Start - GP Monaco 2021 Motorsport Images
Charles Leclerc - Formel 1 - GP Monaco 2021
Podium - Formel 1 - GP Monaco 2021
Max Verstappen - Formel 1 - GP Monaco 2021
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Monaco 2021 30 Bilder

Schmidts F1-Blog zur Monaco-Kritik

Schmidts F1-Blog zur Monaco-Kritik Ein Mal Monaco muss sein

GP Monaco

Der GP Monaco steht wieder in der Kritik. Weil es kein echtes Überholmanöver gab. Lewis Hamilton forderte sogar ein anderes Format, um die Stadtrundfahrt zu beleben. Michael Schmidt findet hingegen, dass Monte Carlo so bleiben soll, wie es ist. Ein Mal im Jahr muss man diesen Grand Prix aushalten.

Dass so viele jedes Jahr aufs Neue überrascht sind. Der GP Monaco war schon immer eine Prozession mit unfreiwilligem Überholverbot. Seit die Formel 1 vor vier Jahren auf breitere Autos umgestiegen ist, wurde es noch schlimmer. Was keinen verwundern sollte. Mehr Breite, mehr Länge und schnellere Rundenzeiten fördern nicht das Überholen. Vor allem, wenn sich die Strecke nicht mit verändert.

2017 gab es vier Überholmanöver, 2018 sieben, 2019 zwei und dieses Jahr gar keines. Wir sprechen hier von echten Positionswechseln. Alles, was in der ersten Runde passiert, zählt nicht dazu. Also auch nicht, dass Mick Schumacher seinen Teamkollegen in Loews ausgetrickst hat.

Hat mich das groß gestört? Ich kann damit leben. Weil sich die Spannung in Monte Carlo erfahrungsgemäß aus dem Warten auf den einen Moment bezieht, der das Rennen auf den Kopf stellt und einige auf dem falschen Fuß erwischt. Der kam diesmal nicht. War es halt ein eher langweiliges Rennen. Ein Mal im Jahr muss man Monte Carlo aushalten können.

Weil es einfach ein einzigartiger Grand Prix ist. Weil er Geschichten erzählt, die andere Strecken nicht zu bieten haben. Weil die Rennstrecke geil ist. Weil der Höhepunkt schon am Samstag stattfindet. Wären alle Strecken gleich, wäre es auch langweilig.

Mick Schumacher - GP Monaco 2021
Motorsport Images
Mick Schumacher konnte in der Startrunde Nikita Mazepin überraschen. Aber in den 77 Runden danach passierte nichts mehr.

Zu wenig Unterschiede

Ich wünsche mir bei den Schauplätzen sowieso mehr Abwechslung. Früher, da gab es noch die ultralange Nordschleife, Monza mit seinen Windschattenschlachten, Zandvoort in den Dünen, Spa auf öffentlichen Straßen, Clermont-Ferrand mitten in den Bergen und Silverstone rund um einen Flugplatz. Jede Strecke schrieb ihr eigenes Drehbuch.

Monte Carlo vorzuwerfen, dass wenig überholt wird, ist genauso unsinnig wie das Argument, dass die Zuschauer auf der Nürburgring-Nordschleife die Autos nur zwölf Mal sehen würden. Es gäbe trotzdem einen Rekordbesuch. Weil es die ultimative Prüfung für Auto und Fahrer wäre. Und weil es das nirgendwo sonst gibt, dass man ein paar Minuten warten muss, bis wieder ein Auto auftaucht.

Jochen Mass hat mir einmal erzählt: "Es war schon Gänsehaut, wenn du zuerst nur gehört hast, dass die Autos näherkommen." Der Nürburgring ist nicht wegen der geringen Rundenzahl aus dem Kalender geflogen, sondern weil er zu gefährlich war.

Monte Carlo hat seine eigenen Gesetze. Da gewinnt nicht unbedingt der schnellste Fahrer und das schnellste Auto, sondern derjenige, der zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist. Ich behaupte mal, dass so ein Drama wie das um Charles Leclerc nur in Monaco passieren kann. Vom Hero zum Zero in nur 23 Stunden.

McLaren - Formel 1 - GP Monaco - 2021
McLaren
Die aktuelle Auto-Generation ist zu lang für die engen Gassen von Monaco.

Verrückte Ergebnisse

Da kann Ferrari auf die Pole Position fahren, Sebastian Vettel seinem flügellahmen Aston Martin eine kleine Sternstunde bescheren und Pierre Gasly seinen Platz ein ganzes Rennen gegen Hamilton verteidigen. Das geht in Paul Ricard, Silverstone oder Suzuka nicht. Nicht mal in Singapur. Wenn es mal ein echtes Überholmanöver oder ein missglücktes mit Kleinholz gibt, dann erinnern wir uns ein ganzes Leben dran.

Es gab immer mal wieder Pläne, Monaco um einen Streckenteil zu erweitern, in den man eine Überholstelle einbauen kann. Zur Zeit wird links von der Portier-Kurve ein ganzes neues Stadtviertel ins Meer verpflanzt. Pläne die Strecke dorthin zu verlängern, wurden allerdings schon wieder begraben. Ich bin nicht traurig darum. Es hätte diesem Kurs wahrscheinlich etwas von seinen Eigenheiten genommen.

Alle Modifikationen seit 1950 haben den Streckencharakter immer irgendwie bewahrt. Die beste Überholmöglichkeit wäre übrigens eine Rückkehr zu der ganz alten Variante mit der Gasometer-Kurve. Dazu müsste man nach der Tabak-Kurve wieder in die obere Etage fahren, dort wo heute die Boxengasse verläuft. An der Boxeneinfahrt ginge es 180 Grad ums Eck in die Zielgerade. Es wäre ein langer Anlauf und viel Platz. Doch wohin dann mit der Boxengasse?

Wahrscheinlich werden sich schon nächstes Jahr die Gemüter wieder beruhigen. Die 2022er Autos werden etwas kürzer und vor allem langsamer sein. Das sollte dem Überholen wenigstens etwas helfen.

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