Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - 2021 Haas
Kimi Räikkönen - Mick Schumacher - GP Italien 2018 - Monza
Mick Schumacher - Haas - GP Sakhir 2020 - Bahrain
Mick Schumacher - Haas - GP Sakhir 2020 - Bahrain
Mick Schumacher - Haas - GP Sakhir 2020 - Bahrain 15 Bilder

Mick Schumacher Interview: "Arbeit nicht umsonst"

Mick Schumacher im Interview „Die Arbeit ist nicht umsonst“

Mick Schumacher hat die ersten neun Rennen seiner noch jungen Formel-1-Karriere hinter sich gebracht. Im Interview mit auto motor und sport zieht der Haas-Rookie Zwischenbilanz, wagt aber auch schon einen Blick in die Zukunft.

Vor der Saison war Ihre Vorfreude auf die Formel 1 groß. Ist die Euphorie nun etwas der Ernüchterung gewichen?

Schumacher: Nein, das ist immer noch alles da. Jedes Mal, wenn ich ins Auto einsteige muss ich erst einmal realisieren, dass ich jetzt wirklich in einem Formel-1-Auto sitze. Das Fahren macht einfach so viel Spaß. Und auch die akribische Arbeit hinter den Kulissen bereitet mir jede Menge Freude.

Sie gelten als einer der härtesten Arbeiter im Fahrerlager. Ist es nicht frustrierend, wenn am Ende so wenig dabei rumkommt?

Schumacher: Wir wussten von Anfang an, dass es diese Saison schwierig sein würde. Aber die Arbeit ist ja nicht umsonst. Wenn es sich dieses Jahr nicht auszahlt, dann eben nächstes Jahr oder in den Jahren danach. Deshalb ist es für mich wichtig nicht nachzulassen, auch wenn es auf der Strecke vielleicht mal schlecht aussieht.

Wie gut haben Sie sich in der Formel 1 eingelebt? Haben Sie unter den F1-Fahrern neue Freunde gefunden?

Schumacher: Das ist leider unter Covid-Bedingungen nicht so einfach. Da gibt es so viele Regeln, die man beachten muss. Aber ich verstehe mich zum Beispiel mit Esteban (Ocon) ganz gut, der ja auch in Genf lebt. Ich habe ein gutes Verhältnis mit den meisten Fahrern. Am Ende ist Sebastian (Vettel) aber derjenige, dem ich am nächsten stehe. Er ist mir eine große Hilfe – sowohl an der Strecke als auch abseits. Es ist einfach super, dass ich mich an jemand wenden kann, der so viel Erfahrung hat und dabei einfach ein toller Mensch ist.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - 2021
Wilhelm
Noch immer wartet Mick Schumacher auf die ersten WM-Punkte.

In den Nachwuchsklassen hat es öfter mal etwas länger gedauert, bis die Erfolge kamen. In der Formel 1 war der Speed sofort da. Gibt es dafür einen Grund?

Schumacher: Das weiß ich auch nicht genau. Es ist mir natürlich klar, dass man in der Formel 1 nicht so viel Zeit bekommt. Da muss man sofort abliefern. Ich habe mich hier sofort sehr wohlgefühlt. Natürlich hat mir die gute Arbeit mit dem Team dabei geholfen, mich auf die ersten Rennen vorzubereiten.

Wie wichtig war die Ausbildungszeit bei Ferrari?

Schumacher: Das war natürlich sehr wichtig. Zu wissen, dass Ferrari hinter mir steht, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ich weiß, dass sie mir in jeder Situation helfen können.

Guenther Steiner hat mal gesagt, dass die Fahrer erst nach dem zehnten Rennen wissen, dass sie im ersten Rennen noch nichts wussten. Ist diese Erkenntnis bei Ihnen schon da?

Schumacher: Es geht nicht nur um das Wissen. Ich fühle mich mittlerweile viel wohler im Auto und kenne jeden Handgriff. Jeder Finger weiß, was er machen muss. Mit ist jetzt auch viel klarer, wie die ganzen Abläufe aussehen, was im Rennen passiert, was nach dem Rennen passiert und wie die Arbeit außerhalb der Rennstrecke aussieht, wenn ich nicht direkt mit dem Team zusammen bin.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - 2021
Haas
Mick Schumacher hat seinen Teamkollegen Nikita Mazepin bisher locker im Griff.

Können Sie den Ingenieuren bei der Abstimmung schon immer genau sagen, was am Auto verändert werden muss, damit es Ihnen besser passt?

Schumacher: Das ist ein langer Prozess. Ich fühle mich schon sehr wohl im Auto. Aber beim Feinschliff gibt es natürlich immer Dinge, die man noch verbessern kann, damit ich das Auto am Ende so fahre, wie es gefahren werden muss. Das Team investiert da viel Zeit und Arbeit. Ich bin in diesen Prozess voll eingebunden und gebe auch immer meinen Senf dazu. Ich sage dann zum Beispiel auch, wenn ich bei einem Problem lieber einen anderen Weg probieren will.

Können Sie in ihren jungen Jahren schon richtig fordernd gegenüber den Ingenieuren sein?

Schumacher: Definitiv. Ich sage natürlich nicht einfach, dass ich ihren Weg nicht so gut finde, sondern mache Vorschläge wie man etwas vielleicht anders probieren könnte. Es ist mir wichtig, dass wir am Ende alle am gleichen Strang ziehen, um gemeinsam einen Schritt nach vorne zu machen.

Normalerweise sind Ingenieure immer skeptisch, wenn ein junger Fahrer Ansagen macht.

