton stolperte über die Kurven 13 und 14

Lewis Hamilton fiel aus dem Rahmen. Der Engländer büßte 0,573 Sekunden auf die Pole Position ein. Dabei sah der WM-Zweite bis zum zweiten Sektor jeweils wie ein möglicher Kandidat für die erste Startreihe aus. Beide Male stolperte Hamilton im dritten Sektor über die Kurven 13 und 14 am Ende der Gegengeraden.

Das Auto stellte sich beim Anbremsen quer, verpasste den Scheitelpunkt und rutschte am Kurvenausgang über die Streckenbegrenzung. „Ich habe dort jeweils eine halbe Sekunde liegengelassen.“

Warum Hamilton ausgerechnet mit den rechtwinkeligen Kurven des letzten Streckenabschnitts auf Kriegsfuß stand, deutete er nur an: „Ich bin das gleiche Setup wie Valtteri gefahren, hatte aber elektronisch ein paar andere Einstellungen als er. Als Folge davon war das Heck zu schwach.“ Man könnte die Aussage so deuten: Hamilton ging bei den Einstellungen der Bremsbalance, der Motorbremse oder dem Differential einen anderen Weg als sein Teamkollege.

Da es sich um Einstellungen am Lenkrad handelt, wäre das Problem für das Rennen korrigierbar. Hamilton wollte sich trotzdem nicht aus dem Fenster lehnen: „Wenn ich so wie bei den Longruns am Freitag unterwegs bin, dann fahren mir die Ferrari eine halbe Sekunde pro Runde davon. Aber die Ingenieure haben unser Auto am Samstag viel besser hingebracht. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Jetzt müssen wir nur noch an der Balance arbeiten.“

Ferrari trifft Reifenfenster zuverlässiger

Es war für Mercedes ein steiniger Weg, um auf Augenhöhe mit Ferrari zu kommen. „Ferrari war von Anfang an schneller als wir. Sie haben einfach mehr aus dem Auto und den Reifen rausgeholt als wir“, resümiert Bottas. Wolff sieht einen positiven Ansatz: „Der Freitag war mit Ausnahme der Rennsimulation von Valtteri ganz schlecht. Aber wir haben uns bis Samstag wieder gut erholt.“

Die Preisfrage lautet: Werden Mercedes im Rennen wieder die Reifenprobleme einholen, die ihnen in Melbourne und Bahrain den Sieg gekostet haben. Im Windschatten der Ferrari besteht die Gefahr, weil dann der Abtrieb reduziert ist und das Auto zu viel herumrutscht. Bottas will das Problem bis zum ersten Bremspunkt lösen: „Der Anlauf ist hier einen Kilometer lang. Da kann man Plätze gutmachen.“

Die Reifen halten den Titelverteidiger weiter in Atem. Diesmal stand Mercedes vor einem Problem, das man so zuletzt 2015 in Singapur hatte. Die Reifen wollten nicht in das Arbeitsfenster kommen. Jedenfalls nicht gleichzeitig.

Bis die Vorderreifen endlich auf Temperatur waren, hatten die hinteren Sohlen schon wieder abgebaut. Erst im dritten Training hatte man nach viel Datenstudium und Ausprobieren mit dem Aufwärmprozess das Problem im Griff. Für Ferrari dagegen schien dieses Problem nicht zu existieren. Vettel und Räikkönen waren in der ersten Runde schnell, aber auch in der dritten.

Es kennzeichnet diese Saison, dass der Ferrari SF70H das stabilere Auto ist. Die Balance passt eigentlich immer. Der Mercedes muss perfekt abgestimmt sein, um aus den Reifen den optimalen Grip zu holen. „Wenn wir das Setup nicht stabil hinkriegen, strapazieren wir die Reifen zu wenig oder zu viel und fallen aus dem Fenster raus. Es hat dann den Anschein, als bestünde unser Auto aus zwei Teilen mit je einem Reifenfenster für vorne und hinten“, beschreibt Lauda das Problem. Das ist keine neue Erkenntnis. Lauda: „Die ersten Ansätze dafür haben wir schon bei den Wintertestfahrten in Barcelona gesehen.“

Toto Wolff sieht in der Kampfansage von Ferrari nichts Ungewöhnliches: „Es war immer klar, dass unsere Dominanz nicht ewig halten kann. Ferrari hat einfach einen sehr guten Job gemacht. Es ist unsere Herausforderung, die Dinge wieder geradezustellen.“

Motorsport Aktuell Vettel, Räikkönen & Bottas - GP Russland 2017 GP Russland 2017 (Ergebnis Qualifikation) Zwei Ferrari in der ersten Reihe

Sebastian Vettel hat sich die Pole Position beim GP Russland gesichert.

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