Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019 Motorsport Images

Mercedes verliert vier Zehntel auf Gerade

Schlägt Pendel im Rennen um?

Mercedes muss sich beim GP Bahrain mit der zweiten Startreihe zufrieden geben. Die Silberpfeile verlieren sämtliche Rundenzeit auf den Geraden. Von den vier Zehnteln Verlust konnte nur ein Zehntel in den Kurven wieder aufgeholt werden.

Diese Formel 1 kann schon ein Buch mit sieben Siegeln sein. In Melbourne mussten wir erklären, warum Mercedes sieben Zehntel schneller ist als Ferrari. Zwei Wochen später lautet die Frage: Warum ist Ferrari plötzlich drei Zehntel schneller? Sebastian Vettel und Charles Leclerc fühlten sich bei ihrem Ferrari mehr an das Auto erinnert, das sie bei den Wintertestfahrten in Barcelona kennengelernt hatten. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas hatten eigentlich keine gravierenden Klagen, auch wenn es diesmal ein bisschen länger gedauert hat, die Autos optimal abzustimmen. „Am Ende war ich aber ganz zufrieden“, lobte Hamilton. „Wir sind ja immer näher an Ferrari rangekommen.“

Melbourne-Sieger Bottas fasste zusammen: „Wir haben keinen Schritt rückwärts gemacht. Also musste Melbourne für Ferrari ein Ausreißer gewesen sein.“ Teamchef Toto Wolff glaubt, dass wir in der Frühphase der Saison noch öfter solche Ausschläge sehen. „Die Autos und die Reifen sind noch zu neu. Es wird noch Zeit brauchen bis wir alles verstehen und bis sich die Situation konsolidiert. Ich habe den Kampf mit Ferrari erwartet. Jetzt ist das Pendel umgeschlagen, und es kann beim nächsten Mal wieder anders sein.“

Mercedes gewinnt ein Zehntel in den Kurven

Bei der Datenanalyse sah man dann aber doch viele Fragezeichen in den Gesichtern der Ingenieure. Ferrari gewinnt auf den vier langen Geraden in Summe vier Zehntel auf die Mercedes. Das ist eine Menge Holz. „Wenn es nur vom Motor her käme, wären das 30 PS“, heißt es bei Mercedes. Red Bull-Technikchef Adrian Newey beobachtet beim Ferrari-Motor „den gleichen Bums, den wir schon letztes Jahr in Spa beobachtet haben“. Dabei schwang doch die Hoffnung mit, dass die vielen Restriktionen der FIA im Antriebsstrang die Top-Motoren ein wenig eingebremst hätten.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hält die Theorie für abwegig, dass alles vom Motor kommt. „Da spielt auch die Abstimmung eine Rolle, wer mit wie viel Abtrieb fährt und wie effizient dein Auto ist.“ Die Mercedes-Techniker zweifeln, dass der Luftwiderstand in der Qualifikation nur eine untergeordnete Rolle spielt. „Mit offenen DRS reduziert sich der Unterschied von unterschiedlichen Flügeleinstellungen. Und nach unserem Eindruck ist Ferrari mit ordentlich Flügel unterwegs“, berichtet Chefingenieur Andrew Shovlin. Valtteri Bottas fällt auf: „Wir waren in Melbourne auf den Geraden gleich gut wie Ferrari oder leicht besser. Und wir hatten in Melbourne nicht mehr Motorleistung als hier. Das Bild erinnert mich mehr an die Wintertests. Irgendwas muss bei Ferrari in Australien schiefgelaufen sein.“

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019
Motorsport Images
Lewis Hamilton wirkte trotz der Niederlage gegen Ferrari gut gelaunt.

