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Michael Schumacher im Interview

"Ich zweifle ständig an mir"

Michael Schumacher GP Kanada 2012 Foto: Mercedes 38 Bilder

Michael Schumacher feiert in Spa sein 300. Grand Prix-Wochnende. Im Interview spricht der 43-jährige Rekordchampion über das Jubiläum in seinem Wohnzimmer, die fehlenden Siege nach seinem Comeback und den Patzer beim Start in Budapest.

28.08.2012 dpa
"Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier, sag mir wo und wann?" - inwiefern trifft denn der Höhner-Refrain auf Sie, Spa-Francorchamps und ihr 300. Formel-1-Rennwochenende zu?

Schumacher: Schon ziemlich, zugegeben. Irgendwie scheint sich immer alles in Spa abzuspielen, meine Karriere kreist sozusagen um Spa. Dass ich jetzt auch dort mein 300. Rennen begehe, ist klarer Zufall, aber irgendwie auch erwartbar. Hier ist so vieles passiert, mein erstes Rennen, mein erster Sieg, der WM-Sieg 2004 - klar will ich hier ein tolles Rennen hinlegen, wenn Sie darauf anspielen.

Konnten Sie mit ein bisschen Abstand eigentlich über ihre Falschpark-Aktion in Budapest lachen?

Schumacher: Ich hatte schlichtweg nicht bemerkt, dass Kobayashi weiter gefahren war, nachdem ich mich hinter ihm eingeordnet hatte. Ich war total auf das Startprozedere konzentriert und danach auf die Lichter, als ich aufschaute.

Wie wichtig sind Ihnen denn Selbstzweifel - auch wenn man so abhängig ist von der Technik und einem großen Team?

Schumacher: Selbstzweifel sind absolut und immer wichtig. Ich zweifle ständig an mir, das war schon immer so. Man muss sich permanent infrage stellen, um sich weiter zu entwickeln und dazu lernen zu können. Das gilt überall im Leben, und in unserer Welt erst recht - denn die Formel 1 ist gleichbedeutend mit Weiterentwicklung.

Nach ihrem Podestplatz in Valencia wirkten sie unglaublich gelöst. Wie groß ist die Sehnsucht nach dem Gefühl des Gewinnens und wie sehr würde es Ihnen fehlen, wenn Sie es nicht noch mal genießen könnten?

Schumacher: Das wäre schon schade, klar, ich würde schon gerne noch das eine oder andere Highlight erleben. Aber die Bestätigung für seine Leistung holt man sich nicht nur durch Siege. Ich hatte seit meinem Comeback einige Momente, die mir tiefe Befriedigung gegeben haben: Wenn ich das Optimum aus dem Auto herausgeholt habe zum Beispiel, auch wenn das dann zu keinem vorzeigbaren Ergebnis geführt hat. Das ist schwer nach außen vermittelbar, weil man das von außen nicht erkennen kann. Aber das Gefühl ist sehr schön.

Trauen Sie sich wirklich zu, mit fast 45 Jahren auch noch mal Formel-1-Weltmeister werden zu können?

Schumacher: Mit dem Alter hat das sicher nichts zu tun, und momentan stellt sich die Frage ja leider nicht. In diesem Jahr kämpfen wir nicht mehr um die WM. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

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