Schumacher: Das ist bei uns nicht so. Das Vertrauen ist voll da – sowohl von ihnen zu mir als auch von mir zu ihnen. Wir arbeiten sehr gut als Team zusammen und die Ingenieure sind extrem offen, wenn es darum geht, was ich zu sagen habe. Auch wenn ich natürlich noch nicht in jedem Fall alle Hintergründe kenne und es nicht immer zu 100 Prozent passt. Andersrum probiere ich auch Sachen auf der Strecke immer sofort aus, wenn mir die Ingenieure Vorschläge machen. Mir wurde gesagt, dass andere Fahrer das früher gar nicht gemacht haben. Die haben lieber ihren eigenen Kopf durchgesetzt.

Sebastian Vettel - Mick Schumacher - Formel 1 - 2021
xpb
Sebastian Vettel ist für Schumacher mehr als nur ein Fahrer-Kollege.

Guenther Steiner ist ein sehr direkter Typ. Gibt es da auch mal ein paar böse Worte, wenn man das Auto nicht heil an die Box zurückbringt?

Schumacher: Das kommt immer darauf an. Wenn man es wie in Paul Ricard trotzdem ins Q2 schafft, dann macht es die Situation natürlich etwas leichter. Aber das ist natürlich keine Entschuldigung dafür, dass man das Auto rauswirft.

Ihren Teamkollegen haben Sie klar im Griff. Wünscht man sich nicht manchmal eine stärkere Messlatte, von der man mehr lernen kann?

Schumacher: Natürlich tappen wir mit zwei jungen Fahrern in manchen Situationen etwas im Dunkeln. Aber da wir beide so hungrig sind und so hart arbeiten, kommen wir in der Regel irgendwann auch zu dem Punkt, wo wir Licht am Ende des Tunnels sehen.

Aber ginge der Lernprozess nicht schneller mit einem erfahrenen Teamkollegen?

Schumacher: Das war eine Entscheidung des Teams mit zwei jungen Fahrern in die Saison zu gehen. Und ich stehe voll hinter dieser Entscheidung.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Steiermark - 26. Juni 2021
Jerry André
Gerne würde Mick Schumacher mit seinen Mechanikern eine enge Freundschaft pflegen wie es einst Vater MIchael mit seinem Team bei Ferrari machte.

Wegen Corona können Sie nur selten in die Fabrik in England. Wie sehr erschwert das zwischen den Rennen den Austausch mit den Ingenieuren?

Schumacher: Wenn Covid nicht wäre, würde ich sicher viel mehr Zeit dort mit dem Team verbringen. Zum Glück haben wir auch ein paar Leute in Italien, wo die Anreise etwas einfacher ist. Ich hoffe einfach, dass sich die Lage in den nächsten Monaten etwas beruhigt.

Ihr Vater kannte früher alle Mechaniker persönlich und hat sich auch um ihre Probleme gesorgt. Versuchen Sie auch so ein enges Verhältnis mit Ihren Jungs zu pflegen?

Schumacher: Natürlich wäre das schön, auch mal die Familien kennenzulernen und zu wissen, was sie privat machen. Man will die Leute ja persönlich kennen, mit denen man zusammenarbeitet. Das ist aber in der aktuellen Situation nicht so einfach. Wir versuchen die Zeit mit Bildern auf dem Handy zu überbrücken.

Wie gut ist die Moral im Team, wenn man mit null Punkten Letzter ist. Hängen da schon die Köpfe?

Schumacher: Nein, gar nicht. Das Team ist weiter extrem motiviert. Wenn man zum Beispiel an das Rennen in Baku zurückdenkt, wo wir an Williams vorbeigehen konnten und den neunten Platz erobert haben. Da haben sich alle sehr gefreut. Da konnte man sehen, wie viel ihnen das bedeutet. Natürlich ist es auch mein Ziel am Ende vor Williams zu landen. Ich hoffe, wir schaffen das noch mit dem ein oder anderen guten Resultat.

Mick Schumacher - GP Monaco 2021
xpb
Bis auf den einen oder anderen kleineren Ausrutscher kann man Mick Schumachers Start in die F1-Karriere als gelungen bezeichnen.

Vor der Saison lautete Ihr Ziel, ab und zu mal ein Pünktchen zu sammeln. Die Zuverlässigkeit im restlichen Feld war zuletzt aber immer sehr hoch. Wie groß ist die Zuversicht, dass es noch klappt?

Schumacher: Es gibt bestimmt noch ein paar Rennen, wo es Chaos geben könnte. In Baku waren wir schon sehr nah dran, trotz einiger Probleme, die wir selbst hatten. Ich bin überzeugt, dass wir noch etwas Zählbares mitnehmen. Wir sind ja jetzt gerade erst das neunte von 23 Rennen gefahren.

In schwierigen Zeiten vertröstet Ihr Teamchef gerne auf das nächste Jahr. Sind Sie in die Entwicklung des neuen Autos schon eingebunden?

Schumacher: Ich arbeite schon sehr eng mit den Ingenieuren in der Fabrik für das 2022er Projekt zusammen. Da bin ich also voll eingebunden.

Ihr Vater war auch für ausschweifende Meisterpartys bekannt. Sie gelten eher als ruhiger Typ. Können Sie auch richtig feiern, wenn es irgendwann mal was zu feiern gibt?

Schumacher: Ich bin normalerweise derjenige, der eine Party entweder früher verlässt oder die ganze Nacht durchmacht. Dazwischen gibt’s bei mir nichts. Da müsst Ihr Euch dann selbst überzeugen, wenn es soweit ist.

Mehr zum Thema Haas F1
Mercedes vs. Red Bull - Formel 1 - GP England 2021
Aktuell
F1-Autos 2022 - Collage
Aktuell
Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - Donnerstag - 1.7.2021
Aktuell
Mehr anzeigen