Lewis Hamilton - Mercedes - GP England - Silverstone  - Formel 1 - 16. Juli 2021 Motorsport Images
Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Charles Leclerc - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Tom Cruise - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021 46 Bilder

Mercedes vs. Red Bull: Alle Waffen geschärft

Mercedes greift nach jedem Strohhalm Alle Waffen werden geschärft

GP Großbritannien

Mercedes hat die Schlacht von Silverstone gewonnen, aber noch lange nicht den Krieg. Der Vorsprung von Red Bull ist immer noch da, aber er ist kleiner geworden. Deshalb muss der Titelverteidiger alle Waffen in seinem Arsenal schärfen.

Das Heimspiel von Silverstone war für Mercedes ein Schicksalsrennen. Nach fünf Rennen ohne Sieg, nach zwei klaren Niederlagen in Österreich, nach einer Technikoffensive von Red Bull und Honda musste die Wende her. Egal wie. Alles andere wäre eine Vorentscheidung gewesen. Und mental ein Tiefschlag. Man hätte sich hinterher fragen müssen: Wenn da nicht, wo dann?

Warum war Silverstone für den Titelverteidiger so wichtig? Weil das Streckenlayout dem Mercedes entgegenkommt. Weil Lewis Hamilton vor seinen Fans immer noch das ein oder andere Zehntel extra findet. Weil das letzte größere Aero-Paket ans Auto kam.

Weil die Uraufführung des Sprintrennens den Ablauf des Wochenendes änderte und die Strategen vor eine besondere Aufgabe stellte. Weil bei einer weiteren Niederlage der Punkterückstand so groß geworden wäre, dass Red Bull schon in den Sicherheitsmodus hätte schalten können, während man selbst immer noch am Anschlag kämpft.

Von kühl auf eiskalt

Mercedes hat sein Schlüsselrennen gewonnen. Mit 43:3 Punkten. Lewis Hamilton verkürzte den Rückstand zu Max Verstappen auf acht Zähler. Das stellt die Uhren vor dem GP Ungarn fast wieder auf Null und gibt Mercedes Luft zum Atmen. Doch der Preis für den Sieg war hoch. Der Crash zwischen Hamilton und Verstappen hat das Klima der beiden Kombattanten von kühl auf eiskalt gestellt. Ab sofort gibt es keine Geschenke mehr. Die Frage ist noch offen, wem das am Ende mehr nutzt.

Hamilton vs. Verstappen - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
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In Silverstone kämpften Mercedes und Red Bull wieder auf Augenhöhe.

Der Mercedes W12 ist dem Red Bull RB16B ein bisschen näher gekommen. Nach Einschätzung von Teamchef Toto Wolff aber nicht die vollen zweieinhalb Zehntel, die dem Silberpfeil in Spielberg noch fehlten. Auch das flüssige Layout der Strecke spielte Mercedes in die Karten. Es passt besser in das Aerodynamik-Fenster, in dem der W12 funktioniert. Man konnte den kleineren Flügel auspacken, was den Top-Speed-Nachteil von Österreich ins Gegenteil verkehrte.

Der Verzicht auf Abtrieb war weder ein Risiko noch eine Verzweiflungstat. "Die Simulationen haben uns diese Abstimmung empfohlen, und die Realität gab unseren Werkzeugen Recht", erklärten die Ingenieure. Wenn überhaupt, dann hatte Red Bull verzockt und mit seinem Abtriebsniveau zu wenig aus dem Paket geholt. Bei Mercedes wunderte man sich, dass der Gegner trotz Baku-Flügel auf den Geraden so weit hinterherhinkte.

Sprintrennen warnt Hamilton vor

In Summe war der Red Bull trotzdem noch das schnellere Auto. Wenigstens bis zum Q1. Dann drehte sich das Blatt. Max Verstappen klagte über Untersteuern, das in den Tagen darauf wieder verschwand. Mercedes dagegen wunderte sich über die plötzliche Steigerung, führte die guten Rundenzeiten im Q2 und Q3 aber nicht auf die kühleren Temperaturen zurück, sondern auf die Vorbereitung. "Wir haben es als einzige geschafft, saubere Aufwärmrunden ohne Verkehr zu fahren. Das war der Schlüssel, dass wir Red Bull im Q3 geschlagen haben."

