Mit 400 Sachen durch die Wüste

Foto: Honda 9 Bilder

Das Honda-Formel 1-Team durchbrach auf einem Salzsee im amerikanischen Bonneville erstmals die 400 km/h-Marke mit einem Formel 1. Der neue Rekord wird dennoch nicht anerkannt.

Das Honda-Team musste bei dem Rekord-Versuch zunächst feststellen, dass die Mojave-Wüste nicht Bonneville ist. War der Südafrikaner Alan van der Merwe mit seinem Honda RA106 in der Mojave noch Tempo 412 gefahren, zeigten die Messgeräte am ersten von vier Tagen in Bonneville bei unverändeter Einstellung des Autos nur 355 km/h an.

Die Mannschaft um Projektleiter Gary Savage musste feststellen, dass die serienmäßigen Formel 1-Reifen verzweifelt nach Halt suchten. "Es war wie auf Eis", sagte van der Merwe. Dabei hatte man extra Intermediate-Reifen für einen besseren Grip aufgezogen. Weil die Vorderräder auf dem glatten Geläuf kaum lenkbar waren, packten die Mechaniker 60 Kilogramm Ballast in die Nase. Auch jenseits der 300 km/h-Marke drehten noch die Hinterräder durch.

45 Sekunden lang mit Höchstdrehzahl

Auch der Aggressivität des Untergrunds trug man Rechnung: "Wir mussten Bremsen und Radlager modifizieren", sagte Savage. Zudem fuhr van der Merwe mit einer speziellen Getriebeabstufung mit zwei eng beieinander liegenden hohen Gängen. Zum Schluss musste auch der Heckflügel einer einzelnen, längsgerichteten Finne weichen. Honda entwickelte eigens ein Triebwerk, dass 45 Sekunden lang eine Drehzahl von 18.200/min aushält.

Dennoch erreichte der Honda auch am zweiten Tag nicht die gewünschte Geschwindigkeit. Der Schnitt lag knapp über Tempo 390. Am drittenTag gelang dann das Kunststück. 400,459 km/h zeigten die Messapparaturen an. Dennoch wird der Rekord nicht offiziell anerkannt, denn van der Merwe knackte die 400er Marke nur auf dem Rückweg.

Für einen echten Rekord zählt der Durchschnitt aus Hin- und Rückfahrt, um eventuelle Ungenauigkeiten bezüglich Wind oder Gefälle auszugleichen. Der Schnitt lag aber "nur" bei 393,613 Km/h. Weil am vierten Tag eine Antriebswelle brach und das Differenzial beschädigt wurde, musste das Team schließlich aufgeben.

Dreher jenseits von Tempo 200

Pilot van der Merwe ließ sich die Laune nicht verderben. "Wir wollten einen Weltrekord für Formel 1-Autos aufstellen. Das haben wir geschafft. Wir wollten 400 fahren, das haben wir auch erreicht." Für den Südafrikaner war die Tour ein besonderes Erlebnis: "Ich brauchte die ganze Breite der Piste, um das Auto zu kontrollieren. Ein paar Highspeed-Dreher waren auch dabei."

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