Mercedes vs. Ferrari im Technik-Vergleich

Ferrari mit Schmalspur-Entwicklung

Mercedes vs. Ferrari - GP China 2015 Foto: xpb 21 Bilder

Die Formel 1-Saison entwickelt sich zu einem Duell zwischen Mercedes und Ferrari. Es ist auch ein Wettstreit der Ingenieure. Bei der Gegenüberstellung der Upgrades war Mercedes deutlich fleißiger. Trotzdem hat man den Eindruck, dass Ferrari näher gekommen ist. Wie passt das zusammen?

Die erste Überraschung gab es schon am 1. Februar in Jerez. Mercedes und Ferrari traten mit zwei grundverschiedenen Fahrzeugen an. Der Mercedes AMG W06 hatte eine kurze Nase, der Ferrari SF15-T eine lange. Auch sonst gibt es Unterschiede. Der Mercedes hat mit 3.441 Millimetern den zweitkürzesten Radstand im Feld. Ferrari liegt mit 3.508 Millimetern im Mittelfeld.

Ferrari vertraut an der Vorderachse auf Pullrod, Mercedes auf Pushrod. Der Kühleinlass beim Mercedes ist oval, der beim Ferrari dreieckig. Die Seitenkästen des Mercedes bauen vorne breiter als beim Ferrari, beginnen aber früher mit dem Einzug.

Das Heck des Silberpfeils ist flacher und schlanker. Dafür muss Mercedes bei Hitzerennen die Verkleidung mehr öffnen. Ferrari hat wie Red Bull einen Diffusor, der außen offen ist. Am Mercedes wird er an den Außenkanten durch einen vertikalen Steg klar abgetrennt.

Mercedes mit B-Version beim Barcelona-Test

Seit dem 1. Februar in Jerez hat sich viel getan. Beide Autos veränderten ihr Gesicht. Mercedes jedoch deutlich mehr als Ferrari. Chefdesigner Aldo Costa präsentierte schon bei den Barcelona-Tests einen runderneuerten AMG W06. Früher hätte man von einer B-Version gesprochen.

Neu waren die Nase, die vorderen Kamerabefestigungen, die Bremsbelüftungen vorne, die Vorderradaufhängung, die Finnen an der Cockpitseite, die Leitbleche, Seitenkästen und Heckverkleidung, die Heckflügelaufhängung und das Flügelprofil sowie der Monkey Seat.

Das ohnehin schon kompakte Heck war noch einmal geschrumpft. Der Heckflügel stand jetzt nicht mehr auf zwei Stelzen, sondern wie beim Ferrari auf einer. Dadurch änderte sich auch der Monkey Seat. Der Rundumschlag sollte auf dem Papier fast eine halbe Sekunde bringen. Doch das dauerte. Zunächst verwirrte das Upgrade Fahrer und Ingenieure. Beide brauchten eine Weile, bis sie die richtige Abstimmung fanden.

Und Ferrari? Die Truppe um Technikchef James Allison entwickelte bislang eher im Schmalspurformat. Bei den Testfahrten wurde nur ein neuer Frontflügel an das Auto geschraubt. Dazu wurde die Anbringung der vorderen TV-Kameras regelkonform gestaltet. Allison meinte aber schon damals: "Viele Modifikationen sind unsichtbar, weil sie unter der Haube stattfinden." Bei Mercedes aber auch.

Ferrari bringt Technik-Updates gezielter

Beim GP Australien traten Mercedes und Ferrari im Prinzip mit den Autos vom Barcelona-Test an. Mercedes hatte den Übergang von der Nase zum Chassis leicht modifiziert und den Monkey Seat entfernt. Ferrari präsentierte neue Heckflügelendplatten.

In der Hitzeschlacht von Malaysia zeigte sich, wie sehr der Mercedes am Limit gestrickt ist. Sechs Kiemen, eine Luftschleuse vor dem Cockpit und zwei vertikale Löcher am Ende der Motorabdeckung waren der Tribut an die hohen Temperaturen. Ferrari behielt die drei flachen Kiemen neben dem Cockpit wie sie schon in Melbourne zu sehen waren. Sonst blieb alles zu. Dafür kam ein neuer Diffusor.

Mercedes läutete in Shanghai die nächste Runde im Entwicklungswettlauf ein. Mit einem neuen, spektakulären Frontflügel, einem effizienteren Heckflügel ohne Monkey Seat, neugestalteten Radträgern vorne und modifizierten Leitblechen unter der Nase. Ferrari konterte mit einer enger anliegenden Motorabdeckung. Sie umschließt jetzt nahtlos das Auspuffendrohr. Dazu gab es am Ende der Seitenkästen vertikale Leitbleche wie am Mercedes.

Beim Motor herrscht übrigens noch Stillstand. Weder Ferrari noch Mercedes haben bis jetzt einen Entwicklungs-Token eingesetzt. Sämtliche Modifikationen an den Antriebseinheiten liefen unter dem Siegel "Zuverlässigkeit". Mercedes-Teamchef Toto Wolff lobte Ferrari in Bahrain: "Ihr Entwicklungstempo ist wirklich beeindruckend. Sie haben bessere Schritte gemacht als wir."

Tatsächlich aber hat Ferrari weniger an seinem Auto verändert als Mercedes, die nach Angaben von Wolff einige der Neuentwicklungen schon wieder abgebaut haben. Die neue Qualität bei Ferrari ist es, dass die Ingenieure nicht mehr wie früher mit der Schrotflinte auf das Ziel schießen, sondern ihr Auto in kleinen Schritten entwickeln. Der Fortschritt liegt darin, dass die Ingenieure jetzt ihr Auto besser verstehen. Und dass sie sich wieder auf ihre Windkanaldaten verlassen können.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen die einzelnen Updates von Mercedes und Ferrari vom Saisonbeginn.

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