Im Rückblick war das Sprintrennen ein Segen für Mercedes, auch wenn man da die Pole Position wieder an Verstappen verlor. Doch Hamilton hat in diesen 17 Runden gelernt, dass er nur von seinem Top-Speed-Vorteil profitieren kann, wenn er in Führung geht. Und das musste bis spätestens bis Copse Corner passieren, denn danach würde die Becketts-Passage Verstappen die nötige Luft geben, den Mercedes vor der Hangar-Geraden abzuschütteln.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England - Silverstone  - Formel 1 - 16. Juli 2021
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Mercedes hatte überraschenderweise den besseren Top-Speed als Red Bull.

Hamilton hat in der Startrunde auch erkannt, wie sich sein Rivale an welcher Stelle verteidigt, und dass Verstappen weiter davon ausgehen würde, dass der Gegner im Zweifel zurücksteckt. Vermutlich wurde da bereits der Vorsatz geboren, bei einem gleichen Szenario dem Gegner nicht mehr diesen Gefallen zu tun. In den Kurven 3 und 6 spielte der Champion das Spiel noch mit. In Kurve 9 nicht mehr. Die Kollision war für Wolff unausweichlich: "Wenn keiner nachgibt, passiert so etwas."

Mit dem Motor fast am Limit

Die Kollision zeigte, dass die Titelverteidiger in einer Situation angekommen sind, in der sie sich auf keinem Feld mehr eine Blöße geben dürfen. Toto Wolff drückte es so aus: "Wenn du hinten liegst, musst du alle Waffen in deinem Arsenal schärfen."

Das können Upgrades sein, Hamiltons neuer Arbeitseifer im Simulator, Bottas voll in die Dienste des Teamkapitäns zu stellen oder die FIA zu Technischen Direktiven anspitzen, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. "Wir kämpfen mit allem, was wir haben. Der Kampf mit Red Bull ist so eng, dass wir nach jedem Strohhalm greifen", bestätigte Wolff.

Im Rest der Saison wird viel davon abhängen wie die beiden Kontrahenten ihre Chancen nutzen, wer mehr Fehler macht und sich in der Hitze des Gefechts zu unüberlegten Aktionen hinreißen lässt. Beide müssen aufpassen, dass ihnen Ferrari und McLaren an einem guten Tag nicht Punkte wegnehmen. In Silverstone wäre es fast passiert.

Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
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Mit Bottas und Hamilton auf dem Podium hat Mercedes in der WM-Wertung ordentlich Punkte gutgemacht.

Red Bull dürfte technisch noch den ein oder anderen Pfeil im Köcher haben. Der Herausforderer stand mit den 2021er Auto noch im Windkanal, da hatte Mercedes längst auf das 2022er Modell umgeschwenkt. Mercedes hat nur noch eine kleine Änderung für Zandvoort im Plan. Auch vom Motor kommt nicht mehr viel. "Mit dem Verbrennungsmotor sind wir am Limit. Wir können höchstens noch bei der elektrischen Leistung etwas rausholen", hören wir aus Brackley.

Das Duell gegen Ferrari

Mit dem Ausfall von Verstappen war das Rennen für Hamilton noch lange nicht gelaufen. Zum einen hatte er einen Gegner vor seiner Nase, mit dem nicht zu rechnen war. Charles Leclerc bekam die Führung geschenkt, aber er wuchs an der Aufgabe. Und dann musste Hamilton noch diese Zehnsekunden-Strafe absitzen.

Die Strafe änderte aber nicht viel an der Taktik. Da der Ferrari auf den Medium-Reifen nicht überholbar war, blieb dem Kommandostand nur Abwarten. "Uns war klar, dass Leclerc mit dem Boxenstopp auf uns warten würde. Also wollten wir Lewis so lange wie möglich draußen halten, um die Restdistanz auf den harten Reifen kurz zu halten."

Mercedes antizipierte, dass das Pendel auf den harten Reifen in ihre Richtung schlagen würde. "Je härter die Gummimischung, desto mehr können wir Tempo machen ohne Gefahr zu laufen, dass der Reifen überhitzt." Außerdem hörte man am Ferrari-Funk, dass Leclerc immer wieder an Lift and Coast erinnert wurde. Deshalb ging man im Lager von Mercedes davon aus, dass es bei dem roten Auto knapp mit dem Spritverbrauch wird. Vielleicht eine Folge von Leclercs Motorenproblemen.

Valtteri Bottas verfluchte zwei schlechte Starts, die ihn hinter Lando Norris warfen. Er hätte eine bessere Rolle als nur Wasserträger für Hamilton spielen können, hätte ihn der schlechte Boxenstopp von Norris nicht in einen verfrühten Boxenstopp getrieben. "Wir mussten sofort reagieren, um sicher an Lando vorbeizukommen. Idealerweise hätte ich später gestoppt und im Finale auch bessere Reifen gehabt", klagte der Finne.

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