Auch in den Kurven präsentierte sich Ferrari stark verbessert, obwohl man noch nicht dort ist, wo man in Barcelona war. Diesmal gewannen Hamilton und Bottas über alle 15 Kurven ein Zehntel auf die roten Autos. In Melbourne waren es noch 0,7 Sekunden. „Ferrari ist nur in Kurve 2 schneller als wir. Alle anderen Kurven gehen an uns“, heißt es aus der Datenabteilung. Mercedes steht auch im Vergleich zu Red Bull leicht besser da. Auf den Geraden und in den Kurven. Bottas gibt in diesem Punkt nicht viel auf Vergleiche: „Bahrain ist eine völlig verschiedene Strecke: Andere Kurven, anderer Asphalt, andere Kerbs, weniger Bodenwellen, härtere Reifen.“

Mercedes opfert Quali-Speed für Rennen

Würde die Erklärung allein in der Motorleistung liegen, müsste man bei den Ferrari-Kunden ein ähnliches Delta zur Konkurrenz beobachten. Sie fahren ja die gleichen Antriebseinheiten. Doch Haas F1 verliert auf den Geraden sechs Zehntel auf den großen Bruder und zwei Zehntel auf Mercedes. Sauber allerdings deutlich weniger. „Wir haben zu wenig Abtrieb“, begründet Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur die gute Vorstellung seiner Autos auf den Geraden. Haas F1 dagegen war mit viel Anpressdruck unterwegs. Die schwarzen Autos waren in den Kurven so schnell wie die Red Bull und auf den Geraden gleichwertig.

Dass der Abtrieb in Bahrain einen gewissen Einfluss hat, zeigt sich auch an der erstaunlichen Vorstellung der McLaren-Renault. Sie fahren auf den Geraden auf einem Niveau mit Mercedes und vier Zehntel vor Haas F1, verlieren aber alles wieder in den Kurven. Das gibt den Mercedes-Strategen Hoffnung, das Bild könnte sich am Sonntag drehen. „Wenn wir mehr Abtrieb fahren als Ferrari, werden auch unsere Reifen länger leben. Im Rennen sollte wir auf den Geraden genug Werkzeuge haben, uns durchzusetzen“, meint Toto Wolff. Der Teamchef spricht dabei die drei DRS-Zonen an, die denen in die Karten spielen, die in der Rolle des Jägers sind. Bottas verrät: „Wir haben wegen dieser DRS-Zonen unsere Autos mehr Richtung Rennen abgestimmt.“ Hamilton ist überzeugt: „Unser Renntempo ist besser.“

Bahrain ist eines der wenigen Rennen, bei denen die Strategie nicht klar festgelegt ist. Auf dem Papier soll eine Zweistopp-Strategie um acht Sekunden besser sein. Im letzten Jahr setzte sich ein Stopp knapp durch. Das wird diesmal schwieriger, fürchtet Bottas: „Die Lauffläche der Reifen ist dünner. Der Asphalt ist im Vergleich zum Vorjahr rauer geworden. Das könnte bedeuten, dass wir mit einem Satz nicht so lange fahren können.“ Wolff glaubt deshalb, dass die Länge des ersten Stints das Rennen entscheiden könnte: „Es wird die Frage sein, wer wie lange den ersten Boxenstopp rauszögern kann, und wer welche Reifen danach noch in der Hinterhand hat.“

GP Bahrain 2019: Die Highlights vom Qualifying-Samstag

Antonio Giovinazzi - Sauber - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019
Antonio Giovinazzi - Sauber - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019 Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019 Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019 Charles Leclerc - Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 30. März 2019 73 Bilder
Motorsport Aktuell Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 11. Oktober 2019 McLaren plant nächsten Schritt mit MCL35 2020er Auto mit neuen Konzepten

McLaren plant für 2020 mit dem MCL35 schon den nächsten großen Schritt.

Mehr zum Thema GP Bahrain (Formel 1)
Sebastian Vettel - GP Bahrain 2019
Aktuell
Renault - Formel 1 - GP Bahrain - 2019
Aktuell
Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - 2019
Aktuell